Beilage z n Nr. 71 der Neuen Hessischen Zeitung.
Italien
Die Augsburger Allgemeine Zeitung veröffentlicht 2 neue Sieges-Büllrtins des Feldmarschalls Radetzki. Das erste aus Cicognolo bei Cremona vorn 30. Juli 1848 meldet, daß die Armee am 26. Juli in 2 Gesonnen den Mincio überschritten habe, daß das 2te Armercorps am 26. Abends und am 27. früh den Feind in 2 blutigen Gefechten bei Volta total geschlagen habe. Am 29. Juli ist die mit der Verfolgung des Feindes beschäftigte Armee an den Oglio gekommen und hat diesen Fluß am 30. in 2 gesonnen ungehindert passirt. Am 31. soll Cremona angegriffen werden. — Das 2. Bulletin aus Sesto 5 Miglien von Cremona vom 31. Juli meldet die Unterwerfung der Stadt Cremona ohne Widerstand. Die 4 gesonnen sind im vollen Anzüge auf die Adda, welche Radetzki schon am l. August ^u überschreiten gedachte. Das Landvolk kam der Armee überall freudig entgegen und grüßte sie als seine Befreier. Aber in den Städten herrscht — so meldet der General — ein „schlechter" Geist, der „gezüchtigt" werden muß. — In Cremona wurden 0 Kanonen und große Borräthe an Birtualien rc erbeutet. — Die Armee war vom besten Geiste beseelt und ertrug diese in der größten Hitze ausgesuhrten Gewaltmärsche mit Freuden. — Privat Nachrichten zufolge glich des Borrüchen der Armee einem zwiumphzuge. Sie hat Wunder der Tapferkeit verrichtet. Noch vor 8 Tagen in bedrängter Lage bei Verona—und heute steht das Heer an der Adda. Radetzki gedenkt dem Carlo Alberto die Friedensbedingungen in Turin vi diclnen.
Das neue sardinische Ministerium findet wenig Svinpa- tbien. Am 29. Juli versammelte sich eine große Volks- masse vor der Kammer, forderte deren Flusses miß und die Comentration aller Gewalten in den Händen des Königs. Die Thüren mußten geschloffen werden uno die National- garde mußte die Kamme. schützen. Mehrere Mitglieder hielten Reden an die Menge, endlich erschien Gioberti, zeigte an, daß er mit der Bildung eines neuen Ministeriums bc- austragt sei und daß er sein Programm der Kammer Vortagen werde; nehme sie es nicht an, so werde er sich zu- rückzirhen. Die Menge zerstreute sich hierauf. Nach dem "Rational Savovsien wäre in derselben Sitzung der Beschluß gefaßt, der Regierung des Königs während der Dauer des Unabhängigkeitskrieges die gestimmte legislative und ereku- tive Gewalt zu übertragen. Auch in Paris war, dem Con- stitutionnel zufolge, die Nachricht eingetroffen, daß in Turin dem Könige die Diktatur übertragen worden sei. — Der englische Gesandte am Turiner Hofe hat sich, wie es heißt, in Radetzky's Hauptquartier begeben, um durch Drohung mit einer englisch - französischen Intervention einen Waffenstillstand zu bewirken. Die sardinischen Kammern haben den König mit unbeschränkter Vollmacht bekleidet. In Genua wird auf das Heftigste der Kreuzzug gepredigt.
Landtag.
Sitzung am 8. August. Die heutige Sitzung, welcher die Herren Minister v. Baumbach, Eberhard, Schwedts und v. Bardeleben beiwohnten, war zunächst der Revision
des Gesetzes, die Lehns- und Meierverhältnisse betreffend, gewidmet; bevor jedoch auf diesen Gegenstand übergegangen wurde, ergriff der Kriegsminister von Bardeleben das Wort und stellte sich in seiner neuen Eigenschaft ungefähr mit folgender Ansprache der Ständeversammlung vor: Es möge Manchen gewundert haben, daß er, ein hochbetagter Greis, sich einer so schweren Bürde, wie die Berwastung des KriegsministeriumS jetzt sei, habe unterziehen mögen; aber er werde sich bemühen, den Anforderungen zu entsprechen, lind es werde ihm gelingen, wenn es ihm an dem Vertrauen der Stände nicht fehle. Er bitte daher unter der Versicherung, daß seine Gesinnungen noch ganz und gar dieselben, wie früher, seien, nur um das Eine: um Vertrauen ! Zum Zeichen, daß man die Gesinnungen desselben ehre und anerkenne und daß er das volle Vertrauen der Stände habe, erhoben sich diese sämmtlich; wer sich der in früheren, schweren Zeilen bewährten und bethätigten Gesinnung des Herrn von Bardeleben erinnert, wird in dieses Vertraueiwzeichen der Stände gewiß atis vollem Herzen einstimmen. Hierauf ging die Kammer zur Revision des Lehns- und Bleiergesetzes über. Es wurden mehrere Aenderungen zu den in den beiden vorigen Sitzungen ge- nehmigten Bestimmungen beantragt, namentlich trug Herr Schwarzenberg darauf an, die bei der Berathung gestrichene Ausnahme unter pos. 1 des §. 1 mit einem Zusatze wieder herzustelien, was mit 30 Stimmen angenommen wurde. Den Zusatz wörtlich wiederzugeben, sind wir im Augenblicke nicht im Stande, dem Inhalte nach führt er verbunden mit der pos. 1 zu dem Resultate, daß von allen seit 1811 neu ccnftituirteu Erblechen und Erbpachten nur die auf denselben ruhenden ständigen Leistungen an Geld und Früchten bestehen bleiben, wahrend der Erbiethe- resp. Erbpachtverband selbst, somit auch das Heimfallsrecht, ferner alle auf dem Verbände ruhenden zufälligen Leistungen re. der Aufhebung nach den Bestimmungen des Gesetzes unter- worfen sind. Die Inhaber solcher Güter rc, werden demnach in Folge des gegenwärtigen Gesetzes volle Eigenthümer und findet künftig nur insofern ein Unterschied zwischen den seit 1811 eonsliluirten Erbleihen rc. und den ältern Erbiethe- oder Erb- pachtgütern Statt, als bei den ersteren die ständigen nach Zeit und Art fest bestimmten Abgaben an Geld und Früchten als eine Grundrente auf dem Gute stehen bleiben, während bei den festem auch diese Abgaben durch das gegenwärtige Gesetz aufgehoben werden. Es mag Manchem auffallend erscheinen, warum diese Modification mit einer so großen Majorität genehmigt worden sei; der Grund ist, weil der Lanvtagscommissar und die Minister des Innern und der Finanzen selbst erklärten, daß durch das Verwerfen de§ Schwarzenberg'schen Amendements nothwendig eine Verzögerung im Erscheinen des Gesetzes werde herbeigeführt werden, indem dann eine weitere Prüfung Seitens der Regierung erforderlich sei. Wir haben schon früher bemerkt, daß uns die ganze Ausnahme unter 1. des §. 1 nicht so wichtig zu sein scheine, daß dadurch das Erscheinen des Gesetzes dürfe verzögert werden, und aus d i e- sem Grunde stimmen wir dem Hrn. Henkel vollständig