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einem halben Tage erreichen. Die Zahl der Kranken ist, namentlich unter den des Klimas ungewohnten Preußen, ziemlich bedeutend. Doch treffen täglich Reconvalescenten und Reserven aus dem Süden ein und auch die Zahl der Schleswig-Holsteinischen Recruten, sowie der von den auf­gelösten Freicorps in das reguläre Heer eingetretenen Frei­willigen vermehrt sich von Tag zu Tage.

Wien, 28. Juli. Die Todtenfeier für die März-Ge­fallenen wurde heute würdig begangen. Der vereinigte Ausschuß holte die National - Versammlung um 8 Uhr Morgens ab, und zog mit ihr aufs Glacis, wo National­garde und akademische Legion aufgestellt war. Prof. Fuster sprach von den Stufen eines Trauer-Altars herab die Rede. Hierauf folgte ein Trauer-Amt, dann dcfilirte Nationalgarde und akademische Legion vor der Reichs-Versammlung. Die Reichs-Versammlung hielt heute keine Sitzung.

Preußische Reaction betreffend.

Berlin, 30. Juli. (Amtlich) Des Königs Majestät haben wegen Errichtung der provisorischen Centralgewalt in Deutsch­land, zu welcher Se. kais. Hoheit der Erzherzog Johann von Oesterreich durch seine Ernennung zum Reichsverweser be­rufen worden, den nachfolgenden Armeebefehl erlassen: „Armeebefehl. Zur Kräftigung der Einheit des ge- meinsamen Vaterlandes ist die Führung der deutschen Ccntral- angclegenheiten einem Reichsverweser anvertraut worden. Ich habe Mich für die Wahl Sr. kais. königl. Hoheit des Erzherzogs Johann ausgesprochen, nicht nur, weil dieser Fürst Mein persönlicher Freund ist, sondern auch weil er in Krieg und Frieden einen glorreichen Namen erworben hat. Preußen weiß, daß die Kraft Deutschlands zugleich seine eigene ist. Preußen weiß, wie sehr Deutschland der erprobten Tapferkeit der preußischen Truppen vertraut. Es weiß, daß die Geschicke Deutschlands wesentlich auch auf seinem treuen Schwert beruhen. Für alle gemeinsamen Zwecke Deutschlands wird es daher aufrichtig seine Ehre darin setzen, den Frieden, die Freiheit und die Unabhängig­keit der deutschen Nation durch seine Armee mit allen deutschen Brüdern nackdrücklich zu schützen. Soldaten! UeberaU, wo preußische Truppen für die deutsche Sache einzutreten und nach Meinem Befehl Sr. kais. königl. Hoheit d e m R e l ch s v e r w e s e r sich u n t e r z u o r d n e n haben, werdet Ihr den Ruhm preußischer Tapferkeit und Disciplin treu bewahren, siegreich bewähren ! Bellevue, 29. 3uli 1848. (gez.) Friedrich Wilhelm, (gegengez.) Freiherr v. Schreckenstein." Die commandirenden Generale sind beauftragt worden, diesen Befehl den Truppen bekannt zu machen. — Der Staatsanwalt erläßt folgende Bekanntma­chung: „Herr Held hat in der Nachschrift zu einem in diesen Tagen verbreiteten Plakate: „Ganz Berlin und halb Preußen in Anklagestand," wörtlich Folgendes gesagt: „So­eben erhalte ich aus glaubwürdiger Quelle die Nachricht, daß von Seiten der Reaction mehre geheime Vereine ge- gebildet worden sind, welche den Zweck haben, durch falsche Zeugenaussagen (Meineide) die Stimmführer ■ der liberalen Partei auf die Festungen zu bringen. Dies dem Volke zur Kenntnißnahme." Geheime Vereine, deren Zweck dahin gerichtet ist, eine Reaction herbeizufüh­

ren oder zu falschen Anklagen und zum Meineide zu ver­leiten, sind wider die Gesetze. Ich habe deshalb die ge­richtliche Vernehmung des Herrn Held über seine ganze Wissenschaft veranlaßt. Hierbei hat derselbe erklärt: „daß er über das Bestehen von dergleichen geheimen Vereinen zur Zeit 9i i d) 16 wisse," und „daß er mit der Behauptung: „„jene Nachricht aus glaubwürdiger Quelle erfahren zu haben,"" nur bezweckt .habe, seine An­gabe in den Augen des Publikums wahrscheinlicher zu machen, zumal diese Phrase bei Zeitungsnachrichten eine sehr gewöhnliche sei." Zur eidlichen Bekräftigung seiner gerichtlichen Aussagen hat er sich nicht verstehen wollen, weil er — wie er angegeben hat— keinen Gott a n- erkenne und ihm sein moralisches Bewußtsein also jede Eidesleistung verbiete. Ich habe mich für verpflichtet ge­halten, zur Würdigung des vorgedachten Plakats auch dies zur öffentlichen Kenntniß bringen. Berlin, 29. Juli 1848."

Berlin, 30. Juli. (Antlich). Se. Majestät der König haben geruht, den Staatsminister Camphausen als Allerhöchst- ihren Bevollmächtigten bei der provisorischen Centralgewalt von Deutschland nach Frankfurt a/M. abzu­ordnen. — Dem gedachten Bevollmächtigten sind der Oberst­lieutenant Fischer, der wirkliche Legationsratb v. Kamptz und der geh. Finanzrath Camphausen beigeordnet wor­den, um demselben bei der Ausführung der ihm übertra­genen Geschäfte zur Seite zu stehen. — Gegenüber der Reaction des Preußen-Volkes wider die Deutsche Central­gewalt ist die Ernennung des deutschgesinnten Camphausen zum Gesandten jedenfalls ein bedeutsames Zeichen für den guten Willen der Preußischen Regierung. — Wenn wir gerecht sein wollen, müssen wir auch in dem Erlaß des Königs an das Heer bei genauer Betrachtung nicht eine Renitenz gegen Frankfurt, sondern eine Renitenz gegen die Preußische Reaction erblicken. Der Erlaß verräth die sicht­liche Anstrengung, Preußen und seine Armee durch Ueber- redung zu gewinnen, und zwar durch die Macht preußisch- königlicher Phrasen zu gewinnen. Es ist unendlich be­trübend, aber verhehlen können wir es nicht, ein ganzes Volk muß hier durch diplomatische Wendungen für eine gute und große Sache gewonnen werden. — Wird diese schmerzliche Thatsache im Stande sein, die falschen Volks­freunde, welche glauben, mit einigen Schlagworten sei schon Alles abgethan, zu ernsteren Bemühungen zu nöthigen?

* Kassel. Die böswilligen, seit einigen Tagen geflissent­lich verbreiteten Gerüchte, als ob am 6 d. M. weder die vom Reichsminister angeordnete Huldigung, noch das Bür­gerwehrfest und die beabsichten Volks-Festlichkeiten stattfin- den würden, entbehren jeglicher llrsache und sind rein aus der Luft gegriffen. Die Huldigung ist, wie man von un­serem konstitutionellen Ministerium, welches den Volks- werden und das Reichsgesetz gleich sehr ehrt, wohl erwarten durfte, angeordnet worden. Die nähere Bezeichnung der Stunde und der einzelnen Förmlichkeiten wird gehörigen Orts vorbereitet. Mit der Anordnung der Festlichkeiten aber ist das Comitè der Festordner beschäftigst

Polen. ,

Viele in Posen und Schlesien aus dem Königreich angr-