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auf ankomm kN, gerade jetzt die Stände um sich versammelt zu sehn und gerade jetzt jede neue Agitation zu vermeiden. Bis jetzt ist es ihr durch eine Reihe freisinniger Gesetze und Maßregeln gelungen, ihren eignen Bestand und die Existenz der Stände inmitten einer in ihren Tiefen aufgeregten und bearbeiteten Bevölkerung zu sichern. Zitz uud Genossen konnten nichts ausrichten und selbst ihr mit vielem Eklat und mancher Blamage vollzogener Austritt aus der Kammer verfehlte auf die große Mehrheit des Volkes des beabsichtigte» Erfolges. Inzwischen ist die Stellung der Regierung zum Theil durch die verletzende Anmaßlich- keit der noch bestehenden 1stcn Kammer den anwachsenden Forderungen nach einem neuen Wahlgesetze gegenüber immer schwieriger geworden, — Forderungen, welche an sich durchaus berechtigt sind, denen nothwendig genügt werden muß — aber jetzt nicht genügt werden kann und darf. Eigenbrodt, — Gagerns vertrauter Freund — konnte sich in dieser Stellung nur wenige Tage behaupten, Jaup ist an seine Stelle getreten. Jaup war bisher nächst Gagern der unbezweifeltste Charakter, er gehörte zu den treuesten Kämpen gegen das alte Regime und wir erinnern uns aus den Tagen des Vorparlaments, wie auch damals noch die Republikaner ihn nicht anzugrcifen wagten. Aber er hat Energie und ist ein felsenfester Patriot. Er hat — es blieb kein anderer Weg — den harten Strauß mit dem lln- verstand und der Böswilligkeit zum Besten des Vaterlandes und der Freiheit offen angenommen. In der Sitzung vom 24. Juli erschien der neue Ministerpräsident vor dem erwartungsvollen Hause und erklärte mit Entschiedenheit, jetzt das neue Wahlgesetz nicht vorlegen zu wollen. Seine Gründe waren einfach und schlagend: „auch nach beschlossenem Wahlgesetz sei es in dieser mit Krieg drohenden Zeit nicht gewiß, ob die Kammern zusammentreten könnten; die Regierung müsse jetzt ihre Kammern zur Seite haben; es sei sogar möglich, daß beide Kammern hinsichtlich des Wahlgesetzes nicht übereinstimmten; die Folge würde daun eine nur um so größere Aufregung und Verwirrung sein. Und dieß Alles eines kurzen Provisoriums wegen, während man die grundsätzlichen Bestimmungen doch in Kurzem vom Deutschen Parlamente erwarten müsse! Auch liege keine augenblickliche Nothwendigkeit vor; haben doch auch die gegenwärtigen Kammern die freisinnigen Maßregeln vom März unterstützt und ausgeführt und sei die Regierung gerade jetzt damit beschäftigt, die geforderten Gesetze vorzubereiten. Jaup sprach sein politisches Glaubensbekeuntniß rückhaltlos aus: die Märztage mit allen ihren Eonsequenzen; (auch in der Isten Kammer hatte Jaup am 19. erklärt, der Großherzog wolle das Edikt vom 6. März vollständig und unbedingt mit allen seinen Cousequenzen realisirt sehen und nur unter dieser Bedingung habe er seine Stelle übernommen) — Befolgung aller bisherigen und künftigen Beschlüsse der Deutschen National- Versammlung , unbedingte Anerkennung der Volksfottveränetät, welche vom Vorparlament ausgesprochen, vom Deutschen Volke direkt, von den Regierungen indirekt bereits anerkannt worden sei. Dieses sein Bekenntniß sei auch dasjenige Gagerns und auch dieser theile seine Ansichten über das Wahlgesetz. — Vor
Allem komme es in diesem Augenblicke auf Herstellung des Kredits und der Wohlfahrt au. Dazu aber sei Ruhe nöthig und er werde jeder Störung dieser Ruhe entgegentreten; wenn eine anarchische Partei durch Handlungen gegen die Gesetze auftreten werde, so werde er diese Gesetze gegen sie anzuwenden für Schuldigkeit halten. Vor der freien Rede und Presse fürchte er sich nicht, habe er doch sie erobern helfen, habe er doch für sie gekämpft und gelitten. Aber er bitte jetzt um Vertrauen. — Dieses Vertrauen ist nun aber niemals von Männern zu erwarten, welche das Mißtrauen für die erste Tugend des Republikaners erklären. Ob es ihnen gelingt, die Majorität der Ständeversammlung mit fortzureißen, und wohin wir dann gelangen, wird die Zukunft lehren. In der vertraulichen Sitzung Abends ist man zu keinem Resultate gekommen.
Frankreich.
Paris. In der Sitzung der National - Versammlung vom 23. präsidirte Armand Marrast zum ersten Male. Nach seiner Antrittsrede kündigte er die nahe bevorstehende Diskussion des Verfassungs - Entwurfes an.
Auf den Antrag des Generals Cavaignac ward der Wittwe des Volks-Repräsentanten Dornes eine Pension von 3000 Fr. ohne Diskussion votirt.
Die in Korsika mit 35,000 Stimmen auf Louis Napoleon gefallene Wahl zum Volksvertreter ward für gültig erklärt; aber vom Präsidenten ein Brief Louis Napoleons aus London verlesen, worin er die Wahl ausschlägt, allen Ansprüchen als Prätendent wiederholt entsagt und sich vorläufig aus Frankreich verbannt, damit sein Name nicht von den Feinden der Republik als Vorwand benützt werden könne.
Der Finanzminister erklärte am 24. — aber erst nach der Börsenzeit — er werde die von der Nationalversammlung genehmigte Anleihe in 5procentigen Renten zum Course von 75 Fr. 25 Cent, »egoziren.
Die Erndte verspricht sehr gut zu werden. Auch auf ein gutes Weinjahr macht man sich Hoffnung.
Paris. In der National-Bersammlung vom 25. Juli ward die Abreise des Generals Oudinot zur Alpen-Armee angezeigt. Der^Gesetz - Entwurf wegen der Klubbs wurde mit den weiteren die Klubbs noch mehr beschränkenden Zu- satzbestimmungen der Kommission angenommen. — Der Moniteur zeigt offiziell an, daß in diesem Jahre keine Feier der Julitage stattfinde» werde. Die 4 Militairkommissionen zur Untersuchung der Junigefangenen sind um weitere 4 vermehrt worden. —
Großbritannien.
London, 20. Juli. Das Oberhaus genehmigte in seiner heutigen Sitzung die dreimalige Verlesung der Bill wegen Irlands, so daß die Bill schon morgen durch den Telegraphen in Irland bekannt fern kann.
Ernennungen x.
Der General-Auditeur Carl Franz Lubert Ernst vom General Auditorate ist in den Ruhestand versetzt worden; dagegen der Obergerichtsrath Theodor Eichenberg dahier zum General- Auditeur ernannt, und dem Obergerichtsrathe Emil Friedrich Rothe hiekselbst zugleich die Nebenstelle eines Ober - Auditeurs bei dem General -Auditorate übertragen worden. .
Verantwortlicher Herausgeber: Fr. Oetker.—Redaktion: Fr. Oetker und A. Pfaff. — Druck und Verlag von Th. Fischer in Castel.