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setzkörpers zu Frankfurt und 2) der Regulirung ber Militair- Verhältnisse nach dem zu erwartenden Reichsgesetz.

Oldenburg. Unser Ministerium ist zum Theil ge­wechselt, an die Stelle von Beaulieu tritt Staaisrath Schloi- fer, welcher mit Hofrath Celenius und Assessor Buchholz das Ministerium bildet. Schloifer und Buchholz sind die Verfasser des Staatsgrundgesetz-Entwurfes.

B e r n b u r g. Durch landesherrliche Verordnung vom 24. Juli ist an die Stelle des bisher bestandenen geheimen Konferenzrathes ein verantwortliches Ministerium getreten.

*8 Kassel, am 6. August. In Gemäßheit der An­ordnung des Reichs-Kriegsministeriums rückte heute Morgen um 8 Uhr die hiesige Garnison mit klingendem Spiele auf den Forst, die Krieger mit schwarz - roth - goldenen Kokar­den, die Fahnen mit gleichfarbigen Schleifen geschmückt. Nachdem sich die Truppen vor dem Kurfürsten, welcher um 9 Uhr mit glänzendem Generalstabe zu Pferde anlangte, in einem offenen Viereck ausgestellt hatten, verlas der Di­visions-General Bauer die Proklamation des Neichsver- wefers, Erzherzogs Johann, an das deutsche Volk. Hier­auf marschirten die Truppen in Linie auf. Der Kurfürst gab mit gezogenem Degen das Zeichen zu bem Huldigungs- Akte, und nachdem General Bauer mit vernehmlicher Stimme die Worte der Huldigung ausgesprochen hatte, schallte dem­selben ein dreimaliges lauttönendes Hurrah zu Ehren des Reichsverwestrs von Seiten des ausgestellten Militärs ent­gegen. Ebenso wurde das hierauf von demselben General dem Landesherrn ausgebrachte Hoch von den Truppen mit lautem Rufe wiederholt. Eine dreimalige Artillerie-Salve verkündete weithin dem hessischen Volke die Aneikennung ber Reichsgewalr und die Unterwerfung seines Heeres unter die obere Leitung des Reichsverwestrs.

Gleichzeitig hatte sich die gesummte Bürgerwehr in der Carlsaue auf dem Bowlingreen versammelt ; mit ihr so ziem­lich die ganze Bevölkerung der Stadt. Dort wurde unter freiem Himmel Gottesdienst gehalten. Die 3 Bataillons Bürgergarde, sowie die Escadron hatten um den auf dem Bowlingreen vor dem großen Pavillon des Schlosses Oran­gerie errichteten Altar einen weiten Halbkreis sormirt. Den Platz zu beiden Seiten des Altars nahmen die Stände, Magistrat, Geistlichkeit und obere Behörden ein. Daran schloß sich rechts das 1. Bataillon des Schutzvereins, dessen Fahnenweihe es galt, links in schönem Kreis die mit wei­ßen Kleidern , blauen Bändern und schwarz - roth - goldnen Schärpen geschmückten Damen. Se. Königliche Hoheit der Kurfürst, die Prinzen Friedrich und Wilhelm und die Prinzessin Karoline hatten ihren Platz in den auf den Ter­rassen des Orangerieschlostes dem Altar gegenüber errichte­ten sinnig geschmuckt.il Tribünen eingenommen. Auf den Terrassen selbst befanden stzh die vom Huldigungsacte zu­rückgekehrten Miliiairver sonen. Um *4 11 Uhr begann ' nach^-m die Fahnendamen aus Dem Pavillon des Schloges, in welchem sic sich versammelt hatten, von den Festordnern in einem langen Zuge abgeholt und um den Altar ausgestellt waren der feierliche Gottesdienst. Herr Pfarrer Meier hielt über den Text: Esra, 10. Kapitel.

So mache dich auf, denn dir gebühret es; wir wollen

mit dir sein. Sei getrost, und thue es. Da stand Esra auf, und nahm einen Eid von den obersten Priestern und Leviten und dem ganzen Israel, daß sie nach diesem Wort thun sollten. Und sie schwuren."

eine des Tages würdige Predigt, worin er auf das Große, was geschehen und was noch zu vollbringen sei, hinwies, vor den Grundübeln der Zeit warnte und der Versammlung die große Wahrheit ans Herz legte, daß nur im sittlich- religiösen Geiste des Volkes das Glück des Vaterlandes verbürgt sei. An die Predigt knüpfte sich der von der Regimentsmusik gespielte Choral: Eine feste Burg ist unser Gott rc. und hieran schloß sich die Fahnenweihe. Das Co­mité der Fahnendamen nahte sich mit der von den Frauen und Jungfrauen dem 1. Bataillon des Schutzvereins gestickten Fahne dem Altar, Herr Pfarrer Kraushaar enthüllte sie und sprach eine Weihrede, welche ebenso sehr vom Talent, als von der patriotischen Gesinnung des Redners zeugte und gewiß auf keinen der sie hörte, ihres mächtigen Eindrucks verfehlt hat. Er überreichte dann die Fahne dem Regiments -Comman­deur Seidler, dieser nach einer kurzen Ansprache an die Geistlichen, an die Damen und an die Bürgerwehr bem Bataillons-Commandeur v. Ditfurth, welcher sie dann mit herzlichen und ergreifenden Worten dem Corps überreichte. Den Beschluß der Feier machte das dem Reichs - Verweser ausgebrachte, donnernde Hoch und endlich die Parade, in welcher die gesummte Bürgerwehr vor den Damen, sowie vor dem Kurfürsten defilirle.

Von dem Nachmittags-Feste genüge für heute Weniges, vor Allen» bieBemerkung, bup es einVolksfest im eigentlichen Sinne war. Was mun noch vor wenigen Tagen mit super­klugem Bedenken für gefährlich, wo nicht für unmöglich gehalten hätte, eine ganz ungetrübte Vereinigung vieler Tausende aus allen Ständen zu geselligem Vergnügen, bei welchem Jever sich froh und befriedigt fühlt, ein Volks­fest, wie man es nur im glücklichen lebensheiteren Süden für möglich hält der 6. August hat es uns gebracht. Wenn es gestaltet ist, über dem Großen auch das Kleinere und uns nahe Liegende nicht 511 vergessen, so müssen wir sagen, daß um depi Reichsverweser und der Deutschen Einheit auch den fro­hen volköthümlichenNachmittag, Den er uns verschafft hat, nicht wenig danken. Wir hoffen, daß von diesem Tage an ein neues pulfirenves lebenswarmes Element in unsere Gesellschaft aller Stände kommen wird. Tage, wie der 6., müssen sich von jetzt an oft wiederholen. Den Beginn der Spiele machte eine große von circa 400 Paaren unter Dem Vortritt der Regiments-Musik ailsgestihrte Polonaise durch die Aue. Als Die tanzenden Paare in unabsehbarer Colonne ge­gen 6 Uhr zu ihrem Ausgangspunkte zurückkehrten, wurden sie durch den plötzlich in ihre Mitte tretenden, heute und gerade heute zum ersten Male im schlichten Frack erschei­nenden Kurfürsten überrascht. Vergeben und Ver­gessen ist schön Die Paare stellten sich auf zu einem reizenden Spalier, die Frauen schwenkten ihre Tücher und als der Kurfürst zu dem großen Tanzplatz kam, drängten sich die Bürger Herbold und Dallwigk durch die Menge heran und überreichten ihm einen Ehrentrunk. Se. Königliche Hoheit dankte in einer kurzen und herzlichen Rede. Der