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gerten die alten invaliden Medaillen- und Kreuzträger in den Straßen und vor den Wirthshäusern und harrten der Verheißung. 3 nmihelft tafelten die hohen Herren im Re- staurationszelt und sorgten unkluger Weise nicht einmal für ein Mittagsbrod ihrer armen Kameraden draußen, verlangten dagegen „im Namen der draußen versammelten braven Krieger", daß der Bade-Lispector nicht blos die Preußische Fahne aufstecke, sondern and) die Deutsche abnehme , daß ferner das Liev „ich bin ein Preuße" und endlich „Heil Dir im Siegerkranze" aufgespielt werde. Nachdem nun aber „den braven Kriegern" von Seiten der Kurgäste nicht blos Erfrischungen, sondern auch von einem Bielefelder Bürger Belehrungen über den Sinn der Deutschen Farben zu Theil geworden waren, postirten selbige sich vor das Restaurationszelt ihrer hohen Gönnerschaften und ließen das einige freie Deutschland drei Mal hoch leben. Hiernach wurde „Was ist des Deutschen Vaterland rc." gesungen und gespielt. Die Deutschen Fahnen wurden natürlich nicht abgenommen und die braven Krieger zerstreuten sich aUmählig voll Enthusiasmus fürs einige und freie Deutschland. Prosit!
Aus Pommern. Der Regierungs-Präsident von Fritsche in Coeslin, hat die bedeutendern Städte des Departements aufgefordert, Deputationen zur Begrüßung des Prinzen von Preußen nach Stettin zu schicken. Coeslin hat pflichtschuldig Gehorsam geleistet, Stolpe aber jede Betheiligung abgelehnt.
8* Der 6. August.
Der 6. August — so leitet die Weser - Zeitung ihre Huldigungs-Machrichten von diesem Tage ein — war der Tag, an welchem Kaiser Franz die Deutsche Kaiserkrone niederlegte. Diese Erinnerung mag dazu beitragen, die Animosität einzelner Fürsten, namentlich Preußens, gegen die Huldigung zu erklären.
Vor Allem ist in München, wo bisher mit allen osficicUen Anerkennungen der Reichs-Gewalt auffallend gezaudert wurde, der Huldigungsbefehl erfolgt. Wie? darüber lautete die Nachrichten verschieden. Nach der Allgem. Zeitung sollte sich im klebrigen an die Vorschrift des Reichs- Kriegsministers gehalten, und nur von den drei Hochs das erste dem König, das zweite dem Reichsverweser und das dritte dem Deutschen Vaterlande ausgebracht werden. Dagegen ist, wie die Bremer Zeitung, sowie die Ober-Post- Amts-Zeitung versichern, dort der Befehl ergangen, die Huldigung genau und ganz nach der Vorschrift des Reichs- Kriegsministeriums vorzunehmen.
In Hamburg und Bremen ist dem Befehle des Reichs - Kriegministeriums unter der festlichen Theilnahme des Volkes nachgelebt worden.
In Braun schmeig hatte bekanntlich verlautet, der Herzog wolle die Huldigung nicht vornehmen lassen. Die Minister und der Oberbürgermeister hatten dem Herzog keineswegs zugestimmt, und am 4. August 10 Uhr Morgens ward zu Braunschweig eine Volksversammlung gehalten, welche, da sie in geschlossenem Raume keinen Platz fand, auf dem Markt stattfinden mußte. Sie beschloß eine alsbald mit Tausenden von Unterschriften bedeckte Adresse. Die
gereizte Stimmung, welche alle Klassen der Gesellschaft durchdrang — sie sprach sich auch in einer Versammlung der lln- terofficiere der Garnison und in einer nationalen Demonstration der schwarzen Jäger aus — verlieh der Bewegung einen sehr ernsten und drohenden Character. Sie machte sich auch in einer, von den Stadtverordneten mittelst Deputation abgesandten Adresse an den Herzog Luft. Als nun die Ständeversammlung in ihrer Mittags 12 Uhr eröffneten a. o. Sitzung den Antrag des Abgeordneten von Campe, sie möge beschließen bei der Regierung zu beantragen, vaß die im Erlasse des Reichs-Kriegsministers vom 26. v. M. getroffene Anordnung über die öffentliche feierliche Anerkennung des Reichsverwesers in Beziehung auf die von ihm nach dem Gesetze vom 2. Juli d. I. übernommene Oberleitung der gesummten Deutschen Macht am 6. d.M. allhier zur Ausführung komme, von sämmtlichen Mitgliedern unter lebhafter Zustimmung der Zuhörer unterstützt und demnächst angenommen wurde, eröffnete der Staatsminister von Schleinitz derselben, er sei zu der Mittheilung ermächtigt, daß unsere Truppen am 6. d. M. ausrücken und durch ein dreimaliges Hoch den Erzherzog- Reichsverweser anerkennen würden.
Zu Hannover hat die gestimmte Bürgerwehr ihre Führer genöthigt, den Huldigungs-Act vorzunehmen. Sie ist 16 Compagnien stark, mit Fahnen und klingendem Spiele ausgerückt, und hat nach einer kräftigen Anrede des Bürger-Generals Dr. Hölscher die Huldigung in der vorgeschriebenen Weise geleistet. Abends war die Stadt festlich beleuchtet und die Häuser prangten mit zahlreichen Deutschen Fahnen. Dichte Haufen zogen bis zur späten Nacht durch die Stadt und suchten ihre nationale Gesin- nung sehr kräftig zu bemonfirhen. Am 7. Nachmittags war eine Volksversammlung im Freien anberaumt, um zu erwägen, durch welche Schritte die Huldigung des Mili- lairs nötigenfalls zu fordern sei. Die bereits auf den 6. Morgens 1072 Uhr bestellte militairische Huldigungsparade war nämlich plötzlich aufbestellt worden. — Es hat sich nunmehr herausgestellt, daß die Soldaten den 6. August auf den Kasernenhöfen begangen haben. Dort wurde ihnen der Tagesbefehl des Reichs - Kriegsministers vorgelesen und daran die Erklärung geknüpft: man erwarte, daß sich die bewährte Tapferkeit der hannoverschen Truppen anch jetzt für Deutschland bethätigen würde. Eine genaue und vollständige Ausführung des vorgezeichneten Huldigungs-Actes ist nicht geschehen; auch vermißt man die schwarz-roth-goldnen Cocarden, durch welche einige anwesende Oesterreichische Officiere sich sehr Vortheilhaft auszeichneten.
In Würtemberg, Baden, Darmstadt, Sachsen ist die Huldigung mit derselben Bereitwilligkeit und Genauigkeit angeordnet worden, als in Kurhessen.
In Oesterreich wird dem Vernehmen nach der Kriegsminister Latour — welcher sich den fremden Regimentern, sowie den in Deutschen Regimentern befindlichen fremden Officieren gegenüber in einer gerade in diesem Augenblicke des nur mühsam zurückgehaltenen Nationalitäten-Kampfes doppelt fatalen Lage befindet, nur die Deutschen Regimen-