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Seite schwatzen sie auf's Neue von Rechten welche nicht aufgegeben werden dürfen, obgleich sie längst verloren ge­gangen sind, auf der andern Seite wollen sie nunmehr die Nothwendigkeit des Bürgerkrieges beweisen. Wie hat sich das Deutsche Volk solchen Versuchungen gegenüber zu ver­halten? (Wird fortgesetzt.)

Politische Nachrichten.

Deutschland.

Wien, 12. Juli. An ein Zustandekommen des Kabinets vor der Rückkehr des Erzherzogs Johann ist schwerlich zu denken. Die größte Schwierigkeit hat es mit dem Kriegs- Ministerium, für welches man Latour beibehalten möchte, weil er großen Anhang im Heere hat und auf dieses kömmt doch auch etwas an. Inzwischen dauert die Verwirrung der öffentlichen Angelegenheiten fort. Auf der einen Seite die Ränke thörichter Weiber und der Hofschranzen, welche es dahin gebracht haben, daß der Wiener gegen den Kai­ser täglich kälter wird und es für diesen hohe Zeit sein dürfte, heimzukehren; auf der andern Seite dominirender Unverstand. Die Provinzen sind so gut wie Preis gege­ben. Windischgrätz und Radetzky müssen auf eigne Faust handeln. Jener erhält uns Böhmen, dieser Italien. Ueb- rigenö hat Radetzky einen Hauptschlag im Sinne. Er verstärkt sich durch immer neue Regimenter, welche auf ihrem Durchzuge durch Wien dem Philister ein Schauspiel, den Schreiern Ge­legenheit zu Verdächtigungen geben, als solle die Garnison verstärkt und die „Reaction" befördert werben. In den beiden ersten Sitzungen des Reichstages konnte nichts We­sentliches unternommen werden, da sie no$ nicht vollzählig waren. Die erste wurde vom provisorischen Ministerpräsiden- ten Doblhoff eröffnet. Es wurde der provisorische Alters­präsident, 2 Vicepräsidenten und sechs Schriftführer be- zeichnet. Der Alterspräsident Dr. Kudler mußte freilich gewählt werden, da das dem Alter nach zum Vorsitz be­rufene Mitglied diese Stelle „aus ehrenwerthen Gründen" nicht annehmen konnte. Zu Vicepräsidenten wurde Fabrikant Joseph Weiß und ein israelitischer Rabbiner Joseph Mannheimer ernannt, welcher letztere sich durch die Bitten der katho­lisch kn G cistli ch e n zur Annahme bewegen ließ. In der 2. Sitzung wurde das Büreau verkündigt und ein anderweiter, von der Linken aufgestellter Entwurf der Geschäfts-Ord­nung verlesen. Unangenehm siel es auf, daß die äußerste Rechte und ein Theil des Centrums (sämmtlich galizische Bauern) der Schnupftücher entbehrten.

Wien. In der dritten Sitzung der National-Versamm- lung (v. 12.) wurde die provisorische Geschäftsordnung paragraphenweise berathen und angenommen. Auch erfolgte die Wahl der Abtheilungen.

Triest, 9. Juli. Die Wahl des Deutschen Reichs-Ver­wesers ist heute hier mit unendlichem Jubel durch Ka­nonendonner und Deutsche Fahnen auf allen Forts und Schiffen, durch Parade, Hochamt rc. gefeiert worden.

Darmstadt, 9. Juli. Auch unsere Regierung, der man bisher vorwarf, allzu nachsichtig dem gesetzlosen Treiben der

Anarchisten zuzusehen, hat eine Proklamation erlassen, welche den ernstlichen Willen ausspricht, den Gesetzen Ach­tung zu verschaffen, indem sie alle guten Bürger zur Un­terstützung auffordert.

Oldenburg. Auch hier ist die Annahme des Rcichsr verweseramtes durch den Erzherzog Johann von der Be­völkerung mit Festlichkeiten begangen worden.

Hannover. Das hannoversche Volk erklärt sich über das famose Schreiben des Gesammt-Staatsministerii vom 7. Juli wie folgt: Die nachstehende Petition ist am 11. b. in Osnabrück in einer ansehnlichen Versammlung bera­then, beschlossen und gleich mit zahlreichen Unterschriften bedeckt;

„An die constituirende Versammlung zu Frankfurt. Das wiedererwachte Deutsche Volk hat seine Vertreter zur konstituirenden Versammlung zu Frankfurt gewählt, damit diese, gestützt auf den Willen und die Kraft des souveränen Volkes, dem ganzen deutschen Vaterlande eine seiner würdige Verfassung gebe. Mit Jubel begrüßten wir daher den Zusammentritt dieser Versammlung. Dage­gen haben die hier und da leider vorgekommenen Versuche, dem Volke die kaum errungene Souveränetät wieder zu ent­winden , uns aufs Tiefste betrübt und höchlichst entrüstet. Ganz besonders schmerzlich hat es deshalb uns berühren müssen, wenn jetzt die hannoversche Regierung mit Hintan­setzung der langersehnten Einheit Deutschlands lediglich ihre Sonderinteressen hervorhebt und die Souveränetät des Vol­kes bestreitet; wenn sie namentlich in dem Ministerialellaß vom 7. Juli b. J. im Widersprüche mit der bereits durch die Nationalversammlung beschlossenen Aufhebung des Bun­des erklärt, sie habe „Zustimmung dazu gegeben, daß die Verfassung durch eine Vertretung des Volkes am Bunde vervollständigt" werde;. wenn sie ferner die Ansicht aus­spricht, „der gestimmte Zustand Deutschlands lasse die Her­stellung einer solchen Centralregierung nicht zu, welche auch die innern Angelegenheiten des Landes ordnen würde; wenn endlich die hannoversche Negierung sogar durch die Erklä­rung, sie wolle auf die Feststellung der dem Erzherzog I o- hann anzuvertrauenden (richtiger bereits anvertrauten) pro­visorischen Centralgewall annoch einwirken, die Geltung der Beschlüsse der Nationalversammlung in Frage stellt. — Unsere zweite Kammer war engherzig genug, mit Ausnahme sehr weniger Mitglieder, diesen Ministerialerlaß ohne Wi­derrede hinzunehmen. Die erste Kammer hat sogar unter Widerspruch nur eines einzigen Mitgliedes ihre Beistimmung zu dem Erlasse ausdrücklich zu erkennen gegeben. — Wir, die Unterzeichneten, stimmen weder mit unserer Regierung, noch mit der auf dem unhaltbaren Landesverfassungsge- setze von 1840 beruhenden, jetzt vertagten Ständeversamm­lung überein, verwahren uns vielmehr auf das Entschie­denste gegen alle derartige sonderbündlerlsche Bestrebungen. Wir erwarten und verlangen von der Nationalversammlung, daß sie die Souveränetät des Volkes nach allen Seiten aufrecht erhalte und ein einiges Deutsch­land mit einer kräftigen Centralregierung schaffe.

— Das „Tageblatt" faßt ganz einfach die Möglichkeit einer Ausführung der königlichen Drohung ins Auge und