Reue
Hessische Zeitung.
â^ KW. Freitag, den 28. Juli. T8L8«
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Politische Nachrichten.
Deutschland.
$ Frankfurt, 24 Juli. 48. Sitzung des Reichstages. (Fortsetzung und Schluß der Debatte über die Posener Frage.) Der Präsident zeigt einen Bericht des Ausschusses für Geschäftsordnung über 2 Anträge von Lette und Biedermann, in Betreff der Behandlung der Amendements zu dem Berichte über die Grundrechte an. Es wird hierauf zur Tagesordnung übergegangen. Ruge. Der Ausspruch des Vorparlaments in dieser Sache sei von richtigem Gefühl ausgegangen. Es sei eine Schmach, daß das humane Volk der Polen von 3 Despoten getheilt sei. Wenn man gesagt habe, das polnische Volk habe diese Zucht zu seinem Heile durchmachen müssen, so habe der Despotismus Rußlands den Polen keine humane Existenz gegründet, ebenso schlecht stehe es mit dem österreichischen Polen. Besser sei es den preußischen Polen gegangen, was er ehrend anerkenne, es sei aber eine Schande für Deutschland, wenn den Polen jetzt nicht die ganze Freiheit zu Theil würde. Die Propaganda des Humanismus werde trotz dem auch die Polen befreien. Wie das Christenthum, so müsse auch die Realisation des Christenthums, ver Humanismus, mit Lei. denschaft befördert werden. Selbst mit Gewalt müsse diese Propaganda getrieben werden, wenn es nicht anders angehe. Die Polen seien ein nothwendiges Moment in der europäischen Entwickelung, sie dürften nicht untergehen; sie seien in ganz Europa unter die freien Völker geworfen und da habe sich ihr Geist humanisirt, republikanisirt. Daß sie überall auf den Barrikaden ständen, was man ihnen vorwerfe, erwecke ihnen überall die Sympathie. Die Slaven seien fähig, unter die freien Völker einzutreten, die ganze russische Armee sei insizirt von dem Freiheitssinn der Polen, die unter dje Regimenter gesteckt seien. (Ungläubiges Gelächter.) Die Polen würden in der Geschichte geehrt sverden, weil sie überall die Vorkämpfer der Freiheit gewesen seien. Die Polen seien ebensowenig todt als die Juden, sie seien nicht auszystreichen, sondern wieder herzustellen. Das Vorparlament habe diese Mission dem Reichstage übergehen und dieser solle die Mission annehmen. Auch der §Qr Ausschuß habe dies verlangt und die Kinder müßten dieses Wort ihrer revolutionären Väter einlösen. Das historische Recht, von dem man gesprochen, bestehe aber in dieser Einlösung. Das historische Recht der Revolution von 1848 dürften unbe
rufene Menschen, die die Prinzipien derselben nicht verstünden, nicht verrathen. Alle seine Leidenschaft und Kenntnisfe werde der Redner an die Rekonstituirung der unterdrückten Völker setzen und speciell an die slavische Frage. Die Polen seien durch den Despotismus unterjocht worden, müßten aber jetzt emancipirt werden; es sei dies gerecht, und möglich — möglich durch die Verträge. Würde man nicht freiwillig rekonstituiren, so würde man dazu gezwungen werden. Er beantrage deßhalb „keinen Theil des „Großherzogthums Posen vorläufig in den Deutschen Bund „aufzunehmen und die gewählten Abgeordneten definitiv „nicht zuzulassen, dagegen die Centralgewalt zu beauftragen, „gemeinschaftlich mit Frankreich und England einen Con- „greß zu berufen, zu welchem die Gesandten der be- „theiligten Mächte zuzuziehen seien." Der Redner moti- virt dann diesen Antrag, worin er zum Theil das Vorhergesagte rekapitulirt. Als der Redner im Verlauf dieser Motivirung behauptet, die Deutschen müßten wünschen, daß die Radetzkys aus Italien gejagt und geschlagen würden, verlangt die Rechte den Ordnungsruf und das Abtreten von der Tribüne. Der Präsident ruft den Redner nicht zur Ordnung, weil er gegen eine dem Redner eigenthümliche Weltanschauung den Ordnungsruf nicht ergehen lassen könne. Als die Versammlung den Schluß des Vortrages über die Nothwendigkeit des Berufens eines neuen Congresses verlangt, erklärt der Redner, nicht eher schließen zu wollen, als bis er glaube, die Versammlung einigermaßen von der Wahrheit seiner Rede überzeugt zu haben. In Folge dieser Erklärung verlassen viele Mitglieder der Rechten ihre Plätze, weil sie dieser Ueberzeugung nicht bedürften. Löw (Posen) glaubt die Rede des Vorgängers nur als individuelle Ansicht betrachten zu dürfen. Der Redner bekämpft zunächst die Bedeutung des kürzlich von poln. Seite ein- gereichten Promemoria und verließt von Frankfurt bat. Schreiben zweier Polen, worin Aufschlüsse über den Zweck des Protestes gegen die Einverleibung gegeben werden, die anderen öffentlich gegebenen Versicherungen derselben Personen widersprechen. Ebenso sucht der Redner nachznwei- sen, daß die Berliner Zusammenkunft der Posener Abgeordneten sich nicht so, wie behauptet worden, gegen die Inkorporation ausgesprochen habe und weist nach, daß die Wahlen nicht, wie Janiczewsky behauptet, unter dem Ein- fluß der Deutschen vorgenommen seien. Durch eine Kritik