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ben aber wir ihm mit zum Gruße an sie? — Die Peti­tion gegen die Glaubensfreiheit! einen Absage­brief gegen alle unsere Brüder, die nicht unseres Glaubens sind. Diese Bittschrift um Aufhebung der Toleranz in Tyrol, welche 200,000 Unterschriften haben soll, wird von Geistlichen von Haus zu Haus getragen; die Abhängigkeit aller Stände von den Priestern läßt erwarten, daß Nie­mand sich ausschließt. In Jnsbruck lassen sich diese geist­lichen Colporteurs von Nationalgarden begleiten und mei­nen, es müsse bald Bürgerblut fließen, wenn nicht Alles sich für die Religion erkläre. Die Jnsbrucker Zeitung tritt mit Freimuth diesem Treiben entgegen, Graf Brandis aber, der auf Befehl der Minister alles Aufregende zu entfernen und niederzuhalten hat, ist durchaus streng katholisch gesinnt. Diese Verhältnisse nehmen eine drohende Gestalt an, über welche man den Kaiser zu täuschen sucht.

Triest. Am 3. Juli näherte sich eine Venetianische Flo- tille dem Porto Rose bei Pirano. Der Angriff galt einer beim Konvent S. Bernardino aufgepflanzten Batterie. Die Deutschen hatten nur 3 Geschütze zu ihrer Verfügung; Diese waren aber so vortrefflich bedient, daß sie dem Feinde die Lust zur Landung benahmen. Nach einer 2stündi- gen, hartnäckigen Kanonade mußten sich die feindlichen Schiffe stark beschädigt zurückziehen.

Berlin, 8. Juli. Der Preuß. Staatsanz. enthält eine kön. Verfügung, wornach für die Dauer der Zusammen­ziehung der Landwehr, die Officiere und Mannschaften, welche bereits zu den Fahnen einberufen sind oder noch einberu­fen werden, sammt deren Haushaltsangehörigen, ohne Rück­sicht auf die Klasse, zu welcher die Einberufenen einge­schätzt sind, für die Dauer der Einberufung und auch dann von der Klassensteuer befreit bleiben sollen, wenn die zu­rückbleibenden Familien ein eigenes Gewerbe oder Land­wirthschaft treiben.

Darmstadt, 11. Juli. — Von allen Enden Deutsch­lands laufen Berichte ein über den Jubel, mit welchem die Erwählung des Erzherzogs Johann zum Reichsverweser angenommen worden. In den allgemeinen Freudenbezei­gungen über den hochwichtigen Moment nicht zurückbleibend, haben sich auch die Bewohner Darmstadts zu einer Fest­feier vereinigt, welche heute Nachmittag um 4 Uhr statt­findet. Sie besteht aus einem großen Festzuge mit Deutsche» Fahnen, an welchem der Reihe nach Veteranen, Turner, Ge­sangvereine, Bürgerwehr, Militär, Schulen, Stadtvorstand, Geistlichkeit, Landstände, Militär - und Civilbeamte, Zünfte rc., theilnehmen, und der sich auf dem Erereierplatz zu einer feierlichen Versammlung mit Gottesdienst und Absingung passender Lieder constituiren wird.

Kassel. Der demokratische Klubb zu Berlin hat be­schlossen, in Volks-Versammlungen dahin zu wirken, daß das Volk eine entschiedene, bestimmte politische d. h. die social-republikanische Richtung annehme. Der demokratische Klubb in Kassel ist freilich anderer Meinung; er will alle politischen Principienfragen in Volksversammlungen vermie- den wissen; ganz entgegen den sonstigen offen ausgesproche­nen s. g. demokratischen Bestrebungen, ganz entgegen seinem eigenen Programme, wonach er die „sociale" Republik zur

Geltung zu bringen strebt,''ein Zweck, wozu ihm doch die Volks-Versammlungen die schönste Gelegenheit geben. Ein solcher Widerspruch könnte verwunderlich erscheinen, demje­nigen doppelt verwunderlich, welcher es nun seit Wochen und Monden mit angesehen und mit angehört hat, wie diese „Demokraten" fast jede Volks-Versammlung dazu be­nutzt haben, um auf Principien herumzureiten. Kein Ge­genstand war so unschuldig, daß er nicht auf die erschreck­lich gemißbrauchten Schlag- und Stichworte „Volkssouve- ränelät" „demokratisch" „volksthümlich" „Reaction" rc. zu­rückgeführt worden wäre. Nun läßt sich freilich jeder Ge­genstand auf Principien zurückführen und während es auf der einen Seite lächerlich erscheint, mit diesen Principien einen überflüssigen Prunk zu treiben, ist es anderer Seits geradezu unsinnig, die Verhandlung eines wichtigen Gegen­standes ohne Principienstreit zu verlangen. Gerade darin liegt die Bedeutung und der Zweck einer Volks-Ver­sammlung, daß sich die Parteien messen, und der Wille der Majorität erforscht und ausgesprochen wird. Das sollten doch selbst die Schulknaben begreifen, zumal wenn sie „demokratische" Gefühle im rothbebänderten Busen tragen. Die Sache läßt sich übrigens sehr einfach erklären, in Berlin wollen die Demokraten Principienstreit, weil sie die Volks - Versammlung dort in der Tasche zu haben glauben; in Kassel ist das nicht der Fall, deshalb wollen sie in Kassel keinen Principienstreit, am wenigsten dann, wenn es sich um eine so faule Sache handelt, als die Ronge-Metternich-Bayrhoffer'sche war. — Wenn uns irgend ein Verstand über die Schwierigkeiten unserer politischen Aufgaben hinwegführen kann, so ist es ganz gewiß nicht der Verstand solcher „Demokraten."

Ungarn

Pesth, 5. Juli. Der ungarische Landtag ist heute durch den Erzherzog Stephan eröffnet worden. Die Thron­rede weist auf die, Ungarn bedrohenden Angriffe in Cro- atien und auf die dadurch hervorgerufene Nothwendigkeit der Versammlung hin, welche für Wiederherstellung des Friedens, für Wahrung der Integrität der Krone und für die Unverletzlichkeit des Gesetzes zu sorgen habe. Die Lan­desvertheidigung und die Finanzen werden der Hauptgegen­stand der Berathung sein. Das aufrührerische Treiben in Kroatien und den untern Donaugegenven wird streng ge­tadelt, den ruhigen Bewohnern des Landes aber des Kai­sers unerschütterlicher Wille mitgetheilt, die Einheit und Unverletzlichkeit der Krone zu wahren. Die Vereinigung Siebenbürgens mit Ungarn soll den Ständen zur Geneh- migung und nähern Feststellung vorgelegt werden. Mit den auswärtigen Mächten außer Italien, mit dem der Friede noch nicht habe hergestellt werden können, bestehe das fried­liche Einvernehmen unverletzt.

Neapel.

Neapel, 1. Juli, Mittags. So eben verkünden die Kanonenschüsse die glücklich gelungene Eröffnung des Par­laments. Die Stadt ist ruhig, denn die 100 Mann Na­tionalgarde, die von den zur Feierlichkeit berufen gewese­nen 1200 Mann erschienen sind, geben der Stadt gerade kein kriegerisches Ansehen und die Söhne Masanielloö wer-