Neue
Hessische Zeitung.
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Die Neue Hessische Zeitung erscheint täglich, Sonntags mit einem Unterhaltungsblatte, und wird um 11 Uhr Morgens ausgegeben. Der Abonnementspreis beträgt 1 £Mr. 5 Sgr. für das Quartal, wofür alle kurhessischen Postämter und Buchhandlungen solche ohne Preiserhöhung liefern. — Anzeigen jeder Art werden die Petitzeile mit 1 Sgr. berechnet.
Politische Nachrichten.
Deutschland.
-T- Frankfurt, 8. August. 57. Sitzung des Deutschen Reichstages. Die Gallerien sind überfüllt, die Versammlung in lebhafter Bewegung. Die Tribünen sind reichlich mit Damen besetzt, die überall nicht fehlen, wo es einer Hinrichtung gilt. Die Sitzung beginnt um halb 10 Uhr mit Verlesung des Protokolls. Das Protokoll wird genehmigt. v. Soiron verliest drei in Bezug auf die gestrige Störung bezügliche Anträge, einen von Vincke und 170 Mitgliedern von der Rechten und der Centren, besonders des rechten, gestellt, daß die Versammlung ihre Mißbilligung über die Aeußerung des Abgeordneten Brentano aus spreche; der zweite, von dem linken Centrum gestellt, verlangt Ordnungsruf, und der dritte, von der Linken ausgehend, ver- verlangt folgendes: „Der Abgeordnete Brentano wurde gestern gewaltsam gehindert, seine Rede zu beendigen, die Abgeordneten Carl, v, Bally, v. Vincke, Kerst, Plathner und mehrere andere Mitglieder der Rechten bestürmten die Tribüne, beleidigten den Abgeordneten und suchten denselben theilweise zugleich durch Thätlichkeiten von der Tribüne zu entfernen (Einige Stimmen rechts: Lügen! pfui! links Erwiderung. Ein Oesterreicher aus dem Centrum: Ruhi holten!), Einige Personen wurden durch Schimpfwortc injuriirt, sogar, was im parlamentarischen Leben unerhört ist, wurden Forderungen zu Pistolenduellen in der Versammlung und auf der Tribüne gestellt. Die Unterzeichneten erkennen hierin einen schweren Bruch des Friedens und der Ordnung des Hauses und hegen zum Präsidenten das Vertrauen, daß er gegen dieses Verfahren einschreiten werde. Nachdem die Namen der Unterzeichner verlesen waren, verlangt die Linke auch das Lesen der Namen der Unterzeichner des Antrags von Rechts. Nachdem diesem Verlangen nachgegeben, und eine lange Reihe von Namen verlesen war, verlangen wieder einige von der Linken den Schluß, werden jedoch vom Präsidenten zurückgewiesen. Nachdem der letzte Antrag verlesen, nimmt von Soiron, der auch heute natürlich präsid rt, das Wort und sagt folgendes: Meine Herren! der Abgeordnete Brentano hat durch den gestrigen Vergleich edle Deutsche Volkâ- stämme und dadurch die Versammlung selbst schwer verletzt. Das Deutsche Volk hat uns hierher gesandt, um das Werk
der Einigung unseres großen Vaterlandes zu vollbringen. Sollen wir diese schwierige Aufgabe lösen, so müssen vor Allem in diesem Saale die Vertreter aus den verschiedenen Gauen sich aufrichtig und treu die Bruderhand reichen; gegenseitige Anfeindungen aber können nur zur Zwietracht führen, und ist daher die gestrige Aeußerung des Abgeordneten Brentano unpatriothch. Aus diesen Gründen rufe ich den Abgeordneten (links: kein Ordnungsruf, Diskussion! Diskussion!) Schaffrath, Schlöffel, Vogt, Brentano zeichnen sich wieder durch Rufen aus. v. Soiron: „So lange ich rede, hat Niemand das Recht, mich zu unterbrechen." Schlöffel stürzt auf das Präsidium zu, nach ihm Zimmermann von Stuttgart, dann Vogt und Werfen dem Präsidenten Parteilichkeit vor, als wenn nicht der Präsident das Recht hätte, den Ordnungsruf ergehen zu lassen, wenn er ihn für nöthig hält. Der Lärm wird immer größer auf der Linken, (die Rechte beobachtete tiefes Schweigen und Ruhe während dieser Scenen). Die Gallerien betheiligen sich von Neuem, trotz 500 Mann Schutzwachen, welche auf derselben vertheilt sind, an dem Skandale. Die Sitzung wird wiederum aufgehoben bis um 11 Uhr. — 1 1 U h r. v. Soiron, nachdem er die Sitzung eröffnet hat: „Meine Herren! Sie haben Alle meinen Ordnungsruf gehört und werden mit mir einverstanden sein" (links: Nein! Nein! Unterbrechung) „es wird aller Zweifel darüber schwinden, daß hiermit alle Anträge erledigt sind! (links: Sie sind Partei). Soiron fährt fort: Ich muß zugleich die ernst gemeinte Erwartung aussprechen, daß sich dergleichen Auftritte nicht wiederholen. Auch den gerechten Zorn (links großer Lärm) muß man bemeistern und unterwinden können, wenn es der Auf- rechthaltung der Würde dieser Versammlung gilt, einer Versammlung, auf die ganz Deutschland steht. Unter großem Lärm nimmt v. Gagern das Wort: „Meine Herren! Es handelt sich hier bloß von dem Rechte des Präsidenten und darüber, hoffe ich, werden Sie bei ruhiger Erwägung finden, daß ich Recht habe: Es ist nicht möglich, daß man fordern kann, bei einigem Nachdenken, daß der motivirte Ordnungsruf ein Gegenstand der Diskussion sein solle. Die Motive zum Ordnungsruf sind Sache des Präsidenten, er hat dieselben zu Vertretefl. Wenn dadurch Einzelne oder eine Partei sich verletzt glaubt, so hat sie das Recht, darüber an die Versammlung zu appelliren, aber nur im ge-