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Zu Schriftführern des Reichstages sind von 289 Stimmenden, Streit mit 228, Ullepitsch 155, Wieser 154, Hauschild 147, Zwickle 135, Kobuczowski 120 Stimmen gewählt worden.
Der Sicherheits-Ausschuß hat nicht gewollt, daß des Erzherzogs Gemahlin in einem Privat-Hotel absteigen solle. Sie wurde von der Deputation direct in die Kaiserliche Burg geführt Dies erregte unter den Wienern großen Jubel. Auch sind im kaiserlichen Schlöffe zu Schönbrunn ihre Zimmer eingerichtet worden. Die Deputation der Na- tionalgarde empfing sie am Bahnhöfe. „Hohe Frau," so begrüßte sie der Redner, Herr Wessely, „ich wurde von diesen Männern bestimmt, Sie zu begrüßen! „Ich bin kein Redner und vermag es nicht, mit zierlich geschmückten Worten die Gefühle kund zu geben, welche in diesem Augenblicke unsere Brust erfüllen; aber cs ist die Zeit gekommen, wo das rauh klingende Wort des Bürgers ertönen darf, und in der Hörer Brust tief eindringen kann. Blicken Sie um sich; auf jedem Antlitz dieser Männer strahlt die Freude, in jedem Auge liegt das Herz, und wissen Sie, warum der heutige Tag uns freut, ich will es Ihnen sagens weil wir heute Sie als Schwester begrüßen!!" „Sie sind entsprossen aus dem Bürgerstande, und es gelang Ihnen als Deutsches Weib einen Fürsten ?u beglücken, der mehr als ein Fürst, der auch der erste Mann des Deutschen Volkes ist, sein Glück zu begründen, hat das Deutsche Volk ihn erkoren, ihn, dessen höchster Ruhm die Bürgerkrone ist." „So oft wir ein Hoch" dem Deutschen Johann bringen, wiederhallt ein Hoch auch seiner Deutschen Frau. Darum seien Sie uns Allen auch herzlich hiermit willkommen." Noch einmal Hoch, dreimal hoch, lebe „die erste Deutsche Frau!" Mit tiefgerührtem Herzen reichten der Reichsverweser und seine Gattin dem Sprecher und seinen Begleitern die Hand. „Ich verstehe Sie, meine Herren," sprach der Erstere. „Meiner Frau ist heute der Lohn geworden, den ihre Liebe zu mir schon lange verdiente."
Wien, 22. Juli. Feierliche Eröffnung des Reichstages. Der Reichstag ist eröffnet. Um 12 Uhr verkündete Trommelschlag und die Volksmelodie: „Was ist des Deutschen Vaterland", welche von mehreren Musikbanden gespielt wurde, die Ankunft des Erzherzogs- Stellvertreters. Die Deputation empfing ihn an den Stufen des Vorsaales und unter ihrem und der Minister Dortritt betrat Erzherzog Johann den Saal der Reichsversammlung. Ungeheurer Jubel empfing ihn. Die Minister stellten sich zu beiden Seiten des Erzherzogs auf die Stufen deS Thrones. Der kaiserliche Stellvertreter stand vor dem Thronstuhle rind las hierauf mit fester Stimme die nachfolgende Thronrede:
Meine Herren Abgeordneten! Von Sr. Majestät unserem allergnädigsten constitutionellen Kaiser beauftragt, den Reichstag zu eröffnen, erfülle ich hiermit diese erfreuliche Pflicht und begrüße aus voller Seele Sie, meine Herren, die Sie berufen sind, das Werk der Wiedergeburt des Vaterlandes zu vollbringen. Die Befestigung der erworbenen Freiheit für uns und unsere Zukunft erheischr Ihr offenes und unabhängiges Zusammenwirken zur Feststellung
der Verfassung. Alle Nationalitäten der österreichischen Monarchie stehen dem Herzen Sr. Maj. gleich nahe (Allgemeiner Beifall) und in der freien Verbrüderung derselben, in der vollen Geichberechtigung Aller, so wie in dem innigen Verbände mit Deutschland (ungeheurer Jubel v. d. Linken und dem Centrum) finden alle Interessen eine feste Grundlage. Schmerz erfüllte das Herz S. Majestät, daß nicht zugleich die Fülle aller Segnungen eintreten konnten, welche freisinnige Institutionen im weisen Gebrauche den Völkern zu sichern pflegen. Se. Majestät, theilen im regen Mitgefühle die Bedrängnisse ihrer Völker. In Beziehung auf Ungarn und seine Nebenländer läßt sich von dem Rechtlichkeitsgefühle der edelmüthigen Bevölkerung eine friedliche, befriedigende Ausgleichung der noch obschweben- den Fragen erwarten. Der Krieg in Italien ist nicht gegen die Freiheit der italienischen Völker gerichtet, er hat den ernsten Zweck unter der vollständigen Anerkennung der Nationalität, die Ehre der österreichischen Waffen den italienischen Mächten gegenüber zu behaupten (Beifall) und die wichtigsten Interessen des Staates zu bewahren. (Beifall.) Nachdem die wohlwollenden Absichten, die unseligsten Zerwürfnisse friedlich beizulegen, ohne Erfolg blieben, so wird es die Aufgabe unserer tapfern Armee sein, einen ehrenvollen Frieden zu erkämpfen. (Allgemeiner Beifall.) Die freundschaftlichen Beziehungen Oesterreichs mit allen andern Mächten sind nicht verändert worden. Das durch lange Zeit unterbrochene Verhältniß zum Königreich Spanien ist wieder hergestellt. Durch die Folge früherer Finanzoperationen und durch das Zusammentreffen außerordentlicher Ereignisse sind die finanziellen Verhältnisse des Staates in einen Zustand versetzt worden, der außerordentliche Maßregeln erheischt, und schon in nächster Zukunft das Ministerium veranlassen wird, die erforderlichen Entwürfe sammt allen Nachweisungen vorzulegen. In der Berufung der Volksvertreter zu eigener Berathung der allgemeinen Interessen ruht die sicherste Gewähr der geistigen und materiellen Entwicklung Oesterreichs. Se. Majestät läßt Ihnen daher, meine Herren, und der ganzen Nation seinen kaiserlichen Gruß und die Versicherung seines herzlichen Wohlwollens entbieten. Der constituirende Reichstag ist eröffnet.
Die Antworts - Rede des Präsidenten schloß mit den Worten: Heil seiner Majestät unserm gütigen, constitutionellen Kaiser (Allgemeines Vivat). Heil der nun constitutionellen Dynastie und Ihrer Dauer zum nachhaltigen Wohle des neuen Bundes. Heil dein volksthümlichen, edlen Deutschen Prinzen, Erzherzog Johann (dreimaliges begeistertes Hoch), und Heil dem, was seinem Herzen am theuersten und Zeuge dieses feierlichen Aktes ist. (Alle Blicke suchen in der Hofloge die Gemahlin des Erzherzogs, aber Baronin Brandhof in schlichter Kleidung dankt unter Thränen dem nicht enden wollenden herzlichen Zurufe aus einer Seitenloge. Von vielen Seiten ertönt der Ruf: „in die kaiserliche Loge.") Heil dem freien, einigen, österreichischen Volke. (Jubel.) Heil und Ehre den österreichischen Waffen und unsern Brüdern, die sie führen. (Allgemeines Hoch.)
Verantwortlicher Herausgeber: Fr. Oetker.— Redaktion: Fr. Oetker und A. Pfaff. — Druck und Verlag von Th. Fischer,in Caffel.