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namentlich für den Posten eines gewählten Landraths für die ersten Wahlen, wenn nicht Privatleute, doch Staats­diener genug im Lande finden, welche das Vertrauen des Volkes besitzen und verdienen, und mit Freuden eine solche unabhängige und ehrenvolle Stellung annehmen werden. Es wird mit einer solchen freien und unabhängigen Ge­meinde- und Bezirksverfassung sich ein kräftiges Leben in der innern Verwaltung entfalten, es wird der Gemeinsinn erstarken, und eine lebendige Theilnahme aller bessern Bür­ger an den öffentlichen Angelegenheiten sich entwickeln.

E. Blomeyer.

Fuldaer Fortschritte.

' - „Ist es nicht zum Erstaunen, welche Fortschritte wir Fuldenser ans der breitesten demoeratischen Grundlage ma­chen? Seht ihr nun, daß man einen Boden nicht gerade mit erobert haben muß, um ihn keck genug zu betreten? Und daß man Kastanien, die man Andre hat aus dem Feuer holen lassen, doch recht patzig aufknacken und mit- schmausen kann? Wir haben es unserm Ministerium gehö­rig gesagt, wie glücklich wir unter der „krnm mstäbigen Regierung" gewesen sind, in jener vorsündfluthigen Zeit, wo unter dem Krummstab noch so manches Andre krumm war, aus der uns aber fast nichts mehr übrig geblieben ist, als die krummen Wege die wir lieben. Und welche kühnen Uebergänge machen wir nicht! Wahrhaft unver­mittelte Uebergänge. Jene unterwürfigen Fackeln, mit de­nen wir vorigen Winter, als das übrige Hessen in Angst um die bedrohte Verfassung sich in ein edles Schweigen hüllte, unsere Vivats darbrachten, haben ivir schnell in Pech fackeln verwandelt, mit denen wir der Staatsregierung das „Regiminal-Unwesen" und die unerfüllten Zu­sagen unserer Regenten beleuchten. Was? Weil wir die Ohren an den Kopf gedrückt, als uns so manches Unrecht geschah, sollen wir jetzt bloß „formales Recht" haben? Nein, wir werden mit den verwegensten Worten unsere Thatlosigkeit wieder gut machen, da wir ja nun auch nichts mehr dabei zu fürchten haben. — Und wie haben wir den vorhinnigen Jubel über die berüchtigten Maßregeln gegen die Deutschkatholiken so frisch erhalten, daß wir ihn jetzt zur Feier der neuen Religionsfreiheit verwenden können! Wir beklagen es sehr, daß Regierung und Stände sich noch um Religion und Confessionen bekümmern wollen, und daß die Religionsfreiheit noch nicht völlig verstanden ist!" — „„Oho, wackre Mitbürger! Man versteht euch recht gut, und weiß schon, was die Schriftgelehrten eures Volksrathes mit Religionsfreiheit wollen. Aber, um Alles in der Welt! übereilt euch nicht mit euern Fortschritten, überstürzt euch nicht, rennt euch nicht außer Athem! Und ver­geßt, bei Leibe! nicht, was ihr bisher in eurer Bildung und Aufklärung, in eurer Thätigkeit und Industrie so schön zu beobachten verstanden, — die goldne Regel: Eile mit Weile!"" ftt--

Anfragen, Rügen und Wünsche.

Warum will Herr Friedrich Hahn, Registrator bei Kur­fürstlicher Ober-Finanzkammer und ehemaliger Kastellan im Schlosse zu Wilhelmshöhe, zufolge seiner weiteren Anzeige in Nr. 205 der Kass. Allg. Zeitung, die früherhin von ihm angekündigte Broschüre unter dem Titel „Memoiren eines Kastellans in einem Sommerschlosse u. s. w." im Druck vorerst noch nicht erscheinen lassen? Man hatte mit Vergnügen die Ankündigung dieser Broschüre gelesen, indem man sich viel davon versprechen darf und hierin gewiß Sachen zu Tage gefördert werden, worüber die Welt erstaunen wird. Möge sich Herr Hahn durch keinerlei Umstände von der intendirten Herausgabe dieses interessan­ten Merkchens abhalten lassen. Ph. Sch.

Ernennungen re.

Der Regierungs-Assessor Ludwig Carl v. Oeynhausen, zu Kassel, ist in gleicher Eigenschaft zur Regierung der Provinz Fulda versetzt, und der Kreissecretar Ferdinand König, zu Kassel, zum Assessor bei der Regierung der Provinz Niederhessen, daselbst, be­stellt worden.

Gerichtliche Entscheidungen.

I Beim Ober-Appellationsgerichte,

a) Dekret e.

Schanmburgschc Erben g. Staatsanwalt, w. Herausgabe eines Grundstücks, am 15. Juli, zurückg.

Rabe g. Knieling z. S. Henkel u. Rabe g. Knieling z. S. Knie­ling g. v. Dallwigks Wwe., w. Entschädigung bez. Kosten­forderung, jetzt wegen Eigenthums; cod., desgl.

Klein g. Klei», w. Räumung des Hauses, eod. , desgl.

b) B estätig e u d e E n d s b e sch e id e.

Staatsauw. g. Kahl u. dessen Ehefr., w. Ersatzlstg, am 15. Juli.

Stadt Salmünster g. Leinwebersche Erben, Aetivrezeß betr., eod. Schlatter g. Staatsauw., W. Diensteutsetzung, eod.

Kaufmann g. Nußbaum Ehefr., w. Ableistung eines Manifesta­tionseides, eod.

Marburger Wittwen- und Waisenanstalt g. Otto, w. Forder., eod. Lösersche Erben g. v. Nitterholmschen Cur. w. Forderung, eod. (hinsichtlich des Kostenpunkts abändernd).

Möller z. S. Wankel Wwe. g. Weismüller, Forder. u. Auszug betr., am 17. Juli (hinsichtl. des Kostenpunkts abändernd).

Staatsanw. g. Leipold u. Cons. z. S. Nebensteueramt zu Schlüch­tern g. Köhler und Genossen, w- Steuerrückstände, eod.

c) Ab ä nderiive Endbescheide.

Lange g. Rupp n. Cons., w. Schnlbesoldung, am 21. Juli.

II. Beim Obergerichte zu Cassel (vom 26. bis 29. Juli.)

a) Vorbescheid e.

Stadt Gudensberg g. Staatsanwalt, w. Wildschadens. t>) Endsbescheide.

v. Reinecksche Erben g. v. d. Malsburg u. Cons., w. Zustim­mung in Auszahlung eines Ablösungskapitalö.

Bandmann g. Nerong, w. Forderung.

Dekanntmachungen.

57] An die Kasseler Sänger.

Zum Zwecke einer musikalischen Feier des 6. August wird die nächste Hauptprobe von den vereinigten Kasseler Sängern Dienstag den 1. A u g u st, Abends halb 8 Uhr, im Stadtbau gehalten werden. Bis dahin nehmen die Unterzeich­neten in ihren Wohnungen und am Abend der Probe von 7 Uhr an im Stadtbau Anmeldungen zur Mitwirkung an.

I.Braun. Ad. Harnier. H. F. Keßler. Holzmarkt 127. Mittelgasse 213. Martinistr. (ob. Gasse) 90- ,

I. Schäffer. Alte Leipziger Straße Nr. 111.