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Neue

Hessische Zeitung.

JVS 58» Donnerstag, den 27. Juli. 18-18»

Die Neue Hessische Zeitung erscheint täglich, Sonntags mit einem Unterhaltungsblatte, und wird um 11 Uhr Morgens ausgegeben. Der Abonnementspreis beträgt 1 Thlr. 5 Sgr. für das Quartal, wofür alle kurhessischen Postämter und Buch­handlungen solche ohne Preiserhöhung liefern. Anzeigen jeder Art werden die Petitzeile mit 1 Sgr. berechnet.

Politische Nachrichten.

Deutschland.

Der amtliche Theil der Ober-Post-Amts-Zeitung enthält die Publikation der Erklärung, welche der Reichsminister des Aeußern bereits in der Reichstagssitzung vom 24. (cf. unseren gestrigen Bericht über diese Sitzung) über den Stand der Dinge in Schleswig-Holstein, sowie über die Blokade V. Triest gegeben hatte.

5 Frankfurt, 24 Juli. 47. Sitzung des verfassung­gebenden Deutschen Reichstages. (Fortsetzung der Debatte über die Posener Frage ) Mehrere Urlaubsgesuche, worun- auch das von L. Schwarzenberg, werden genehmigt und sofort zur Tagesordnung übergegangen, v. Radowitz bedauert, in die Frage den Streit der Konfession hinüber­getragen zu sehen. Es handle sich hier nicht um den Gegensatz der Konfession, der bestehen werde bis die Binde von den Augen falle, sondern lediglich um die Frage der Nationalität. Die Posener Beschwerden trügen nicht den confessionellen Charakter, sondern den nationalen. Die Aufnahme eines katholischen Landes in das Deutsche Reich gefährde die katholische Religion nicht, nehme man deßhalb diesen hingeworsenen Handschuh nicht auf. (Bravo.) Der Redner geht zur Schilderung der Verhältnisse zur Zeit der Reorganisation über und begreift nicht, wie man dies Ver­fahren der preußischen Regierung so habe angreifen können, da dasselbe gerecht und klug fei. Wer die Ausschußanträge verwerfe, müsse entweder die ganze Provinz Posen ausge­nommen oder ausgeschlossen haben wollen. Beides gehe nicht an. Habe man von einer vierten Theilung Po lens gesprochen, so sei die Ueberlaffung der Deutschen an Polen eine Deutsche Theilung. Die Wiener Verträge erlaubten eine solche Trennung und gäben Frankreich kein Recht, sich gegen eine solche Trennung auszusprechen. Man kämpfe einen schweren Kanipf in Schleswig nicht blos auf Ver­träge gestützt, sondern auch der Ehre Deutschlands wegen, solle man dies nicht bei Posen auch thun? Die Aussicht auf die Herstellung eines polnischen Reiches biete keine Si­cherheit für Deutschland und dieser Unsicherheit solle man % Million Deutsche zum Opfer bringen? Nimmermehr! (Bravo von Seite der Centren und Rechten.) Schüfe lka fürchtet, seine Worte würden nach dem Vorredner für poe­tische Sentimentalität gehalten werden, jedoch wolle er suchen, so viel als möglich praktisch zu sein. Die Herstellung Po­

lens von Deutscher Seite allein sei unmöglich, jedoch müsse die Sache auch vom Standpunkte des Herzens aus beurtheilt werden. Polen verdiene nicht so hartherzig, wie es von Einigen geschehen, beurtheilt werden; die Heiden schon hät­ten den Unglücklichen geehrt. Die Deutschen seien selbst noch nicht aus dem Unglück heraus, um hochmüthig sein zu dürfen. Als Deutschland früher im Unglück und zer­rissen gewesen, habe sich Polen edelmüthiger benommen. Wenn Polen früher Deutschland Unrecht gethan, so zieme es jetzt nicht, Gleiches mit Gleichem zu vergelten. Die, welchen die Sympathie für Polen ein Rausch gewesen, litten jetzt, wie es scheine, an den Folgen des Rausches. Man tadele sehr den polnischen Adel wegen seines aristo­kratischen Anstrichs, allein der Redner sei nicht so sehr Demokrat, daß er dies in so hohem Grade stattfindend zu- gebcn könne. In Deutschland gäbe es auch traurige Bau­ernzustände, man sehe nur die heutigen Bauernaufstände und die Schlesischen Weber an. Von der Jordanischen welthistorischen Höhe herab hätten gerade die größten Hi­storiker einen Fluch über das Verfahren gegen die Polen ausgesprochen, man müßte sich dann auf eine Höhe stellen, wo das polnische Volk ganz verschwinde. Sei das pol­nische Volk nach Jordan eine Leiche gewesen, als es ge­theilt wurde, wie solle man dann die theilenden Monarchen nennen und die Deutschen die diese Leichen begraben? Po­len sei gezwungen zum Hasse, den man ihm vorwerfe, und habe ein Recht zu Thaten der Verzweiflung, da es allein in Fesseln liege, alle übrigen Völker jetzt auferstânden. Die Verträge von 1815 haben den letzten Rest von Ge­rechtigkeit gegen Polen enthalten, deßhalb könne auch die Linke, was Herrn v. Radowitz in Verwunderung gesetzt habe, die Verletzung der Verträge in dieser Beziehung her­vorheben. Die Theilung Posens sei eine einseitige, da sie gegen den Posenschen Landtag beschlossen sei. Aus der Theilung erwachse den dortigen Deutschen und ganz Deutsch­land großer Nachtheil, im Inneren und gegen Außen. Durch Beseitigung der Theilung komme man auch in Widerspruch mit mehreren früheren Beschlüssen. Der Redner beantragt schließlich, die preußische Regierung aufzu­fordern, das Großherzogthum Posen als Provinz wie bisher zu verwalten und die Abtrennung der Deutschen Theile einerZeit vorzubehalten, wo es möglich sein wird, mit dem polnischen