Beilage zu Nr. 66 der Neuen Hessischen Zeitung.
für solches Entgegenkommen die Befreiung des Seehandels, die Aufhebung der Blokade ju erzwingen, oder Kraftmaßregeln wie gegen Triest zu ergreifen. ,
T y r o l, 20. Juli. Bekanntlich gibt sich die Jns- brucker Zeitung mit großer Aufopferung die unsäglichste Mühe, in die dicke Finsterniß der von den Pfaffen beherrschten Tyroler Zustände einiges Licht zu bringen. Die Zuschrift eines „redlichen Laien" an den Redacteur mag uns einen ungefähren Begriff des Tyroler Geistes geben. Der „redliche Laie" macht den Redacteur „wohlmeinend darauf aufmerksam, fernerhin die Zeitung nicht mehr so unchristlich und radikal einzurichten, als er wivrigens kein gutes Loos zu erwarten hätte und aus eine Weise aus dem Weg geräumt und aus der Welt geschafft ivürde, die er keineswegs zu vermuthen im Stande wäre."
Frankreich.
Paris, 30. Juli. Der General Damesme ist an seinen während des Juniaufstandes erhaltenen Wunden gestern gestorben. Herr Senard zeigte dies der Nationalversammlung an, welche sofort beschloß, sich bei dem Leichenbegängnisse des Generals durch einen Deputaten vertreten zu lassen.
Eine Anzahl Volks - Vertreter, denen die Regierung in der neuern Zeit einen zu reactionairen Gang eingeschlagen hat, haben sich zu einem neuen Klubb vereinigt. Man nennt darunter die Herren Germain Servut, Aug. Mie, Demosthenes Olivier, Jolly Vater und Sohn, Felir Math«. Dieser Verein will entschieden demokratische Grundsätze annehmen, aber den Namen des „Berges" verschmähen und die communistischen Grundsätze ausschließen. Deshalb sind Louis Blanc, Pierre Lerour, Lagrange und Causffdère nicht eingeladen worden. Durch diese Combination werden die bisherigen republikanischen Fraktionen, vor Allen der Berg rühmt; die Regierung aber wird dieser neuen starken Partei gegenüber in der Lage sein, sich entweder noch weiter nach Rechts zu wenden, zum Klubb der „Rue Poitiers", oder den verlassenen Weg der entschiedenen demokratischen Reform wieder betreten zu müssen. —• Man sprach von der dem General Oudinot aufgetragenenOccupation einer dem Po benachbarten italienischen Stadt. Der Papst habe diese Occupation zu seinem Schutze sowohl gegen die Oesterreicher, als gegen seine eigenen Unterthanen begehrt.
Die Nationalversammlung hat am 29. den Kredit von 5^2 Mill. für 25 Bataillone Mobilgarde verwilligt und damit ihre Dauer gesichert. — Die Julitage sind spurlos vorüber gegangen.
In der Sitzung vom 31. hielt Proudhon unter großem Tumult seine Vertheidigungsrede. Es ward der Antrag gestellt, den Druck der Rede zu verbieten und zur Tagesordnung überzugehen. Die Sitzung war um 7 Uhr noch nicht zu Ende.
Spanien.
Bayonner Blätter berichten, daß Cabrera am 16. d. M. sich an der Spitze von 1000 Manu in der Provinz umhertrieb. Er bat drei königliche Offiziere, die bei dem Verrathe von Bergara betheiligt gewesen, erschießen lassen.
Italien.
Mit der Niederlage Carlo Albertos erheben seine Feinde,
die österreichisch- und die republikanisch-Gesinnten, aufs Neue das Haupt und machen gemeinschaftliche Sache gegen ihn. In Modena sind ernste Unruhen dieser Art 'ausgebrochen. —Die Nationalversammlung zu Turin hat ein aus 7 Artikeln bestehendes Gesetz angenommen, wodurch die Gesellschaft Jesu, der Orden der Damen vom heiligen Herzen Jesu, so wie die vom heiligen Karl und der heiligsten Maria, für ewig aus dem Staate verwiesen werden.
In Mailand herrscht die größte Verwirrung. Alle verfügbaren Truppen, sogar der jüngere Theil der Nationalgarde mußte sogleich zur Armee aufbrechen. — Die römischen Blätter vom 22. enthalten keine Sylbe von der Einsetzung einer provisorischen Regierung.
Ungarn.
Die Wiener Zeitung theilt die Antwort des Ungarschen scheu Repräsentantenhauses auf die Thronrede mit. Sie erwähnt bekannte Dinge. Rückfichtlich der ungarisch-kroatischen Verhältnisse heißt es: „Wir hätten gewünscht, den Bürgerkrieg zu vermeiden, aber wo das zu Treue und Gehorsam mahnende Wort des Königs auf tollkühne Verachtung stößt, die Unverletzlichkeit unserer heiligen Krone rebellisch angegriffen und der Frieden des Landes mit bewaffneter Hand gestört wird, dort sind die Repräsentanten des Landes entschlossen, die Heiligkeit des Gesetzes in unversehrter Integrität mit allen Mitteln wieder herzustellen.
Grosibritannien.
In Irland thun die Verschworenen bereits ganz, als wären sie im Kriege. Sie schreiben Briefe „aus dem Lager." Smith O'Brien zieht als Häuptling gekleidet, mit Pistole und Pike bewaffnet, â la Hecker umher. Er ist von einer Leibwache umgeben.—Die Druckerei der Zeitung the nation ist versiegelt und alle Drucker sind verhaftet worden. Die Waffenvorräthe, nach denen man in den Klubblokalen suchte, waren bereits auf die Seite gebracht worden. Uebrigens ist bis jetzt im Lande außer einigen Mordthaten und einzelnen Verhaftungen Nichts vorgefallen. — Die Staatspapiere sind an der Londoner Börse wieder im Steigen.
Bei Waterford hat die Negierung auf einer Anhöhe, dem Mount Misery (Elendsberg) ein befestigtes Lager errichten lassen. Der Eigenthümer erhob vergebens Widerspruch. Zu Erpropriations-Formalitäten hat die Behörde jetzt keine Zeit. Ein gutes Zeichen ist es, daß in Cork, einer der gefährlichsten Provinzen, die Klubbführer plötzlich sehr zahm geworden sind. Sie ermahnen in einem Aufruf an die Conföderirten, sich keiner Verhaftung der Volksmänner, keiner Störung des Vereinsrechts gewaltsam zu widersetzen. Die Sache Irlands, jetzt verloren, werde für ewig verloren sein. Auch in Londen sind mehrere Verhaftungen von Chartisten vorgenommen. In Liverpool hatte sich der Chartist, Dr. Reynolds, der Verhaftung durch die Flucht entzogen.__,
Tagesordnung für die Stände-Sitzung Freitag den 4. August, Morgens 10 llhr.
Fortsetzung des Berichts des Ausschusses zur Begutachtung des Gesetz-Entwurfs, die LehnS- und Meierverhältnisse betreffend.