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Neue

Hessische Zeitung.

fieSe Donnerstag, den 3. August. 18-18»

Die Neue Hessische Zeitung erscheint täglich, Sonntags mit einem Unterhaltungsblatte, und wird um 11 Uhr Morgen- ausgegeben. Der Äbvnnementspreis beträgt 1 Thlr. 3 Sgr. für das Quartal, wofür alle kurhessischen Postämter und Buch­handlungen solche ohne Preiserhöhung liefern. Anzeigen jeder Art werden die Petitzeile mit 1 Sgr. berechnet.

Politische Nachrichten.

Deutschland.

-^-Frankfurt, 1. August. 52. Sitzung des Deutschen Reichstages. Nach den gewöhnlichen Anzeigen erstattet Compes im Namen des Petitions- und Prioritätsaus­schusses Bericht über mehrere Petionen, worunter die vom Dr. Sternberg von Marburg: Die Nationalversammlung möge ein neues Wahlgesetz erlassen, worin mehr Rücksicht auf eine gleichmäßigere Vertretung der verschiedenen Stände genommen werde Nach Erlassung dieses Gesetzes möge die Nationalversammlung sich auflösen und eine neue ein­berufen. Der Prioritätsausschuß trägt, wie natürlich, auf Tagesordnung an. Ueber eine Petition in Betreff Bruch­saler Gefangenen wird ebenfalls vom Ausschüsse zur Ta­gesordnung übergegangen. Die Diskussion über diese An­träge wird auf die nächste Tagesordnung (Freitag) gesetzt. Grävell verlangt die Dringlichkeit seines Antrags wegen des Gehalts des Reichsverwesers, der Minister rc. nachweisen zu dürfen. Der Antrag wird für nicht dring­lich erkannt. Die Tagesordnung führt zur Be­rathung des §. 6 d er Grund rechte. Er lautet: Alle Deutsche sind gleich vor dem Gesetze. Standesprivi- legien finden nicht Statt. Die öffentlichen Aemter sind für alle dazu Befähigten gleich zugänglich. Die Wehr- pflicht ist für Alle gleich." Der Präsident schlägt vor, zuerst den ersten Absatz dieses §. in Berathung zu nehmen. 12 Amendements, die zu diesem Theile des §. gestellt sind, werden verlesen Außerdem sind 2 Minoritäts- gutachten zu diesem ersten Absätze vorhanden. Alle Stande sprivilegien, sowie der Ad el selbst, sind aufgehoben. (Wigand, Blum, Simon, Schüler.) Alle Ordenstitel sind aufgehoben und dürfen nicht wieder ein geführt werden. (Ahrens, Blum, Schüler, Wigand, Simon.) Ahrens. Er habe darauf antragen wollen, den ersten Satz ohne Dis­kussion änzunehmen, doch habe ihn eine gewichtige Stimme, die Dahlmanns, welche schon früher sich einmal dagegen ausgesprochen habe, davon abgebracht. Zn einem längern Vortrage, dessen Länge das Fallenlassen des ersteren Vorsatzes bedauern ließ und mehrmals den Rufnach Schluß hervorrief, sprach der Hr. Professor für den ersten Satz und motivirte dann noch ein von ihm unterschriebenes Minoritätsgutachten (f. oben) M. M oh l spricht ebenfalls für den Ausschußantrag, meint

aber, daß der Ausschuß konsequenter Weise auch auf Auf­hebung des Adels, seiner Titel und Benennungen habe antragen müssen. Das Lob des Bürgerthums bringt dem Redner vielfachen Beifall ein und dient seinem ceterum censeo zur Grundlage. Schließlich kritisirt der Redner noch die in einer Eingabe mehrerer Mediatisirten gegen ihn vorgebrachten Gründe und verläßt unter großem Beifalle die Tribüne. Schwetschke ist auch der Ansicht, daß alle Deutschen gleichen Standes seien, will aber nicht, daß in die heiligsten Familienbeziehungen eingegriffen werde. Der Redner stellt das Amendement, daß statt des zweiten Satzes gesagt werde:Alle Deutschen sind ohne Rücksicht auf die Einführung bürgerlicher oder adeliger Familien- namen gleichen Standes. Alle Standesprivilegien sind aufgehoben." Kierulff findet die demokratische Bewe­gung nicht gegen den Adel, sondern gegen das Zerrbild des Adels, das Junkerthum gerichtet. Der Redner schildert einige Seiten dieses Zunkerthums, die er aber jetzt im Weg­fall begriffen sieht. Es komme darauf an, daß die Quelle der Vorrechte des Adels verstopft werde, das bloße Abschaf­fen des Avelstitels sei nicht praktisch und der Versammlung nicht würdig. Arndt begründet sein Amendement:Der Deutsche Ävel ist für die Ehre der Deutschen Geschichte und für das Glück der Zukunft des Deutschen Volkes noch nicht wegzustreichen." Er findet dies sein Votum in der Mannigfaltigkeit des Deutschen Volkes begründet und ver­theidigt das Bestehen des Adels mehr nach seiner idealen, als realen Seite hin. Ma reck vertheidigt das Minoritäts­gutachten : Alle Standesprivilegien, sowie der Adel selbst sind ausgehoben. Er verbreitet sich über die Fragen, ob die Versammlung zur Abschaffung kom­petent sei, und ob sich vom Standpunkte der Poli­tik aus die Abschaffung rechtfertigen lasse, Fragen, die der Redner bejaht. Die Geburt gebe keine Vor­rechte. Der Adel sei ein schädliches Unkraut und wenn man die Vorrechte der Bauern und Bürger abge­schafft habe, müsse man auch die des Adels abschaffen. Habe früher Despotismus und Nepotismus geherrscht, so müsse von nun an Freiheit und Gleichheit zur Deutschen Eiche emporwachsen. (Bravo). Gombart aus Baiern hält die Versammlung für berechtigt, die Standesprivilegien abzuschaffen, weil die Zeitverhältnisse sich geändert halten, nur solle man nicht mehr thun, alS wozu man berechtigt