— 403 —
Schleswig-Holsteinische Angelegenheiten. Am 20. ist die Waffenruhe um 3 Tage verlängert worden. Eine abermalige Verlängerung soll am 23. stattfinden, wenn bis dahin Nichts entschieden ist. Aus der Ostsee-Zeitung wird ein Brief des Generals Wrangel an ein Stettiner Handelshaus mitgetheilt. Er nimmt die Gevatterschaft eines neuen Schiffes darin an, beklagt die mit dein Krieg verbundenen Handels-Nachtheile seiner lieben Stettiner von Herzen, doch, fährt er fort, „einen schmachvollen Waffenstillstand zu unterzeichnen, werden die braven, ihrem theueren Könige treuen Pommein nicht von mir fordern. Ich habe aber die Hoffnung, daß der Waffenstillstand unter- annehmbar en Bedingungen in Kurzem zu Stande kommen wird, freilich geht durch die Rückfrage nach Kopenhagen einige Zeil hin" — Die vor- geschlagenen Bedingungen sind nämlich Deutscher Leits nicht ratificirt worden und die Sache ist deshalb nach Kopenhagen zurückgegangen. Während nun die Kopenhagener Blätter schimpfen und die Schwedische Intervention nunmehr sicher eintreten lassen, haben sich der englische und schwedische Geiandte am 19. von Kopenhagen nach Kolding begeben, und die Waffenruhe und die Unterhandlungen dauern fort.
Aus einem in der SchleSwig-Holsteinschen Zeitung mit- getheilten Schreiben des Majors v. d. Tann geht hervor, wie sowohl er als das Corps im Ganzen mit der Auflösung des Corps einverstanden sei, „wegen der eingetretenen Waffenruhe und des nahen Waffenstillstandes." 9iur die Art und Weise, wie diese Auflösung durch einen Tagesbefehl des General Krohn, angeblich in Folge prinzlicher Intriguen, zunächst gegen Las Jensen - Tuschsche Freicorps ausgesprochen wurde, erregte gerechte Indignation. Der dem V. d. Tannschen Corps zugedachte ähnliche Tagesbefehl gerietst noch zeitig in Beseler^s Hände und ward von diesem zerrißen. Die provisorische Regierung, die Bewohner von Rendsburg, insbesondere die Damen, welche einen Ball auf dem Schützenhofe arrangirten, boten Alles aus, um die mißhandelten Freischärler zu versöhnen. Auch General Halkett gab ihnen vor großer feierlicher Parade des 10. Armeekorps Satisfaktion. Er bedauerte, sie in Folge höheren Befehls entlassen zu müssen.
Hannover. Auch der Volksverein zu Bremervörde hat sich in einer Erklärung an die National-Versammlung zu Frankfurt mit dem berüchtigten Ministerial - Ausschreiben nicht einverstanden erklärt.
Hannover. Der konstitutionelle Verein in Göttingen (Vorstand Hofrath Fuchs und Prof. Herrmann) hat am 14. d. M. wegen der Hannoverschen Erklärung eine Vorstellung an das Hannoversche Gesammtministerium einge- reicht. „Wir wiederholen," heißt es, „daß wir nur in der konstituirenden Nationalversammlung die gesetzliche, zu bindenden Beschlüssen über die Gesammlverfassung Deutschlands befugte Autorität anerkennen. Was sich auch ereignen möge, wir sind fest entschlossen, jedweden Anfeindungen derselben, mögen sie aus anarchischen, reaktionären oder separatistischen Bestrebungen herstammen, in Wort und That mit aller Kraft e n l g e g e n z u t r e t c n. "
Hannover betr. In einer Versammlung preußischer und sächsischer konstitutioneller Vereine zu Halle ist mit großem Beifall der Vorschlag ausgenommen worden: Reisegeld für den König von Hannover zu sammeln.
Wien. Daß uns Böhmen (wo es nicht ganz Deutsch ist) durchgängig Czechisch gesinnte Deputirte gesandt hat, welche in dem Kampfe der Nationalitäten, der jetzt auf dem Reichstag durchgefochten wird, vielleicht den Ausschlag geben werden — (denn ein Parteienkampf ist es nicht), geht sehr einfach zu. Der Gubernialpräsident Leo Thun hat die Wahlen so angeordnet, daß nur eine Nacht für die Vorbereitungen blieb. Die Czechen waren organisirt und hatten ihre Zettel fertig, die Deutschen nicht. Auch durften es die Deutschen nicht wagen, der List und Gewalt entgegen zu treten. Auf dem Reichstag verlangte am 18. vr. Löhnert, Deputirler des Deutsche Böhmischen Saatz, daß die Wahl des Prager Abgeordneten Strohbach, als welche gleich den übrigen Prager Wahlen im Belagerungszustände vorgenommen sei, beanstandet werde. Er fiel glänzend durch. — Die einzige Rettung vor dem Slawismus beruht in dem Haß der Galizischen Bauern gegen ihre Gutsherren. Sie wollen Deutsch sein, sie wollen mit dem Kaiser stimmen —- denn von Deutschland, vom Kaiser erwarten sie die Abnahme aller Grundlasten. Sie verlangen nicht blos augenblickliche Aushebung, sondern auch die Rückerstattung der seit 30 Jahren geleisteten Robot. — Heckscher ist am 16. in Wien angekommen. An demselben Tage langte auch die Familie des Reichsverwesers an und stieg in Schönbrunn ab. Der Kaiser wird in wenigen Tagen in Wien erwartet.
Wien, 20. Juli. Die Präsidentenwahl ist geschehen. Dr. Franz Schmitt, Abgeordneter von Wien, ist saft einstimmig zum Präsidenten für 4 Wochen gewählt worden. Vicepräsident wurden Strohbach aus Prag und Hagenau aus Triest. Man will auch in dieser Abstimmung einen Sieg der Slaven sehen, welche der Stadt Wien durch die Wahl ihres angeblich sehr unbedeutender Abgeordneter für die ersten 4 Wochen ein Kompliment hätten machen wollen. — Wie dem auch sei, im compacten Zusammenhalten, wie im schlauen Operiren sind die Slaven den Deutschen überlegen und diese mögen sich vorsehen.
Berlin. Sitzung der National-Versammlung vom 21. Juli. (Schluß.) Ungeheuern Sturm erregten wie gewöhnlich einige Interpellationen über Posensche Verhältnisse. Schultz aus Delitzsch stellte nach eingetretener Ruhe den Antrag ; alle auf Posen bezüglichen Interpellationen ohne Weiteres an die Kommission zu verweisen. Neuer Sturm. Die Polen erklären: wenn dies angenommen werde, aus der Versammlung ausscheiden zu müssen. Doch zeigt sich die Majorität geneigt, den Antrag anzunehmen. Da zieht ihn Schultz, umringt von flehenden Gruppen der Polen, unter unsäglichem Lärm wieder zurück. — Vogelsangs Antrag : in Erwägung, daß durch die Theilung der Jagd- districte viele noch unbeendigte Prozesse entstanden sind, die Aufhebung des Jagdrechts auf fremdem Grund und Boden aber voraussichtlich bevorsteht, 1) Die Verordnungen
vom 7. März 1843, wegen Theilung der gemeinschaftlichen