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kleidet, unter ihnen marschirte auch der Minister Hornbostel als Gardist. Die galizischen Bauerndeputirten machten jeder vorbeiziehenden Colonne eine tiefe Verbeugung, zumal als die in reiche Uniform gekleidete berittene Garde vor­beikam. Dieses komische Intermezzo hatte etwas Großes und Rührendes. Der demokratische Clubb war mit seiner Fahne anwesend. Diese ganze Feier, diese Parade, sonst ein Privileg gekrönter Herren, stand in seltsam schönem Gegensatz zu früheren Tagen. — Uebrigens geht es noch in Wien bunt durcheinander, dem anwesenden Jellachic wollen Officiere (Kroaten und Kroatenfreunde) eine Fackel- musik bringen; die Universität, dazu eingeladen, protestirt dagegen, die Ungarn bereiten eine Katzenmusik re. In der Nationalversammlung soll morgen bei Gelegenheit der Be­rathung des §. 34 der Geschäftsordnung eine entscheidende Schlacht geschlagen werden. Die Polen und Czechen ver­langen die Bildung des Verfassungs-Ausschusses nach Kopf­zahl, die Deutschen nach Gouvernements. Man will die Debatte über den Anschluß an Deutschland hier anknüpfen. — Die Deputirten Meier und Fischer sind Unterstaats- secretäre, jener für das Innere, dieser für die Finanzen geworden. Die italienischen Deputirten aus Istrien haben dem demokratischen Vereine in einer Adresse erklärt, sie wollten Deutsch bleiben. — Das Oesterreichische Geld- Ausfuhrverbot ist bis zur Entscheidung des Reichstags ver­längert worden.

Wien, 29. Juli. In der heutigen Sitzung der 9ta= tionalversawmlung bestieg der Minister Dobblhos die Tribüne und verlas das durch Kurier nach Jnsbruck gesandte, in sehr entschiedenen Ausdrücken abgefaßte Schreibendes Ministeriums, worin die Aufforderung zur Rückkehr des Kaisers enthalten ist. Es heißt darin, die Existenz des Thrones und der Gesammtheit hänge vom Entschlusse des Kaisers ab. Dann wurde auch das ganz ausweichend gehaltene Antwortschreiben des Kaisers verlesen. Der Reichstag möge nach Gutbe- sinden alle Gesetze feststellen, zurückkehren werde der Kaiser nicht, bis ihm die nöthigen Garantien gegeben seien, er werde fürerst den Erzherzog Franz Carl als Stellvertreter senden. — Der Minister erklärt, es müsse jetzt entschieden gehandelt werden und das Ministerium könne nur dann im Amte bleiben, wenn die von ihm jetzt vorgeschlagenen Maßregeln angenommen würden. Es schlägt eine Adresse des Reichstags an den Kaiser vor, welche die Vorstellun­gen der Minister wiederhole, und ihn von der vollständigen Sicherheit seiner Person überzeuge. Ferner beantragt es die Wahl einer Deputation zur Ueberreichung dieser Adresse in Jnsbruck. Einstimmig wurden diese Maßregeln geneh­migt und nur der Versuch des Grafen Stadion, die Jns- brucker Politik zu rechtfertigen, erregte heftigen Widerspruch. Es wurde ein Ausschuß für die Adresse ernannt. — Der dem Banus von Kroatien von 200 Officicren beabsichtigte Fackelzug, hat am 29. Abends ohne Störung stattgefunden.

Wien. Kriegsschauplatz. Die hochtrabenden ital. Sieges- berichte haben eine sehr unangenehme Wendung genommen, der Jubel der Mailänder ist kläglich verstummt. Allerdings hatte Karl Albert am 2. Schlachttag die verlornen Posi­tionen bei Sommacampagna zum Theil wieder genommen. Auch war die Brigade Liechtenstein nicht in kampfgeeigne-

ter Verfassung. Doch verlor sie den Muth nicht. Von Verstärkungen aus Verona unterstützt, (worunter sich ein Bataillon Wiener Freiwillige auszeichnete), wurven die Ver­schanzungen erstürmt, wieder genommen, wieder erstürmt und die Oesterreicher blieben Sieger. Ein Drittheil ihrer Mann­schaft soll geblieben sein. Die Italiener sind in voller Flucht. Peschiera ist in unsern Händen. In der 9stündigen Schlacht (25. Juli) bei Custozza, in welcher bei afrikani- scher Gluth 80,000 Soldaten kämpften , haben dann die Oesterreicher einen blutigen aber entscheidenden Sieg errun­gen. Das 2. Armeekorps erfocht am 26. Abends und 27. früh bei Volta ebenfalls zwei blutige Siege. Die piemon- tesische Armee flieht auf allen Punkten nach Cremona hin, und wird lebhaft verfolgt.

Schleswig-Holsteinische Angelegenheiten

Die Feindseligkeiten haben noch nicht begonnen. — Nach­richten, welche das Gothenburger Dampfschiff aus Kopenhagen mitgebracht hat, reden von dortigen Volks-Aufläufen. Das Volk in Kopenhagen und in ganz Seeland ist über die Unthätigkeit auf dem Kriegsschauplätze erbittert und ver­langt energische Fortsetzung des Kampfes, durch den es mit Hülse Schwedens, Rußlands und Englands einen ehrenvollen Frieden zu erlangen gedenkt. Es rechnet dabei auf die Deutsche Uneinigkeit und soll sich nicht wenig über die Erklärung des Königs von Hannover gefreut haben. Was wird das erst für ein Jubel werden, wenn die Preu­ßische Reaction vort bekannt wird.

Berlin. Leider sind die eben errichteten Konstabler schon mit dem Volk verschiedentlich in heftige Kollision gerathen, da sie ganz wie die alten Gendarmen ihr Amt auszuüben began­nen und in roher Weise ihr Ansehen geltend zu machen suchen. Die Mißgriffe in der Organisation dieser Polizeiwache sind so arg, daß notorische Diebe und bestraftes Gesindel darin ausgenommen worden sinv, was natürlich Anlaß zu den stärksten Vorwürfen giebt. Aenderungen sind durchaus nöthig und es wäre Zeit, sie bald zu treffen, ehe der Wi­derwillen im Volk noch tiefere Wurzeln faßt. — Der König und der Prinz von Preußen waren am 29. zum ersten Male wieder in Berlin, wo sie in offenen Wagen durch die Stadt fuhren. Morgen reist der Prinz nach Pommern, wo ihn der endlose Jubel der treuen Provinz empfangen wird. — Die Mitglieder des Landtags haben eine Einladung nach Potsdam erhalten; sie werden mit einem Ertrazug herüber- geschafft, fahren dann im Wildpark spazieren und nehmen eine CoUation im Palais ein. — Das vorgestern verbrei­tete Gerücht, der Reichsverweser habe den Erlaß seines Kriegsministers vom 16. d. M. verläugnet, hat sich bis jetzt nicht bestätigt.

Preußische Reaction betreffend.

** Die Wuth der Preußischen Rittergutsbesitzer und Reac­tionairs macht sich bekanntlich nicht blos gegen Deutschland, sondern auch gegen die National - Versammlung , gegen das Ministerium und gegen das ganze jetzige System Luft. Vor allem richtet sie sich gegen Hansemann, denn Hansemann hat durch sein Gesetz über Grund- steuerbefreiungen , welches in der National - Versamm­lung eben so unbedingt durchgehen wird, als das Gesetz wegen Aufhebung der kreisständischen Besteuerungs, Befug-