Beilage zu Nr. aa der Neuen Hessischen Zeitung.
Mahnung an die Abgeordneten der Linken in der National-Bersammlttttg zu
Frankfurt.
Kein Gemeinwesen, es möge Einer dasselbe leiten, oder durch Mehrere die Regierung besorgt werden, der oder die Lenker mögen für ihre Religionshandlungen verantwortlich sein oder nicht, kann ohne Gesetz, Ordnung und Gehorsam, noch weniger ohne einträchtiges, redliches und uneigennütziges Zusammenwirken seiner Glieder bestehen. Ein Abgeordneter des Volkes, welcher in Wahrheit das Glück, die Macht und Wohlfahrt desselben begründen und erhalten will, muß vor allen Dingen hartnäckigen Parteibestrebungen entsagen, seine Ansichten und Meinungen, denen der größern Mehrheit der Redlichen und Gutgesinnten unterordnen. Daß die Mehrheit aus solchen Männern besteht, wird von dem deutschen Volke nicht bezweifelt! Kei- ner darf die Mehrheit verdächtigen oder gar des Verraths am Volke bezüchtigen, weil sie seine Meinung nicht gebilligt hat. Derjenige erscheint mehr ein Feind und Verrä- ther des Volkes, welcher unausführbare, oder in der Ausführung schädliche Ideen, welche nur in der Brust des Einzelnen oder einiger Wenigen ruhen, dem Volke als Grundegsetze seines staatlichen Lebens aufnöthigen will. Die Ideen der äußersten Linken für eine f. g. Republik werden in der ungeheuren Mehrheit des deutschen Volkes niemals Anklang finden. Beweis für diesen Ausspruch sind der unverkennbare Jubel über die Centralvcrfassung und Wahl des Reichsverwesers, so wie die eingehenden Dankadressen an die National-Versammlung und die Aussprüche der Bürgervereine. Die Herren mögen Umschau halten wo sie trollen. Sie werden dann sich überzeugen, daß sie das Gute nur aufhalten oder Deutschland um seine schön erwachten Hoffnungen betrügen. Das Volk verlangt Sicherstellung der Einheit, Eintracht, Freiheit, Rechtspflege, der Möglichkeit sich geistig und sittlich, in Künsten, Gewerben, Landbau und Arbeit frei zu entwickeln. Dieses alles kann und wird ihm nur die wohlgegliederte, verfassungsmäßige, redlich zu vollziehende und männlich, treu und kräftig zu unterstützende Gesammtmonarchie gewähren, wie sie uns in dem Entwürfe des Ausschusses unserer Nationalversammlung dargeboten wird. Wollen die Männer der Linken durch Eindrängen fremdartiger, feindseliger Elemente das harmonische Ganze zerstören? Fern möge dieser Gedanke von ihnen sein! Durch redliche, unermüdliche Beiwacht können sie unendlich Viel gutes bewirken und manchen Mißgriff und Irrthum verhüten. Das ist der schönste und wahre Beruf der Opposition! Welche Früchte uns die Heckersche Irrenhaus-Republik, so wie die der Demokraten-Vereine eines Bayerhoffer, Metternich und Ronge bringen würden, liegt klar ans der Hand. Das Wort „Volks-Souveränetät" ist eine abstracto, noch wenig bekannte und klar entwickelte Idee, welche niemals in voller Wirksamkeit bei einem großen Volke ausführbar ist, niemals Segen gebracht hat, noch bringen wird. Ein großes Volk kann nie
mals in Masse, sondern nur durch seine gewählten Beamten und Abgeordneten regieren oder berathen, wenn gute Gesetze gegeben und vollzogen werden sollen, wenn das Gemeinwesen sicher und gut bestehen soll. Wenn Viele oder Alle zugleich herrschen wollen, ist der Anarchie das Thor geöffnet und dem allgemeinen Wohl der Untergang bereitet. Die volksthümlich gebildete Einherrschaft schließt den verderblichen Ehrgeiz herrsch- süchtiger Abentheurer und Phantasten aus und gewährt dem Gemeinwesen Bestand und Gedeihen, den Einzelnen aber die beste Sicherheit der Person und des Eigenthums. Billigkeit, Eintracht, Freiheit, Gerechtigkeit, Gehorsam gegen die Gesetze, Macht nach Außen und Innen, Ordnung, Verdienst und zeitliche Wohlfahrt finden in ihr die willigste Anerkennung. Ihr Männer der Linken, lenkt ein, da es noch Zeit ist! Noch ist die Mehrheit stark genug, zu erklären: „Der Reichsverweser möge sorgen, daß das gute Deutschland nicht in Gefahr komme, von der Anarchie zerrissen zu werden!" Noch ist das deutsche Volk bereitwillig genug, in ehrfurchtgebietender Mehrheit dem Rufe des erwählten Oberhaupts zur Kräftigung der Ordnung und des innern Friedens zu folgen und wenn es gilt, dafür zu sümpfen! Es wird uns an Männern,, wie Windischgrätz, zu Führern nicht fehlen! Laßt es Eure Sorge sein, daß in Deutschland keine Kämpfe vorfallen wie in Paris, die nur unsere Ehre brandmarken würden; zeigt, daß Ihr höher steht, als daß ein Bayrhoffer, Metternich und Ronge es wagen dürften, sich für Eure Organe zu halten. So gewiß ich den Geist des deutschen Volkes, seine Redlichkeit und Treue und seine Besonnenheit kenne, wie er sich in zahlreichen Dankadressen an die Nationalversammlung aussprechen wird, so gewiß wird der Wahnsinnigen Aufruf an die Wähler die gebührende Verachtung finden! Eher werden Sie Euch das Mandat entziehen, das Ihr überschreitet. Ich weiß es zuversichtlich, daß alle deutschen Männer, die ihr Vaterland wahrhaft lieben und sich selbst achten, die Handlungen der Mehrheit billigen. Schaut Euch nur aus- merkfam um, so werdet Ihr sehen, wie einsam Ihr steht und daß Ihr nur da Anklang findet, wo französische Nachbarschaft und Nachäfferei die rechte Treue und den klaren, biedern Sinn unseres herrlichen Volkes von seinem Standpunkt verrückt hat. — Laßt uns stark sein durch Eintracht !
Alle wohlgesinnten Redactionen viel gelesener deutscher Tagesblätter werden gebeten, diesem Artikel durch baldige Aufnahme darin allgemeine Verbreitung zu verschaffen.
Aus Kurhessen. St. G.
Pins - Vereine.
In der Beilage zur No. 37 dieser Zeitung ist unter obiger Aufschrift, und datirt „Wabern, am 2. Juli", eine Beurtheilung des in Fritzlar, wie seither in vielen andern Städten, kaum entstandenen „Pius - Vereines" enthalten, worin diesem Vereine Bestrebungen angedichtet werden, welche