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Hessische Zeitung.

JV5. 49. Dienstag, den 18. Juli. 1818«

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Diepreußische" National-Versammlung und die Deutsche National - Ver­sammlung.

1.

Diepreußische National" -Versammlung zu Berlin hat bekanntlich am 12. d. M. mit einer Majorität von 262 gegen 53 Stimmen den Antrag Johann Jakoby's,die preu­ßische Nationalversammlung möge erklären, 1) daß sie es nicht billige, daß die Deutsche Nationalversammlung in Frankfurt einen unverantwortlichen Reichsverweser ge­wählt habe, 2) daß sie aber vollkommen beftigt war, einen solchen Beschluß ohne Zustinimung der Regierungen zu fas­sen, die preußische Regierung dagegen nicht befugt war, Vorbehalte irgend einer Art zu machen oder gegen die erfolgte Weise irgendwie zu Protestiren," verworfen, und zwar in seinen beiden Theilen verworfen, da die Tren­nung dieser Theile nicht beliebt wurde. Die D e u t sch e Na- tional-Versammlung zu Frankfurt hat am 14. d. M. mit großer Majorität beschlossen, die provisorische Central­regierung möge von der Staats-Regierung des König­reichs Hannover die unumwundene Anerkennung der Cen- tralgewalt und des Gesetzes über die Centralgewalt for­dern. Diese Forderung trifft folgerecht auch die Preu­ßische und Mecklenburgische Regierung, deren Anerkennung der Reichsgewalt ebenfalls keine unumwundene ge­wesen ist, sie trifft zugleich die preußische Versammlung, welche den Vorbehalt ihrer Regierung durch ihre Abstim­mung vorläufig genehmigt hat. Wird die preußische Ver­sammlung der Forderung genügen? oder wird,sie in offe­nen Zwiespalt treten zur Deutschen Reichs - Versammlung und zu der anerkannten und bestehenden Centralgewalt? Ihre eignen Söhne bilden 2/$ des Deutschen Parlaments, und diese haben fast einstimmig sich gegen den Wi­derstand von Hannover erhoben in ihrem eignen Schooße sind die Vorkämpfer der Deutschen Einheit thätig, wird sie es auf einen Kampf ankommen lassen? Wird sie in verblendeter Politik den Bürgerkrieg und die Anarchie her­ausfordern, welche sie ohnedies nur mit Mühe niederhalten kann? Weiß sie nicht, daß vor ihrer eignen Thür mäch­tige und gefährliche Parteien stehen, denen der Bürgerkrieg gerade recht wäre, und zwar der Bürgerkrieg um jeden Preis? Und sieht die preußische Versammlung nicht das

Verbrecherische eines Widerstandes ein, in welchem sie zwar moralisch und physisch unterliegen wird, der aber nur zu unnützem Blutvergießen, zur Schwächung des Reiches und zur Verewigung des heillosesten Revolutionszustandes füh­ren muß?

Wenn ein Ronge oder ein König von Hannover sich gegen die Gesetze des Deutschen Reiches erklären, so kann das Deutsche Volk darüber ruhig zur Tagesordnung über­gehen. Das unauslöschliche Gelächter der aufgerufenen Volksvereine" kann Jenen; die Heiterkeit der National- Versammlung, welche gewiß die Sitzung vom 14. zu ihren un­terhaltendsten zählt, kann diesen leicht unschädlich machen. Der Beschluß gegen denhartnäckigen" alten Mann hat auch nur insofern größere Wichtigkeit, als damit ähnlichen när­rischen Käuzen ein Fingerzeig gegeben ist,daß sie sich nur nicht unterstehen. Aber ernster gestalten sich die Dinge, wenn die aus fast unmittelbaren Volkswahlen her­vorgegangenen Vertreter der tüchtigsten Deutschen Bevölkerun­gen irgend welchen Vorbehalt gegen die Allmacht der höchsten Reichsgewalten genehmigen oder auch nur zu genehmigen scheine n.

Es ist nicht ^das wirkliche Eintreten eines Konflictes, eines ernsten Widerstandes, den wir fürchten. Dieser Wi­derstand wird sicher nicht stattfinden, wir haben gute Gründe, hierüber unbesorgt zu sein und wir 'vollen diese Gründe unten aufzählen. Es ist vielmehr die Erklärung an sich und der dadurch hervorgebrachte Schein, den wir als das größte Unglück beklagen müssen, welches Deutschland in diesem Augenblicke treffen konnte. Von Neuem werden sich die Parteiungen mißtrauisch erheben, unb die gähnende Kluft der Interessen und der Richtungen, die durch einen großen gemeinsamen Gedanken geschlossen war, von Neuem wird sie auseinander gehn. In hundertfältiger Gestalt wird der Versucher heranschleichen. Dem Hannoveraner wird er seinen wohlseil gekauften Zucker, und dem Preußen seinen theuer erkauften Waffenruhm, und dem Oesterreicher seinen alten Kaisermantel vorhalten, und die alten Lokalgeister, welche nur noch in unsern Märchenbüchern hausten, sie werden wieder Fleisch und Bein gewinnen. Inzwischen bleibt die Deutsche Einheit in Frage gestellt, und da­mit d er R ev o l u t i o ns z u stand nicht beendigt. Ihn auszubeuten, werden alle Theile geschäftig sein. Die Ver­suchung ist groß, der Versucher sind Viele. Auf der einen