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halten. Die Bürgerwehr wird sofort neu organisirt wer­den, und ist zu dem Ende die Ablieferung sämmtlicher Ge­wehre erforderlich. Von den Bürgern Wiesbadens wird erwartet, daß sie sich dieser Maßregel, welche unsere Frei­heit nicht gefährden, sondern sichern soll; willig unterord­nen und anschließen. Wiesbaden, den 18. Juli 1848. Herzog!. nass. Staatsministerium. Hergenhahn.

Schleswig-Holsteinische Angelegenheiten. Die Brem. Zeitg. will aus sehr guter Quelle wissen, daß die Hoffnungen, welche Dänemark auf russ. Hülfe gesetzt habe, gänzlich geschwunden seien. Der Ezaar habe dem dänischen Gesandten jOrholm, als dieser vor vier Wochen mit wichrigthuender Eile in Petersburg angekommen und Audienz begehrt habe, ganz trocken erklärt, „er sehe die Dringlichkeit der Dänischen Sache nicht ein und wolle rathen, Englands Vorschläge so rasch wie möglich anzu­nehmen" — und als jener ihm bestürzt vorgesteUt, „dann werde sich das Dänische Ministerium ja nicht halten kön­nen" — das sei ihm sehr gleichgültig — „ein aus dem Pöbel hervorgegangenes demagogisches Ministerium könne die Sympathien Rußland's nicht in Anspruch nehmen." — Der General-Adjutant des Königs von Preußen, Ge­nerallieutenant v. Neumann, soll dem General v. Wrangel den Befehl überbracht haben, den Waffenstillstand nur so abzuschließen, daß man dessen Ratifikation durch den Deut­schen Reichsverweser erwarten könne. — Ein Tagesbefehl des General v. Wrangel zeichnet dem V. d. Tannschen Freikorps, unter Danksagung für die vielen guten Dienste, die es geleistet, seine Marschroute zurück nach Rendsburg vor, wo es den 19. von der Provisor. Regierung aufgelöst werden solle. Die Ursache soll ein Streit des Komman­deurs mit dem Prinzen Friedrich, nach Anderen mit dem Preußischen General sein, im Tagesbefehl wird blos auf die nahe Aussicht auf einen längere Zeit dauern­den Waffenstillstand Bezug genommen. Hauptmann v. Wo- beser ward vom Corps abgeordnet, um gegen diese vom Corps für schimpflich befundene Auflösung zu Protestiren und die Erfüllung der Seitens der Provisor. Regierung eingegaugenen Verpflichtungen (das- Corps ein Jahr im Dienst zu behalten) zu fordein, widrigenfalls die Offi- ciers für Nichts einstehen könnten. — Die baierischen Offi- ciere (v. d. Tann, Bothmer, Aldosser und Bottwill) wol­len in die Heimath zurückkehren. — Graf Reventlow-Preetz erklärte dem Delegirten im Namen der Provisor. Negierung „man erkenne die geleisteten Dienste dankend an und werde niemals in eine schmähliche Entlassung einwilligen. Uebri- gens werde die Möglichkeit leicht eintreten, daß das Frei­corps überhaupt nicht aufgelöst werde, da die Fortset­zung desKrieges wahrscheinlich sei.—■ Uebrigens sind große Vorräthe Lebensmittrl auf's Neue in's Lager abgegangen. — Ergebenheits-Adressen an die Provisor. Re­gierung gehen noch immer aus beiden Herzoglhümern zahl­reich ein. — Die Provisor. Regierung hat allen betreffen­den Behörden befohlen, aus Wappen und Dienstsiegeln die Bezeichnungen Königreich, königlich rc., sowie etwaige Kö­nigliche Insignien und Namenschiffren zu entfernen. Auch ist das Gesetz aufgehoben, welches für akademische Ernen­

nungen die Königliche Genehmigung vorschreibt. — Zu Kiel wurde am 16. d. M. das erste Kanonenboot vom Stapel gelassen.

Wien, 17. Juli. Gestern hielt der Ausschuß für Si­cherung und Wahrung der Volksrechte eine Vor- und Nach­mittagssitzung, welche die Theilnahme der ganzen Stadt in Anspruch nahm. Es kam nämlich die Lebensfrage des Aus­schusses, das Fortbestehen oder Auflösen, zur Debatte. Die Deputirten fanden sich sehr zahlreich ein und die Gallerten waren bereits zwei Stunden vor Eröffnung der Sitzung überfüllt. Unzählige Redner nahmen das Wort, nur zwei sprachen für Auflösung, alle übrigen für das Fortbestehen, die meisten für unbedingtes, unveränder­tes Fortbestehen, einige wenige wollten ein Verschmelzen mit dem Gemeindeausschusse. Der Sicherheitsausschuß ist eine Schöpfung des 26. Mai und darum den Wienern so werth ; in ihm ist die Revolution verkörpert und in dem Beifalle, in der Verehrung, die man ihm zollt, erkennen die Meisten die Apotheose der Revolution. Als endlich um 10 Uhr Abends die Frage, ob der Ausschuß unverändert fortbestehen solle, gestellt und fast einstimmig angenommen war, wurde der Jubel so groß, wie ich ihn in diesen Räu­men nie gehört. Als einzige Begingung der Auflösung wurde der Wille des Reichstags angenommen.

Preußen. Eine Erklärung der Lieutenants Bernigau, Wülfing, Faltin, vom 25. Infanterie - Regiment zu Deutz, mag uns über den Geist des Preußischen Officierkorps und über die Nothwendigkeit der demnächstigen volksthümlicheren Organisation des Deutschen Heerwesens belehren. Diese Herren sind suspendirt worden, weil sie „einer Rede ihres „Regiments-Commandeurs, welcbe nach ihrer innigsten lle- „berzeugung den neuen Zeitverhältnissen nicht entsprechend „war, entgegengetreten seien." Wir lassen nun zwar das Angemessene in dem Betragen der Herren dahin gestellt fein, es scheint uns sogar nach ihrer eignen Veröffentli­chung, als ob ihr Benehmen dem in alter und neuer Zeit nothwendigen militairischen Tact ebenfalls nicht entsprechend gewesen sei. Wenn aber, wie sich im Verlaufe der Sache herausstellt, sechzig Officiere des Regiments gegen einen die Militairzwecke besprechenden Zeitungö-Artikel einen Pro­test erlassen, worin sie ausdrücklich erklären, „ohne Hin­blick auf Ereignisse und N e u g c st a l t u n g der Zeit au der Se. Majestät persönlich angelobten Treue festhalten zu wollen," auch die weitere Circulation dieses Protestes versuchen, und jene 3 Officiere, welche sich blos zur Vertheidigung des Vaterlandes gegen äußere und innere Feinde, im letzteren Falle aber gemeinsam mit der Bür­gerwehr für verpflichtet erklärt hatten, — wegen Treu - bruchs vor ein Kriegsgericht stellen, so müssen einem ganz eigne Begriffe über die Begriffe dieses Officier­korps kommen. Glücklicher Weise ist dieser ritterliche allspanische Begriff von Pflicht nur einem gewissen Theile der preußischen Officiers eigen und zwar gerade demjenigen Theile , welcher seinen Deutschen Kameraden nichts weniger als Vorbild ist.

Berlin, 16. Juli. Zur freiwilligen Anleihe, welche in der letztem Zeit etwas besser von Statten ging, soll