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den, wie ein hiesiges Blättchen bemerkt, von den Söhnen Wilhelm Tells in Schach gehalten. Nach den neuesten Nachrichten aus Italien haben sich die königl. Truppen in Kalabrien rum größten Theile aufgelöst; die Kalabresen haben den General Nunziante vom Meere abgcschniiten und hoffen, ihn gefangen zu nehmen. Nach der Schweiz sind neue Werber gesandt, wenn aber auch die Ehre jener Republik ihre Bürger nicht zurückhält, so werden cs die leeren Kassen in Neapel thun, denn kein Geld, keine Schweizer!

Frankreich.

Paris, 8. Juli. In den Bureaux der Nationalver­sammlung wird die Diskussion über den Verfassungs­entwurf fortgesetzt. Das Zweikammersystem findet viele Anhänger. Wie Thiers, hat sich auch O. Barrot da­für^ erklärt. Was die Sitzungsdauer der Nationalver­sammlung betrifft, so entschied man sich im Allgemeinen für drei Jahr. In der gestrigen Sitzung der National­versammlung übergab General Oudinot einen Dekretent­wurf, nach welchem die Effcktivbeständr der unter den Mau­ern von Paris versammelten Truppen auf mindestens 50,000 Mann gebracht und auf allen Punkten des Ge­biets die etwa nöthigen allgemeinen Vcrtheidigungsmaß- regeln getroffen werden sollen. Ein Mitglied brachte die Suspension mehrerer Zeitungen zur Sprache und fragte, ob die vollziehende Gewalt noch länger einen Zu­stand ter Dinge aufrecht zu halten beabsichtige, welcher die Industrie einer großen Anzahl Bürger tödte? Cavaignac: „Ich trage kein Bedenken, die bezüglich der gegen gewisse Zeitungen ergriffenenen Maßregeln mir abverlangten Er­läuterungen zu geben. Ich erkläre demnach, in so weit es mich angeht: Ich fühle mich bei meinen guten Absichten so stark und durch die öffentliche Meinung so kräftig unter­stützt, daß ich im Wahren zu sein glaube, wenn ich sage, daß dieser Zustand der Dinge (die Suspension gewisser Zeitungen) noch lange beibehalten werden muß. Für die guten Bürger ist dessen Fortbestehen nicht nachtheilig und ich brauche wohl nicht erst zu versichern, daß die Re­gierung so viel als möglich die Dauer desselben abkürzen wird." Herr Babaud - Laribière brachte die Kaution der Zeitungen zur Sprache. Der heutige „Mo­niteur" enthalte einen Artikel, welcher die Zeitungseigen­thümer auffordere, dem Gesetze von 1831 nachzukommen, wel-- ches sie zur vorgängigen Kautionshinterlegung verpflichtete. General Cavaignac erklärte, daß er und mit ihm der Mi­nister , in Erwägung der dringenden Anforderungen der Lage und besonders wegen der Ausnahmstellung der Dc- partementalpresse, welche jetzt Lehren und Anklagen vor­bringen könne, deren Wiederholung die Pariser Presse nicht tragen würvc, es für gut und nützlich erachtet hätten, die früher in Kraft gewesene Gesetzgebung wieder Herz «stel­len. Gerade in diesem Augenblicke ein besonderes Gesetz über die Cautionsleistung der Zeitungen zu geben, halte er nicht für thunlich. Er habe sich die Ungelegensten einer Herstellung der Zeitungskautionen nicht verhehlt, da er im Voraus über eine Frage zu richten scheine, über die er gar

keine Meinung habe; die Regierung dürfe aber nicht ent­waffnet bleiben, und ihn habe bedünkt, daß nach Abschaf­fung der Sepie mb er gesetzt durch die provisorische Re­gierung die durch sie ersetzten früheren Gesetze de facto wieder in Kraft getreten seien. Er wiederhole, daß die Regierung nicht im Voraus über die Frage abzuurtheilen sich anmaße und daß sie, indem sie die Vorschriften bezüg­lich der Cautionen wieder in Kraft setze, bloß einer der Nothwendigkeiten der gegenwärtigen Lage gehorche, in Ab­wartung des Augenblickes, wo die Versammlung ein beson­deres Gesetz über den Gegenstand werde votiren können. Die Versammlung schien durch diese Erläuterungen befrie­digt und schritt zur Fortsetzung der Berathung des Gesetz­entwurfes, bezüglich der Elementarlehrer, dessen erster Para­graph nach einigen Erörterungen angenommen wurde. Die Be­rathung des für dringlich erklärten Gesetzentwurfes bezüglich der Sparkassen begann hierauf und die Artikel, so wie das Ganze wurden nach einigen Debatten in Folge der Erläuterungen des Finanzministers angenommen. Dasselbe geschah nach langen und verwirrten Debatten mit dem Gesetzentwürfe bezüglich der Schatzbons, der dahin abgeändert ward, daß die Rückzahlung nicht in öprocentigen, sondern in 3proc. Renten zum Course von 55 Statt finden soll.

Amerika.

Southampton, 3. Juli. Am 2. Juli, gegen Mitter­nacht, ist der „Hermann" auf der Rhede von Cowes angekommen. Er hat seine Reise von Newyork, das er am 20. d. M verließ, in nur 11 Tagen und 20 S t'u nden zurückgelegt — eine der sch n e ll ft en Reisen, welche bis jetzt überhaupt gemacht wurden. Er bringt 66 Passagiere, 300,000 Dollars und eine beträchtliche Ladung, für Bre­men. Der Handel ist still in Amerika; Jeder sucht feine Geschäfte einzuschränken. Herr Bagshaw, Senator für Ala­bama, ist zum Gesandten in St. Petersburg ernannt. Die Vereinigten Staaten haben einen Vertrag mit Neu- Granada abgeschlossen, wodurch ihnen der Ue Hergang über den Isthmus von Panama von einem Ocean zum andern gesichert ist. Am 17. Juni wurden die Anerbie­tungen für die Staatsanleihe eröffnet. Sie beliefen sich auf 33,333,195 Dollars, während der Staat nur 17 Mil­lionen braucht. Die verlangte Prämie beträgt durchschnitt­lich 3,30 pCt. Die Herren Corcoran und Riggs haben 11 Millionen zu 3,02 pCt. angeboten, wie es heißt, haupt­sächlich für englische Rechnung. — Das Heer zieht sich von Meriko zurück. Das schwere Geschütz und die Frei­willigen sind bereits aus der Hauptstadt abgezogen. Man fürchtet, daß nach dem Abgang der Amerikaner ein allge­meiner Judianeraufstand ausbrechen könne. Die Nachrichten aus Ducatan lauten sehr trübe. Die Indianer wüthen ärger als je gegen die Weißen. Viele amerikanische Sol­daten wollen, da der mexikanische Krieg beendet ist, den Aucatesen zu Hülfe kommen. — In Martinique soll die Gâhrung unter den Schwarzen noch immer fortdauern. Alle Geschäfte stehn dort still und die im Hafen liegenden Schiffe können ihre Ladungen nicht verkaufen.

Verantwortlicher Herausgeber: Fr. Oetker.—Redaktion: Fr. Oetker und A. Pfaff. - Druck und Verlag von Th. Fischer in Gaffel