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zu befugen (links Zischm). —Der Redner freut sich, auch einmal von dieser Seite diesen Ton zu hören, er spreche so, nicht obgleich er Demokrat sei, sondern weil er Demokrat sei. Der Redner versucht dann, die Gründe, welche man für das Fortbestehen eines selbstständigen Polen angeführt hat, zu widerlegen. Einer Vor­mauer gegen Rußland bedürften wir nicht, Haß ge­gen das russische Volk sei des 19. Jahrhunderts un­würdig , Frankreich werde deßhalb nicht den Rhein in Beschlag nehmen, die Furcht vor dem Auslande gezieme einer großen Nation nicht. Die Politik, welche Polen freizuge- ben verlange, sei eine Politik des Selbflvergessens und der Furcht. Der Volksegoismus habe auch ein Recht und dürfe sich nicht um die kleinen Gräser kümmern, die er zer­trete. Unser Recht sei das Recht des Stärker» und der Eroberungen durch die Pflugschaar. Im Westen sind wir erobert, im Osten haben wir erobert und Nationalität- chen zerdrückt, die vielen Poeten Stoff zu Jeremiaden gege­ben haben. — Die Uebermacht der Deutschen gegen die Polen ist eine naturhistorische Thatsache, gegen die nicht angckämpft werden kann. Polen war eine Leiche, als es getheilt wurde, und es blieb nichts übrig, als entweder es Rußland allein zu überlassen oder Theil an dieser Theilung zu nehmen, die Theilung war eine Nothwendigkeit. Preu­ßen habe Polen nicht mehr gedrückt, als seine eigenen Un­terthanen; für Herstellung politischer Bildung hätten die Polen nichts gethan, obgleich von der preußischen Negie­rung dazu aufgefordert. — Ein Menschenalter unter preu­ßischer Regierung habe Polen mehr genützt, als 1000 Jahre unter polnischer Regierung. Dieses erworbene Land könne man nicht aus Kosmopolitismus wieder weg­geben. Preußen hat in Polen die Aristokratie gestürzt, nicht die Demokratie. Der Widerstand der Polen gegen Preußen beruhe zum größten Theile aus den Umtrieben des Katholizismus. Der neueste Aufstand der Polen gegen Preußen geschah unter dem Vorantragen des Kruzifires, nicht der weiß-rothen Fahne. 1846 habe man allerdings einen demokratischen Katechismus dem Volke vorgehalten, allein das sei nur eine Uebersetzung französischer Phrasen ins Polnische. — Preußen biete jetzt einer wahrhaft selbst­ständigen Nationalität eine Wiege, Polen möge zeigen, ob es dieselbe benutzen wolle. Freiheit für Alle, das Vaterland über Alles! (Großer Beifall.) Die Rede dauerte 1Vr Stunden.

Vogt sieht sich auf einem sonderbaren Standpunkte seinem Vorgänger gegenüber, von dem er eine andere Rede er­wartet hätte, er werde aber sprechen, wie es die Sache ver­lange. Er wolle von Thatsachen ausgehen und finde in dem ^Berichte darüber keinen Anhaltpunkt. Die nach­folgenden Redner möchten diese Mängel ergänzen, würde dies nicht geschehen, so werde sein Antrag auf eine Unter« suchungseommission noch mehr unterstützt. — Was die Sache betreffe, so sei der polnische Adel derselbe wie über­all, nur sei er in Polen nicht gestürzt. Preußen habe den polnischen Adel nicht gestürzt, denn sonst hätte es ihn bei sich nicht hegen können. Der Ultramontanismus in Posen sei durch den christlich-germanischen Staat gefördert. Das inhumane Element in der polnischen Bewegung in Bezie­hung auf die Juden sei auch in Deutschland noch herr­

schend, übrigens seien diese Elemente durch Früheres her- vorgerufen. Druck gegen die polnischen Staaten erkenne der Ausschuß selbst an. Die Befreiung des Bauernstandes in Preußen sei in einem Jahrzehnt geschehen, in Jahrhun­derten vorher sei ebenfalls nichts dafür gethan (!). Rein­deutsches Land wolle er nicht an Polen zurückgeben, wie behauptet sei; Haß gegen das russische Volk habe man nicht gepredigt, nur Haß gegen die Diplomatie; um keinen Haß gegen die Russen zu predigen, solle man aber nicht Haß gegen die Polen predige». — Der Redner fordert zum Schluß den Minister des Aeußern auf, seine Ansichten über die Posener Frage mitzutheilen, da er glücklicher Weise die Verhandlungen darüber als Präsident des Bun­destages kennen müsse; dann könne weiter darüber verhan­delt werden.

Die Versammlung verlangt, da es 3 Uhr geworden, Ver­tagung. Einige Mittheilungen an die Ausschüsse beendigen die Sitzung. Morgen Fortsetzung der heutigen Debatte.

Die Parteien der National-Versammlung nehmen jetzt auch die Karrikatur zu Hülfe, um sich gegenseitig zu be­kämpfen. Auf der Linken ist in dieser Art Vogt, auf der Rechten Rittmeister v. Boddien thätig. Auf der Rechten sind Vincke und Heckscher, auf der Linken Blum und Rösler bis jetzt die Zielscheiben des Witzes. Letzterer von seiner Nankingtracht, die er auch bei der Einführung des Reichsverwefers in die National - Versammlung nicht ablegen mochte, des heiligen Römischen Reichs Kanarien­vogel genannt, ist als solcher treffend ähnlich auf der Tri­büne sitzend abgebildet, mit der Unterschrift: Singt wenig, spricht viel und lebt von Diäten. — Das Amendement Wernhers wegen einfacher Armirung ist ebenfalls von Bod- dien gut karrikirt.

Bei einer gestrigen Volksversammlung in der Nähe Darm­stadts, an welcher auch viele Mitglieder der Linken hatten Theil nehmen wollen, soll es zwischen den Parteien — republikanischen und constitutionell-monarchischen — zu Thät­lichkeiten aber keiner Verhandlung gekommen sein. Daß auf Zitz dabei geschossen sei, bewahrheitet sich nicht. Der­selbe kehrte in Gesellschaft vieler seiner politischen Freunde schon um 6 Uhr Abends wieder nach hier zurück.

Schleswig-Holsteinische Angelegenheiten. Am 22. d. M. ist die erste und letzte berathende Stände- Versammlung des vereinigten Schleswig-Holstein geschloffen worden, um der mit dem 1. August zusammentretenden vereinigten Schleswig-Holsteinischen constituirenden Stände- Versammlung Platz zu machen. In dieser letzten Sitzung ward der höchst interessante ausführliche Bericht des Mini­sters des Auswärtigen erstattet.

Wien. Das Ministerium hatte seine Wirksamkeit in erfreulicher Weise begonnen. Es hat eine dringende Ein­ladung nach Jnsbruck an den Kaiser beschlossen, sich schleu­nigst nach Wien zu verfügen. Auch soll cs die beiden anstößigen Landeschefs, den zweideutigen Grafen Thun aus Böhmen und den bornirt reaktionären Grafen Brandis aus Tirol zurückberufen haben. Uebrigens ist Weffemberg wegen einer Unterleibskrankheit, unbeschadet der Geschäfte, 14 Tage aufs Land gegangen.