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menge erwartet wurde, vor hiesiger Stadt ein. Von Ober- rad aus, wohin ihm viele angesehene Familien entgegenge- fahren waren, begleitete ihn ein Musikkorps der dortigen Wehrmänner. In Sachsenhausen wurde er von den Sach- fenhäuser Jungfrauen, welche der Gemahlin des Reichsver­wesers 2 silberne, sehr schön gearbeitete Körbchen mit Blu­men überreichten, feierlichst begrüßt. Auf der Sachsenhäuser Brücke machte der Zug ein wenig Halt, um einem Feuer­werke, welches auf dem Maine abgebrannt wurde, zuzuse- hen. Erst um halb 10 Uhr langte der Zug unter dem lebhaften Zurufe der ungeheuren Menschenmenge auf der Zeil an, wo ebenfalls Jungfrauen ein Spalier gebildet hat­ten. Vor und in dem Hotel waren liebliche Kinder aus­gestellt, welche den Angekommenen Blumen streuten und Jungfrauen, welche dieselben begrüßten und ebenfalls ein Geschenk überreichten. Als der Erzherzog - Reichsverweser auf den Balkon heraustrat, wollte der Jubel kein Ende nehmen. Auf der Zeil und der Fahrgasse, durch welche der Zug ging, waren die Hauser festlich geschmückt und theilweise illuminirt. Auf der Fahrgasse befand sich an einem Bäckerhause ein die Stimmung des Volks und Frankfurt charakterisirendes Transparent, auf dem Michel und Hannes freundschaftlichst Arm in Arm gehen, mit der Unterschrift:

Der Michel und der Hannes, Und was der Michel will, Die gehen stets zusammen. Das thut der Hanns, er kann es.

Einen leisen Zweifel gegen dieses freundschaftliche Ver­hältniß spricht Michel in den Worten aus, die aus seinem Munde gehenNur net geüzt!"

Unsere Linie hat auf Dienstag Marschordre bekommen, um nach Schleswig aufzubrechen. Nächsten Sonntag wird die Huldigung von der Bürgerschaft im Frankfurter Wäldchen durch ein großartiges Volksfest gefeiert werden. Das hiesige Montagskränzchen hat sich entzweit, jedoch liegen dem Zwiespalt keine politischen, sondern persönliche Motive unter und wird die Tendenz beider daraus hervorgehenden Vereine keine verschiedene sein.

Schleswig-Holsteinische-Angelegenheiten.

Vom Kriegsschauplatz nichts als beängstigende Gerüchte, während von immer neuen und zahlreichen Truppentrans­porten der Dänen die Rede ist, heißt es nun, von einer Besetzung Jütlands solle ganz abgestanden werden. Eine geheime russische Note habe mit Krieg gedroht, wenn Jüt­land besetzt werde. Das Hauptquartier Wrangels ist in Apenrade. Man sagt, die Preußen sollten durchs 9. Armee­korps ersetzt werden. Wir glauben diesen Gerüchten nicht und es scheint uns, daß der Obergeneral nur, um den Truppen näher zu sein, und die Verstärkungen abzuwarten, mit denen er Jütland mit entschiedenem Erfolge occupiren kann, sein Hauptquartier einstweilen in Apenrade aufge­schlagen hat.

Wien. Der Minister hat Comitès zum Entwurf eines Gesetzes über Handelskammern, Handelsrecht und Wechsel­ordnung niedergesetzt und einen Entwurf bereits veröffent­licht. Ebenso veröffentlicht die Wiener Zeitung zwei Gesetz­entwürfe, von denen der erste jeden gewaltsamen Angriff auf die Reichsversammlung mit einer Strafe bis zu 20,

und jede Aufforderung dazu mit einer Strafe bis zu 10, Jahren schweren Kerker belegt und der andere die Rede­freiheit und Unverletzlichkeit der Reichstagsmitglieder sichert.

Wien, 31. Juli. Erzherzog Johann ist heute von Wien abgereist, holt seine Gemahlin in Schönbrunn ab und setzt dann seine Reise über Linz fort. Die Wiener Zeitung enthält folgende amtliche Anzeige: Nachdem Se. kaiserliche Hoheit der Erzherzog Johann seiner unabweisli- chen Pflicht als Deutscher Reichsverweser folgend, Wien verlassen hat, um seinen bleibenden Aufenthalt in Frankfurt zu nehmen, hat er zugleich fein Amt als Stellvertreter Sr. Majestät für vollbracht erklärt. Um nunmehr die fort­währende Verbindung mit dem konstitutionellen Monarchen zur Ausübung der Regierungsgeschäfte zu unterhalten, hat der Ministerrath beschlossen, den Minister des Ackerbaues, des Handels und der Gewerbe nach Jnsbruck zu schicken.

Der Erzherzog Johann hat folgenden Abschiedsgruß er­lassen: An die Bewohner Wiens. In der Stunde des Scheidens aus Eurer Mitte, in dem Augenblicke, wo eine unabweisliche Pflicht mich an den Antritt meines Amtes als Deutscher Reichsverweser mahnt, ist es meines Herzens dringendes Bedürfniß, einige Worte der Liebe an Euch zu richten. Nehmt vor Allem meinen tiefgefühl­ten Dank für die herzliche Zuneigung und das schöne Ver­trauen, welches Ihr mir so oft bewiesen; übertragt dieses Vertrauen nun an den verfassungs- und gesetzgebenden Reichs­tag, vertraut auf den redlichen Willen und die feste Ge­sinnung des Ministeriums, welches die Aufgabe der Ver­mittlung zwischen Thron und Volk mit den Vertretern desselben theilt; fahret fort mit rühmlichem Eifer Ordnung, Sicherheit und Gesetzlichkeit zu wahren; beweiset der Welt, daß der Oesterreicher das neue kräftige Bewußtsein der Freiheit mit der alten Liebe und Treue zu seinem Kaiser zu vereinen wisse. Wenn gleich mein Herz für das große Deutsche Vaterland erglüht, so werde ich doch stets an der geliebten Heimath hängen, und auch in meinem neuen Be­rufe nie aufhören, für das mir theure Oesterreich und für Euer Wohl zu wirken, so viel in meiner Macht liegt.

Die Breslauer Zeitung schreibt von Zerwürfnissen zwi­schen dem Kaiser und dem Reichsverweser, welche die Ca- marilla und der Russische Gesandte zu Jnsbruck erregt haben. Diese Camarilla erhebe seit einiger Zeit wieder frech ihr Haupt und wolle den letzten Trumpf ausspielen. Besonders erbittert habe sie der glänzende Empfang der Freifrau von Brandhof. Der Bemühung des Erzherzogs Johann ist es gelungen, eine interimistische Ausgleichung der ungarisch-croatlschen Verhältnisse zuStande zu bringen. Mit kin­discher Freude sah er es als sich endlich Bathyani und Jellachich die Hand reichten. In der heutigen stürmischen Reichstagssitzung ging der Antrag Lubomirski's durch, wonach in den Verfassungs- ausschuß für jedes Gouvernement 2 und außerdem für jedes Gouvernement, welches mehr als 30 Deputirte sendet, auf je 15 Deputirte noch ein Mitglied gewählt werden soll.

Braunschweig, 1. August. Der Herzog Wil­helm von Braunschweig hat folgenden Armeebefehl erlas­sen :Sr. k. k. Hoheit dem Erzherzoge Johann von Oester­reich ist zu kräftiger Förderung der Einheit und der gemein-