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und hier würde wieder eine „dunkle" Majorität entschci- brn. — Der Redner nimmt ferner unter großem Beifall der Rechten, welche ibn sehr witzig findet, die Heere in Schutz. — Die Politik Frankreichs findet er nicht ganz so friedlich als Ruge; übrigens wolle er zugeben, daß Lamartine, wenn er auch Philosoph, doch ein praktischer Politiker sein könne. Was Rußland betrifft, so erklärt sich der Redner für Anheimgeben der Nr. II. des Berichts an die Centralgewalt. Nicht bloß mit Frankreich allein solle man ein Bündniß schließen, sondern auch mit England, dem dritten Volke im Bunde der freien Völker. „Seien wir vorsichtig, praktisch und vertrauensvoll gegen die Centralgewalt! (Lautes Bravo von Seilen der Centren und Rechten.) 9t. V l u in schildert die politischen Verhältnisse der Vergangenheit im Gegensatze zu denen der Gegenwart, und donnert gegen die partikularistischen Bestrebungen, die das Elend der Gegenwart verschuldet haben. Die alte Zeit ist untergegangen, gebrochen duich eine stärkere Gewalt als die ihrige. Frankreich brachte das Evangelium der Neuzeit und deßhalb schlagen alle Herzen für dieses Land, welches auf die Allmacht des Gedankens vertraut hat. Der Gedanke macht Propaganda und soll Propaganda machen, und der Gedanke der französischen Revolution wird Propaganda über Moskau hinaus machen. Die alte Macht war stark durch Verbindung, deßhalb sollen auch die Völker sich untereinander verbinden. Macht diese Verbrüderung stark, so schließt das nicht aus, daß ein Volk auf alle Fälle gerüstet sei. Deutschland Hal sich gerüstet. Wozu? Um Paraden in den Residenzstädten zu machen? Richte man diese Macht dahin, wo sie nöthig ist. — Der Redner ist nicht für ein Hinausgehen über die Ausschuß- anträge. Auf dem Gedanken der Verbrüderung beruht die Zukunft! (Beifall der Linken und Gallerie.) Wurm vertheidigt das Beibehalten des Punkt II. des Berichts und begründet dies durch Darlegung der Politik Rußlands, die gegen die Einheit Deutschlands gerichtet sei. „Rußlands Kunst ist die, zu trennen und zu herrschen" ; jetzt sucht es Deutschland gegen Frankreich zu hetzen. Die Tragödie der Anarchie in Deutschland würde zum Benefice Rußlands auf- geführt werden. Bei den Eroberungsgelüsten Frankreichs kann nur Rußland ein Interesse haben, und deßhalb werden sie in Frankreich keine tiefe Wurzel fassen. Was der Bericht über Frankreich sage, sei wenig; die Anerkennung der Republik verstehe sich von selbst. Das französische Volk sei souverän und die Souveränetät des Volkes sei ja von der Versammlung durch die Wahl des Reichsverwesers anerkannt. Lamartine, so schließt der Redner, habe gesagt: Bund Frankreichs mit Deutschland um jeden Preis! Jahn ist mit dem Anfang des Berichts (1) sehr zufrieden, auch 11 „möchte gehen", aber nicht Schuselka's Amendement *).
*) Das Amendement Schufetkas lautet: 1) die National-Ver- sammlung spricht die offizielle Anerkennung der französischen Republik aus und beauftragt den Minister des Auswärtigen, sofort einen Gesandten Deutschlands nach Paris zu senden. 2) Die Na- tional-Versammlung beauftragt den Minister des Auswärtigen, von der russischen Regierung im Namen Deutschlands eine offene und unumwundene Erklärung über die Kriegsrüstung an der Gränze zu fordern.
Man solle, so stellt er sein Amendement, Thorn, Glogau und Posen zu Bundesfestungen erklären und bei Breslau und Glogau verschanzte Lager mit Reichstruppen errichten, v. Beckerath spricht nicht gegen eine Propaganda der Gedanken, aber gegen Eingriffe in die Selbstständigkeit der Völker, und dies wolle der Ausschußbericht verhindern, dem er in I. beitrete. Der Redner findet in Ruge's Amendement, wenn auch keine Utopien, doch eine Anlici- pation. Den Antrag II. will der Redner der Centralgewalt überwiesen haben. Im dritten Punkte stimmt er mit dem Ausschüsse überein. Moring spricht gegen ein Bündniß mit Frankreich, nicht weil er Frankreich nicht liebe, sondern weil er Deutschland mehr liebe. Der Hauptmann M bring hält darauf eine politische „Heerschau" in Europa und kommt zum Resultat, daß ein Bündniß mit Frankreich nicht zweckmäßig sei. Er beantragt, daß die Centralgewalt ein Bündniß mit Ungarn und den dazu gehörigen Ländern schließe und Einleitungen zu einem solchen mit Nord-Amerika. England, Norwegen, Schweden, Holland und der Schweiz treffe, übrigens durch einen feierlichen Akt die französische Republik anerkenne. Zum Beweise der Anerkennung der Freundschaft mit Ungarn fordert der Redner die Versammlung auf, sich zu erheben, was auch geschieht. Arif den Wunsch der Versammlung wird dann die Debatte geschlossen. Wydenbrngk (Berichterstatter) vertheidigt schließlich den Ausschußbericht und bekämpft theilweise die gestellten Zusätze unb Amendements. Ruges Zusätze vindieirt er der Zukunft, nicht der Gegenwart. Der erkenntliche Redner freut sich, daß der Zusatz gemacht sei, allein die Versammlung, dieser politische Körper, könne ihm nicht beitreten. Auf den Möhringschen Antrag bittet er jetzt nicht einzugthen, da diese Frage nächstens Vorkommen werde. Ruge vertheidigt sich dann noch gegen ein Mißverständniß. Unter Völkereongreß verstehe er einen Congreß derD i- plomaten der neueren Völkergeschichte. — Bei der Abstimmung zieht Möhring nach der Erklärung Wyden- brugks den ersten Theil seines Antrags zurück. Punkt I des Berichtes wird einstimmig angenommen; der Zusatz Ruges wurde verworfen. In Bezug auf den zweiten Punkt wurde ein Amendement Biedermanns angenommen, welches dahin lautet: Die National- Versammlung beschließt, diesen Theil des Berichts und den darin enthaltenen Antrag mit Rücksicht auf d i e bereits b e s ch l o ss e n e V e r m e h- rung der Streitkräfte an die inzwischen ins Leben getretene Centralgewalt zu überweisen. Punkt III des Berichtes wurde angenommen und zwar der zweite Theil dieses Punktes einstimmig. Die übrigen Amendements wurden theils zurückgenommen, theils verworfen. Mehrere Verkündigungen machten den Schluß der Sitzung um 2 Uhr. Nächste Sitzung Montag 9 Uhr. Tagesordnung: Die Posener Frage, welche heute nicht erledigt wurde. —In dem Verzeichniß der am 19. und 20. Juli eingegangenen Petitionen befindet sich auch der Protest des Cassler Volkccomitès gegen die Hannöversche Ministerial- Erklärung vom 7. Juli. Eine ähnliche Erklärung ist auch vom hiesigen Montagokränzchen abgegeben. Beide sind an den Prioritäts-Ausschuß verwiesen.