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wieder wie früher die Wachen in Sachsenhausen bezogen, ohne auf den geringsten Widerstand von Seiten der Bürger zu stoßen.
Wiesbaden, 19. Juli. Heute Morgen ist die österreichische Artillerie, welche ihre Geschütze auf der Kursaal- wiese ausgefallen hatte, wieder abgezogen. Dafür sind 2 nassauische Kanonen an derselben Stelle aufgepflanzt worden. Die Untersuchungen nehmen ihren Gang. Die Entflohenen werden jetzt steckbrieflich verfolgt. Uebrigens herrscht in unserer Stadt die größte Ruhe und das beste Einvernehmen zwischen den Bürgern und den Reichstruppen. Oswald Diez war gestern mit einigen Genossen in Idstein um dort die Leute aufzuwiegelw Der Amtmann widersetzte sich aber dem Schlagen des Generalmarsches, worauf sich die Leute wieder beruhigten. Diez soll von da entwischt, in Fomberg jedoch arretirt worden sein. (Nass.All.Ztg )
Schleswig-Holsteinische Angelegenheiten.
Die Weser-Zeitung theilt nunmehr aus Fädreland die in 12 Paragraphen gefaßte Waffenstillstands-Acte mit, welche im Wesentlichen die schon früher vielfach mitgetheilten, für die Deutschen, insbesondere die Schleswig Holsteinschen Bevölkerungen so schmerzlichen Bestimmungen enthalten: außer der Zurückgabe und Ersatz der Schiffe und Ladungen, Zurückerstattung der in Jütland gemachten Requisitionen und Auslieferung der Gefangenen Räumung der Herzogthümer Seitens der Deutschen Truppen, Entlassung der Provisor. Regierung, einstweilige Bestellung einer Fünfmänner- Commission, welche unter Controlle eines Dänischen und eines Preußischen Beauftragten im Namen des Königs von Dänemark als Herzogs von Schleswig und von Holstein regieren und in der bereits angegebenen Weise ernannt werden rc. Nach 8 10 soll außerdem das Herzogthum Lauenburg auf den Zustand vor dem Einrücken der Bundestruppen zurückgeführt werden. Der Waffenstillstand soll 3monatlich sein und gilt, wenn er nicht monatlich gekündigt wird, als verlängert. Nach §. 11 übernimmt England die Garantie. Der letzte Paragraph besagt, daß diese Bestimmungen für die Friedensverhandlungen in keiner Weise präjudiciren. — Es ist zu hoffen und zu erwarten, daß der Reichsvcrwcser diese Bestimmungen nicht genehmige und daß demnach der Krieg fortgesetzt oder wenigstens die vorläufige Waffenruhe, welche bereits um einen Tag verlängert wurde, noch weiter fortdauere.
In der Sitzung der schleswig-holsteinischen Ständever- sammlung vom 18. d. ist folgende Erklärung in Betreff des Waffenstillstandes vom Kommissar gegeben worden: Der Waffenstillstand, über dessen Abschluß viele Mitglieder der Versammlung heute nähere Kunde erwartet haben werden, ist noch nicht eingetreten, sondern, so weit die Nachrichten der provisorischen Negierung reichen, nur eine Waffenruhe bis morgen (den 19.) Abend, bis zu welcher Zeit man die Entschließung von Kopenhagen im Hauptquartiere erwartet. Es wird wegen eines langem Waffenstillstandes unterhandelt. Wenn es dazu kommt, so würde noch die Ratifikation des Deutschen Reichsverwesers erforderlich sein, worüber natürlich noch mehrere Tage hingehen würden. Es hat die provisorische Regierung offizzelle Kunde nur da
von, daß unterhandelt wird, und daß eine Waffenruhe eingetreten ist. Aus vertraulichen Mittheilungen aber weiß sie, daß zwei Punkte in den Waffenstillstands-Bedingungen in Frage stehen. Der erste betrifft das Fortbestehen oder Abtreten der provisorischen Regierung, und über diesen Punkt habe ich mich bereits dahin ausgesprochen, daß die provisorische Regierung, so lange sie sich des Vertrauens ves schleswig - holsteinischen Volkes versichert halten darf, nur im Einverständniß mit der Centralgewalt, oder auf Aufforderung des Reichsverwesers abtreten wird. Der zweite Punkt betrifft die Stellung und das Verhältniß der schleswigholsteinischen Truppen, und in Bezug auf diesen Punkt wird die provisorische Regierung nie einwilligen, daß dieselben während des Waffenstillstandes ganz oder theilweise aufgelöst werden, vielmehr erkennt sie als nothwendig an, daß sie zur Disposition der Landesregierung gestellt bleiben, welche über ihre Uebungen, Kantonnements u. dgl. zu bestimmen haben muß. Die Versammlung gab der Regierung nach einigen Debatten mit 53 gegen 13 Stimmen ihren Dank zu erkennen.
Wien. Die der Weserzeitung „aus sicherster Quelle" mitgetheilte Ministerliste, welche durch eine Depesche aus Frankfurts?)bestätigt sein soll, enthält die bereits vorgestern von uns mitgetheilten Namen des für nötige Fälle provisorisch bestellten Ministeriums. — Die Deputation der Amerikaner, welche hier so großes Aufsehn machte und zu den seltsamsten Vermuthungen Anlaß gab, soll aus Fürther Juden bestehen, welche für die Republik hätten werben wollen. — Die slavische Opposition im Reichstag soll sich bereits organisirt und Palazky zum Kandidaten der Präsidentschaft gewählt haben. Ja, wenn Stadion seine galizischen Bauern nicht so gut einererziert hätte!
Berlin. Die Sitzung der Nationalversammlung vom 18. d. M. war so unwichtig nicht, als in den meisten Zeitungen, wohl ohne genügende Sachkenntnis bemerkt wird. Abgesehen von der schon längst bekannten, in dieser Sitzung öffentlich wiederholten Erklärung von Rodbertus: „er habe sich gegen den Jacobischen Antrag einschreiben lassen, weil er mit der ersten Hälfte nicht einverstanden gewesen, aber gegen die Regierungs-Erklärung vom 4. würde er gesprochen haben und da dies nicht geschehen konnte, habe er sich der Abstimmung ganz enthalten," ward unter Zustimmung des Ministeriums die Adresse mit großer Einstimmigkeit und unter allgemeinem Gelichter fallen gelassen. (Diese Adresse hatte Hansemann noch vor wenigen Wochen zur Kabinets- srage gemacht). Der von der Linken lebhaft unterstützte Antrag von 94 Abgeordneten, den Kreis ständen die Vefugniß zu entziehen, von den Kreis-Eingesessenen Steuern erheben zu können, ward nach langen Debatten mit großer Majorität angenommen. Dieser Fortschritt vernichtet den Lebensnerv der Aristokratie der Rittergutsbesitzer (aus denen die Kreisstände vornehmlich bestehen). Er ward deshalb von diesen mit großer Erbitterung ausgenommen und von den Ministern mit großer Delikatesse behandelt. — Auch der wegen Rebellion angeklagte und verhaftete, aber nichts weniger als überführte Abgeordnete von Trier, Valdenaire, ward, des lebhaften Widerspruchs der Rechten und der