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und unsittlich feien ? Man kann sich täglich vom Gegen­theil überzeugen. Alle Zeiten, namentlich die unserige, ha­ben ;ur Genüge gezeigt, daß Sittenverderbniß, Treulosig­keit, Verrath und Raublust nicht eben besonders die Ei­genschaften der untern Volksschichten sind. Tugend und Laster sind an keinen Stand gebunden. Hat es wohl der preußischen Armee geschadet, daß jeder ohne Unter|(f)ieb des Standes in die Reihen ihrer Krieger trat, der Ministers- sohn neben dem des Schweinehirten? Ich glaube nicht, sie haben gewiß beide, sowie auch das Heer dabei gewonnen. In Kassel wurde eine Absonderung der Kinder verschiede­ner Stände dadurch herbeigeführt, daß man das Schulho­norar für die Realschule so hoch stellte und in Beziehung auf die Schulbücher einen so großen Luxus trieb, daß Kinder unbemittelter Eltern die Realschule nicht besuchen können. — Für das höhere Schulhonorar bietet diese u. A. Unterricht in der französischen Sprache, Algebra und im ausgebildeteren Zeichnen und in der ersten Klasse auch in der Chemie und in der englischen Sprache. Sollten nicht auch die Kinder unbemittelter Eltern dieser Wissenschaften bedürfen? — Deßhalb spreche ich den Wunsch aus: alle Schulen mögten vom Staate eingerichtet, genau überwacht und unterhalten werden, damit auch die Kinder der Aermeren daran Theil nehmen können.

Cassel. Ewerding.

Rüge und Berichtigung.

Schon seit mehreren Jahren hat man zum Schutze der Jagden in den Leibgehegen militärische Commando's, welche aus der Staatskasse den Solo und eine Marsch - Zulage, von den Gemeinden aber daS O-uartier erhalten, verwendet. Es wird sogar behauptet, daß die Zahl der Commando's in Folge des neuen Jagdgesetzes vermehrt werden sollte; ich kann dieß jedoch nicht glauben, da die ganze Maßre­gel offenbar gegen die §§. 43 und 144 der Verfassungs- Urkunde verstößt, die jetzigen Minister aber gewiß einen Verstoß gegen die Verfassung sich nicht zu Schulden kom­men lassen. Uebrigens ist es auffallend, daß über die er­wähnte Bedrückung der Gemeinden Beschwerden geführt worden sind, welche bis jetzt ohne Erfolg waren. A.

Briefkasten und Briefwechsel.

Die „Entgegnung" aus Deißel vom 10. Juli kann so keine Aufnahme finden. Eine Entgegnung würden wir nur von dem in Nr. 38 persönlich angeredeten Pfarrer Stieglitz selbst aufnehmen. Wollen die Einsender aber außerdem sich äußern und dabei die Ausdrucke „Verleum­der" und „Unwürdigkeit" gebrauchen, so haben sie unter ihren Namen aufzutreten. — Aus Rinteln geht uns Folgendes zu: „Wir autorisiren Sie, ganz nach Ihrem Ermessen pri­vatim oder in Ihrem Blatte unsere vier Namen Hrn. Fr. Zahn zu nennen, aber mit der Beifügung, daß wir vier Männer hier in Rinteln ganz offen unsere Autorschaft be­kannt und bei keinem unserer zahlreichen Bekannten Wider­spruch gefunden haben; daß es uns leicht geworden wäre, von noch mehreren Mitbürgern unsern Angriff auf Herrn

Zahn unterschreiben zu lassen, daß aber wir vier uns mit einander begnügt hätten um der Bequemlichkeit halber. Endlich wollen Sie auch geeigneten Falls dem Hrn. Zahn unsere und noch anderer hiesiger Männer Bereitwilligkeit erklären, auf sein Verlangen die von uns geschehene Be­urtheilung seines politischen Charakters durch facta et dicta zu rechtfertigen." —Die vier Herren sind: Rector Brauns, Gymnasialleher Meurer, Gymnasiallehrer Storck und Obegeri chts - Referendar Brauns.

__ -^^An die Bürger von Kurhesfen.

Mitbürger! Wir wissen, daß es keiner dringlichen Mah­nung und Aufforderung bedarf, um eure Herzen zu willi­gen, freudigen Opfern zu bewegen, wenn sie das Vaterland fordert. Deshalb erinnern wir euch nur. Ihr Alle habt es ja erfahren, wie ohnmächtig das große Volk der Deut­schen dem Uebermuth schwacher Nachbarn zur See gegen­übersteht, daß das kleine Dänemark unsere Küsten und Hä­fen besetzt hält, unser Eigenthum mit Beschlag belegt, un­sern Seehandel und mit ihm Handel und Gewerbe im gan­zen Binnenlande vernichtet. Darum gilt es rasche Abhülfe. Denn haben wir schon durch die Kriegsschiffe des kleinen Dänemarks so arg, so unwürdig gelitten, um wie vielmehr würden wir in einem allgemeinen Krieg von allen Seiten bloßgestellt sein! Doch der Grund zu einer Deutschen See­macht ist bereits gelegt, es gilt nur, kräftigst auf demselben weiter zu bauen. In allen Landen sind große Sammlun- gen angestellt, die freiwilligen Gaben meist von Haus zu Haus erhoben worden, und das Ergebniß war überall ein befriedigendes, reiches. Darum, Mitbürger, laßt uns nicht die letzten sein, wo es die Deutsche Ehre gilt! Steuert Alle, Alle bei! Wir Unterzeichnete sind hier für diesen Zweck zu einem Comité zusammengetreten, und fordern euch auf, ebenfalls in Stadt und Land, in jeder Gemeinde euren Brüdern die Sache recht warm ans Herz zu legen, Auf­forderungen zu Beiträgen überall zu verbreiten, und Gaben in Empfang zu nehmen. Arm wie Reich muß gleichmäßig die Freude unv Ehre werden, zu Deutschlands Erhebung mitzuwirken; auch die geringste Gabe ist ihres Dankes werth. Den Ertrag eurer Bemühungen werdet ihr uns zusenden, und wir unsererseits werden euch später das Ergebniß un- seres Unternehmens, und die Art der Verwendung öffentlich mittheilen.

Marburg am 7. Juli 1848.

Das Marine-Comitë für Kurhessen:

A. Hundeshagen. Eberhard. Möller. Sybel.

Buchenau. G ö d d a e u s.

Das hier unterzeichnete Comilè war anfangs nur für die Provinz Oherhessen in Wirksamkeit getreten, hat aber, da sich in den meisten übrigen Landestheilen eine gewisse Lauheit für das große Unternehmen zu zeigen schien, am 7. d. beschlossen, seine Thätigkeit auf ganz Kurhesfen aus­zudehnen. Dieses Comite war es auch, welches das in Nr. 46 des Neuen Verf. Freundes abgedruckte Schreiben, sowohl an den Kurfürsten, als auch an die Landgrafen Wil­helm und Georg und den Prinzen Friedrich abgesandt hat. Doch ist von dieser Seile bis jetzt noch Nichts erfolgt, wie