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Neue

Hessische Zeitung.

JVp <& Freitag / den 14. Juli. R848«

Die Neue Hessische Zeitung erscheint täglich, Sonntags mit einem Unterhaltungsblatte, und wird um 11 Uhr Morgens ausgegeben. Der Abonnementspreis beträgt 1 TKlr. S Sgr. für das Quartal, wofür alle kurhessischen Postämter und Buch­handlungen solche ohne Preiserhöhung liefern. Anzeigen jeder Art werden die Petitzeile mit 1 Sgr. berechnet.

Politische Nachrichten.

Deutschland.

Frankfurt, 12. Juli. Unserem gestrigen Berichte haben wir noch die Worte nachzutragen, welche der Prä­sident der National-Versammlung beim Empfange des Reichs- Verwesers an diesen richtete, so wie die Antwort desselben darauf. Im Balkonzimmer des Hotel de Russie sand der Empfang von Seiten der National-Versammlung Statt und der Präsident derselben redete den Erzherzog mit fol­genden Worten an:Durchlauchtigster Erzherzog Reichs- Verweser! Die National-Versammlung hat mich beauftragt, in ihrem Namen an der Spitze dieser Deputation Ew. k. Hoheit bei Ihrer Ankunft feierlichst zu begrüßen. Dem allgemeinen Dankgefühl darf ich Worre leihen, das sich kundgegeben in dem in so erwünschter Weise schnell ge­faßten Entschluß: die provisorische Centralgewalt über Deutsch­land, die Ew. k. Hoheit gesetzlich übertragen worden ist, sofort übernehmen zu wollen. Ganz Deutschland vereinigt sich in diesem Dankgefühl und sieht in der hochherzigen Entschließung Ew. f. Hoheit, der die Ausführung unmittel­bar folgt, die Bürgschaft einer glücklicheren, einer glorrei­chen Zukunft. Wir dürfen voraussetzen, daß es in der Absicht Ew. kais. Hoheit liegt, in der National-Versamm­lung zu erscheinen, um dort mittelst feierlichen Akts die hohe Würde eines Reichsverwesers förmlich anzutreten. Es liegt mit in dem Zwecke unserer Sendung, daß wir Ew. kaiserl. Hoheit Wünsche in dieser Hinsicht ehrerbietigst ent- gegennehmen." Der Reichsverweser erwiederte hierauf: Ich danke Ihnen, meine Herren, für den Empfang. Als ich die Nachricht von der Wahl des Deutschen Volkes bekam, war ich erstaunt, daß mein großes Vaterland, das große Deutschland in meinen alten Tagen au mich einfachen Mann gedacht hatte. Es gibt Anfor­derungen an den Menschen , bei welchen er nicht schwanken darf, in welchen Lagen und was immer für Verhältnissen er sich befinden mag. Wenn das Vater­land ruft, ist es Pflicht, seine letzte Kraft, seine letzten Jahre demselben zu weihen. Dies hat mich bewogen, Ih­ren Ruf anzunehmen, um mit Ihnen das große heilige Werk zu vollenden. Da habt Ihr mich, ich gehöre zu Euch." Ein dreifaches Hoch, welches auf der Straße ver­nommen wurde und in welches die Menge einstimmte, folgte

diesen Worten. Beim Heraustritt auf den Balkon richtete er Worte des Grußes und der Verheißung an die dicht ge­drängte Menge, die von einem unermeßlichen Jubel beglei­tet waren. Abends 10 Uhr wurde dem Erzherzog-Reichs­verweser ein glänzender Fackelzug mit Musikkorpsbegleitung und Gesang gebracht. Lebehochs erschallten durch den langen, langen Zug und auf eine an den, auf dem Balkon des Hotels sich befindenden, Erzherzog gehaltene kurze Anrede drückte derselbe seinen Dank für die ihm geschenkte Aufmerksamkeit aus. Um 11 Uhr endete die Feierlichkeit des ersten Tages. Heute, wo vor 42 Jahren durch die Schließung des Rhein­bundes das Reich faktisch aufgelöst war, fand die feier­liche Einführung des Reichsverwesers in die National-Versammlung Statt. Die überaus zahl­reich versammelten Zuschauer wurden zuvor durch den Be­richt des Abgeordneten Heckscher über die Reise der Depu­tation nach Wien und die ihr erwiesenen Ehrenbezeugungen angenehm unterhalten. In seiner fließenden und gewandten Darstellung verweilte der Redner einige Augenblicke bei der schon mitgetheilten Antwort des Reichsverwesers auf die von Heckscher an ihn gehaltene, von der Deputation berathene Anrede, welche in Gegenwart der Minister, des Hofstaates und des dipl. Corps zu Wien erfolgten. In der Erwähnung des Bei­falls der Regierung findet der Redner das feine Taktgefühl des Erzherzogs, von welchem geleitet er in seiner schwieri­gen Stellung, umgeben von allen Gesandten der Deutschen Staaten, glaubte ein versöhnendes, vermittelndes Wort spre­chen zu müssen. Wir übergehen die Erwähnung der Fest­lichkeiten, der schönen Frauen und Jungfrauen sowie der wohlbesetzten Tafeln, die, wie sie dem Ernste des Bildes Heiterkeit verlieh, auch oft Heiterkeit erregte. Von einem Besuche der Aula durch Heckscher nnd Raveaur am 6. glaubt der Redner versichern zu können, daß der Eindruck der gehaltenen Reden ein überaus günstiger ge­wesen sei. Die Rückreise sei dann noch erhebender gewesen als die Heimreise. Feierlicher Empfang von Seiten der preußischen Behörden an der preußischen Gränze, in B reis- lau, bis zum Einzuge in Sachsen. Der König, welcher dem Reichsverweser entgegengefahren, bewirthet den hohen Gast an seiner Tafel, die Deputation speist an einer Tafel mit den Ministern. In Leipzig wurde dem Zuge ein äußerst ehrenvoller und glänzender Empfang zu Theil und wahrhaft volksthümliche Worte sprach der Abgeordnete S ch l l-