Einzelbild herunterladen
 

- 451

Wohlstand sein, und insofern verdient der Köchly'sche Vor­schlag alle Beachtung. Als politische Korporationen mit Kuriatstimmen und souveränem Ansehn aufgefaßt, wür­den sie nur einen argen Rückschritt enthalten.

Jena, 13. Juli. Vom Breslau - Jenenser Präsidium der Leopold Karol. Akademie (Nees v. Esenbeck und Kieser) ist an die Deutsche National-Versammlung eine Petition abgegangen mit dem Antrag auf Stiftung einer allgemei­ner allgemeinen freien Deutschen Akademie der Wiflen- schaften, resp, auf Überweisung dieser Sache an eine Commission.

Coburg. Ende Juli. In einer Abschieds-Rede, welche der Herzog von Coburg vor einigen Tagen der versammel­ten Bürgerwehr hielt, lauten die Schlußworte:Glauben Sie mir, daß ich mit Blut und Leben an Ihrer Spitze streiten werde, wenn es gilt, unsere junge Freiheit zu be- wahren. Wir haben nur ein gemeinsames Ziel, nur eine gemeinsame Pflicht, lassen Sie uns nie ermüden in dem gemeinsamen Bestreben, sie zu erfüllen."

Thüringen. Bekanntlich geht man damit um, die Thüringschen Ländchen zu einem Lande unter dem Groß- Herzoge von Weimar als Herzog, Großherzog oder König rc. zu vereinigen. Der Bürger - Verein zu Coburg hat über diese Angelegenheit zwei Stunden discutirt und dem Herzog die Erklärung überreicht:das Land Coburg werde alle von ihm verlangten Opfer zum Wohle des ganzen Deutschen Reiches freudig bringen; aber einer älte- ren Fürstenlinie und einem neuen Duodez- Staate zu Gefallen werde es seineSelbststân- digkeit nicht aufgeb en und der Herzog möge sich doch allen darauf hinzielenden Unterhandlungen entschieden widersetzen."

0 Eisenach. Am 27. d. M. soll nun das Seminaristen­parlament auf der Wartburg stattfinden. Ebenso steht uns ein Predigercongreß bevor.

Stuttgart. Der Chef des Justiz-Departements, der vielbewährte Römer, hat eine anonyme Zuschrift erhalten, worin er angeklagt wird,sein Vaterland an die Reaction verrathen zu haben," und zwar durch die Auflösung der democratischen Vereine. Römer hat den anonymen Scriben- ten empfindlich gestraft er hat nämlich das Scriptum in seinem ganzen Umfang veröffentlicht.

Darmstadt, 27. Juli. Lehne hat seine Motivirung des Antrags der 21 Deputirten auf Auflösung der Kammer bis zur nächsten Dienstagsitzung ausgesetzt, wo Jaup zu­gegen sein wird.

* Kassel, 29. Juli. Derdemokratische" Verein hat in einer gestrigen Sitzung eine Adresse an die National-Ver- sammlung wegen Aufhebung des Verbots gegen die Bru­dervereine in Baden und Würtemberg beschlossen. Er ver­wahrt sich darin gegen die von einigen süddeutschen Fürsten beabsichtigteOrganisation" umfassender Maßregeln. An die verbotnen Vereine selbst soll eine Zuschrift ergehn. Auch wurde in dieser Sitzung eine Petition an das Kur- hcssische Ministerium um Aufhebung der nicht abgebüßten Strafen für geringe Vergehn aus dem Nothjahr 184647 beschlossen.

t Fulda. Der Weser - Zeitung wird geschrieben, im Großherzogthum Fulda gewänne die Idee einer Trennung von Kurhessen immer mehr an Ausbreitung. Allerdings leben Kurhessen und Fulda in gemischter Ehe, und die ist den Fuldaern stets ein Aergerniß gewesen. Auch scheint es, als ob Kurbessen seine gegen Fulda bestehende eigentliche Verpflichtung, in diesem von den Pfaffen verwahrlosten Lande Licht und Aufklärung zu verbreiten, bis jetzt noch sehr wenig gelöst habe, was den Fuldaern allerdings ge­rechten Grund zur Klage geben würde.

Polen.

Krakau. Unter der Ueberschriftgrausame Zu­stände" bringt die durch ihre eigenthümliche Wahrheitsliebe bekannt gewordene Berliner Zeitungshalle unbestimmt ge­haltene Klagen über die Grausamkeit der Oesterreicher in Krakau. Darunter findet sich auch eine positive Beschuldi­gung, nämlich daß 22 Polen, welche russische Unterthanen, nicht etwa Deserteurs, sondern angebliche Emissäre gewe­sen, von den Oesterreichern den Russen ausge- liefert worden seien. Dergleichen dürfen wir freilich, selbst wenn es in der Zeitungshalle gestanden hat, unsern Lesern nicht verschweigen. Bekanntlich hat Jordan (aus Preußen) wohl hauptsächlich durch diese Zeitungs-Nachricht veranlaßt, einen die Auslieferung fremder Flüchtlinge be­treffenden dringlichen Antrag in der National-Versammlung angekündigt.

Ungarn.

Nach der Breslauer Zeitung sollen die Magyaren am 17., 18. und 19 bei Großbeskesetsch von den Grenzern und Serbiern aufs Haupt geschlagen sein.

Die österreichische Hofparthey soll durch Ungarns riesen­hafte Rüstungen geschreckt und bereit sein, in den illyrischcn Wirren nachzugeben, wenn Ungarn im italienischen Kriege helfen wolle. Hierin ist der Schlüssel für Kossuth's Politik zu finden, womit er auf die Gefahr hin, seine Popularität einzubüßen, die Verwilligung der Absendung von Truppen nach Italien im Repräsentantenhause durchgesetzt hat.

Donanfürstenthümer.

Bucharest. Die Mitglieder der provisorischen Regierung sind am 11. Nachts unter Cavalleriebedeckung abgereis't. Die früheren Beamten sind zu ihren Functionen zurückge­kehrt, die gefangenen Contrerevolutionairs sind auf freien Fuß und in ihre Stellung wieder eingesetzt. Es scheint, als ob gar Nichts vorgefallen sei.

Schweiz.

Basel, 21. Juli. Der Deutsche Zuschauer hat aufge­hört, mit anderen Worten, er will jetzt in Basel erscheinen unter der Redaktion von Struve und Dr. J. Gihr. Er will nunmehr auf schweizerische Verhältnisse be­sondere Rücksicht nehmen, nachdem die Deutschen Verhält­nisse auf ihn so wenig Rücksicht genommen haben.

Liestal, 26. Juli. Der Regierungsrath hat beschlossen, die Verfasser desPlans zur Nepublikanisirung und Re- volutionirung Deutschlands," sofern sie sich in Baselland aufhielten, auszuweisen und den Verleger Walther zur Ver­antwortung zu ziehen.