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frtrn, Alles in Wuth , besetzen in der Eile alle nach Göt­tingen führenden Wege und machen dann etwa zwei Stun­den nach den» Schlüsse der Versammlung mit einem Haufen roher Gesellen einen plötzlichen Ueberfall auf die arglos sich vergnügende Gesellschaft. Viele wurden schwer verwundet; der Angriff selbst aber zurückgeschlagen. Man beschloß nun, in einem großen Zuge nach Göttingen zuruck- zukehrcn; allein dieser ward in Bovenden mit Waffen aller Art angegriffen und zurückgetrieben. Viele hofften auf Sei­tenwegen ungefährdet die Stadt zu erreichen, aber auch diese sind alle besetzt; Alles, Mann, Weib und Kind, wird angegriffen, mißhandelt, sogar beraubt. Auch ich mit mei­nen zwei Begleitern fiel einer Bande von 50 Kerls in die Hände, ich entkam durch die Flucht, Dr. B. ist nur ge­prügelt, Professor B. aber hat eine lebensgefährliche Wunde am Kopfe erhalten. Den Hauptzug hat endlich Nachts um 1 Uhr die Bürgergarde von hier geholt, und dabei ist aus mehreren Häusern in Bovenden, namentlich aus dem Amt­hanse, auf den Zug geschossen, wodurch ein Mann schwer verletzt wurde. Die Untersuchung ist im Gange." Da diese Schilderung zur Charakterisirung der Hannoverschen Beamten sehr beiträgt, so haben wir sie ausführlich gegeben.

Aus allen diesen Volksversammlungen, welche wir ab­sichtlich zusammengestellt haben, erwächst uns zum Minde­sten die eindringliche Lehre, daß auch Volksversammlungen wenn sie ihren Zweck erreichen und ihre moralische Kraft nicht verlieren sollen, einer gewissen Organisation bedürfen. Außerdem sind sie Alles, nur keine Volksversammlungen, Es darf nicht geschehen, daß einzelne Cliquen ihre Convente mit dem hochtrabenden Namen einer Volksversammlung be­legen, und auf der anderen Seite dergleichen Versammlun­gen jedem Attentate blos gestellt seien. — Aus diesen Grün­den cristiren in Kassel ständige Volksversammlungen und ein mit deren Leitung beauftragtes, von einer genauen Ge­schäftsordnung unterstütztes Volkscomitè. Wenn diese Ein­richtung auch nicht jeden Skandal aus den Kasseler Volks­versammlungen fern zu halten vermochte — wer könnte das erwarten? — so hat sie doch unleugbar uns zu gro­ßem Nutzen gereicht und größeren, anderwärts vorgefallenen Skandal verhütet.

"Kassel, 2. August. Die heutige Volksversammlung hat eine Petition an die National-Versammlung um Aus­hebung der Lotterien (die Staatslotterie zum Zwecke von Negoziationen mit einbegriffen) und Hazardsviele in Deutsch­land und um Verwendung auf Abschaffung der Lotterie im Auslande beschlossen, sodann eine Petition an unsere Landstände zur Ausgleichung der Ansprüche Kurhessischer Krieger aus dem Befreiungskämpfe wegen rückständigen Soldes und 2 Petitionen an den städtischen Magistrat: um Eweiterung der Armen-Mädchenschule und Aufhebung des Bannrechtes der Schornsteinfeger. Hierbei ist zu be­merken, daß unsere anerkannt vortreffliche Polizei-Ordnung gegen Feuersgefahr bei der etwaigen Aufhebung dieses Bannrechtes durch eine entsprechende anderweite Controlle über die Schornsteine geschützt werden muß. Bei der Ver­handlung über die Aufhebung der Lotterie versuchte ein Redner die Versammlung für Beibehaltung des Instituts

durch die rhetorische Wendung zu gewinnen, womit er ver­sicherte: „Das Spiel giebt uns Hoffnung, rauben Sie diese den Menschen, was bleibt ihm? — Verzweiflung!" Doch fand diese trübe Weltanschauung keinen Anklang in der Versammlung.

Göttingen. In Göttingen verbreiteten sich am 1. d. auf das Gerücht, daß jener Domänenpächter in die Stadt gekommen sei, Unruhen, welche von gewaltsamen Durch­suchungen solcher Häuser, bei denen man den Verhaßten vermuthete, begleitet waren. — Die Fehde gegen Boven­den wird fortgesetzt. Die Dienstboten und Arbeiter aus diesem Ort werden zur Stadt hinausgejagt.

Witzenhausen. Am 16. v. Mon. war hier eine Zusammenkunft der Turnvereine von Kassel, Eschwege, Göttingen und Münden. Sie beschlossen, sich zu einem Bezirksvereine zu constituiren, welcher sich dem allgemeinen Deutschen Turnerbunde, wie er in Hanau in der Majori­tät geblieben, anzuschließen habe. So weit wir den Geist unserer Heimath kennen, glauben wir versichern zu dürfen, daß sich in nächster Zcit noch mehrere Turn - Gemeinden bilden und dem Deutschen Turnerbunde anschließen werden. Die Turnerei an sich und ihre Bedeutung für Körper, Geist und Herz, insbesondere für vaterländischen Sinn, muß wohl Verbreitung finden; dagegen hat der Versuch einer terroristischen Minorität, welche ein Gemeingut des Volkes als Mittel ihrer Parteizwecke mißbrauchen wollte, bei uns nicht auf Unterstützung zu rechnen.

** 8 r i § l a r, 26. Juli. In einer Zeit, wo die Freiheit des Glaubens den glorreichsten Sieg feiert, welcher in der Geschichte der Religionen in Deutschland je erlebt worden^ in dieser hochwichtigen Zeit ist es um so mehr Bedürfniß und Aufgabe eines jeden gläubigen Israeliten, seine gött­liche Religion auf ihre ursprüngliche Reinheit und Erha­benheit zurückzuführen. Dieß kann indeß nicht anders ge­schehen, als durch Ablegung jener Fesseln, in welche Bor­urtheil und Bevormundung den freien göttlichen Geist ein­zuzwängen sucht, und welche leider nur zu oft geeignet waren, eine Menge von Verdächtigungen hervorzurufen, die sich der bürgerlichen Gleichstellung der Israeliten hemmend in den Weg legten. Einsender dieses, Mitglieder der israeli­tischen Gemeinde hierselbst, begrüßen hiermit die in unserm Vaterlaude nunmehr vollständig zur Wahrheit gewordene Gewissens - Freiheit als den glänzendsten Sieg wahrhafter Religiosität, wir gehören nunmehr um so vollständiger unserm Deutschen Vaterlande an, und um es thatsächlich zu beweisen, daß wir kein anderes Vaterland weder wollen noch kennen, so haben wir beschlossen: „das Trauerfest der „Zerstörung Jerusalems, wie solches bis jetzt bestanden, ist in unsrer Gemeinde abgeschafft; insbesondere machen wir es uns zur Aufgabe, alle Gebote, Klaglieder rc., welche sich in unsre Liturgie eingeschlichen — ihr Entstehen aber den Zeiten des Erils und der Religions-Verfolgungen zu verdanken haben — aus unsern Gebetbüchern fortan zu entfernen. (Folgen die Unterschriften von 18 jüdischen Familien.)

Kassel. Die auf die militairische Feier des 6. August