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Konsul hatte nach Eingang der ersten Nachrichten in Bu­karest mit einem unverzüglichen Einmarsch der Russen ge­droht. Allein auf die Vorstellungen des Fürsten und der Bojaren wurde, wie es heißt, noch eine Anfrage an den Kaiser Nikolaus in Petersburg gemacht.

Nachdem der Hospodar der Walachei, Fürst Bibesko, sich nach Kronstadt hat flüchten müssen, und der kais. russische General Duhamel, der den Einmarsch der Russen in die Für- stenthümer betrieb, gleichfalls in Kronstadt eingetroffen ist, auch die Bojaren in der Walachei Widerstand leisten wol­len, wimmelt es an der Gränze von vornehmen Flüchtlin­gen aus Bucharest. Der größte Theil der Bojareu, der sich compromittirt fühlt, verließ, sobald die Flucht des Für­sten Bibesko bekannt wurde, aus Furcht vor den Russen Bucharest. Der Minister des Aeußern, Villara, traf in Mchadia ein. Der Minister des Innern ist in Orsova.

Frankreich.

Paris, 6. Juli. In der Sitzung der National-Vcr- sammlung vom 5. schritt man zur Berathung des Dekrets wegen der mit der Bank von Frankreich abgeschlossenen Anleihe von 1 5 0 M il li o n e n. Art. 1, welcher den Schatz ermächtigt, unter den im angehängten Kontrakte ver­einbarten Bedingungen 150 Mill. von der Bank zu borgen, wird ohne Debatte angenommen. Die Bestimmung des Art. 2, daß der Bank, außer 75 Mill. Renten, als wei­tere Bürgschaft große Staatswaldungen im Werthe von 75 Mill., mit Verkaufsbefugniß im Falle der Nichtrückzah­lung des Darlehns, als Unterpfand zugewiesen werden sollten, veranlaßten einige Einwendung. Duclerc erläuterte, daß man, wenn ein Verkauf der Waldungen nicht gewünscht werde, bis zur Verfallszeit leicht eine neue Anleihe ab­schließen könne, um der Bank ihren Vorschuß zurückzuzahlen. Der Finanzminister erklärte, daß er die Verantwort­lichkeit für die Maßregel übernehme. Dadurch, daß man die Bank zum Verkaufe der ihr verpfändeten Forsten ermächtige, hindere man die Böswilligkeit, zu behaupten, daß die Bankbillets bloßes Papiergeld seien; sie würden vielmehr auch ferner, wie bisher, auf den solidesten und am leichtesten verkäuflichen Pfändern beruhen. Herr Duclerc rieth zur sofortigen Genehmigung des Dekretent- wurfs, weil man sonst die Regierung in große Verlegen­heit bringen und gewissermaßen den Bankerott aussprechen würde. Trotz der Einwendung Favres und Dillon's wur­den zuerst die noch übrigen Artikel und sodann das Ganze des Dekretentwurfs angenommen. Die Versammlung be­rieth sodann über das Dekret, welches dem Handels- und Ackcrbauminister einen Credit von 3 Mill. eröffnet, welche darlehnsweise unter die freiwillig zwischen Arbeit­gebern und Arbeitern oder zwischen Unterneh­mern und Arbeitern gebildeten Associationen ver­theilt werden sollen. Nach einigen Erörterungen wurden erst die Artikel und sodann das Ganze des Dekretemwurfs genehmigt. Die Berathung des Dekrets bezüglich des Primärunterrichts war an der Reihe. Hr. Bonjean fragte, ob der Unterrichtsminister zur Veröffentlichung fluch­

würdiger Broschüren, die unter seinem Schutze verkauft wür­den, ermächtigt habe und ob er die Verantwortlichkeit für deren Inhalt übernehme? Er verlas zugleich auS einer Flugschrift über Organisation der Arbeit, Ehescheidung, Eigenthum, Arme und Reiche rc. mehrere Stellen, die offen­bar Umsturzabsichten bekundeten. Hr. Carnot, der Unter­richtsminister, beklagte sehr, daß so wenig eigentliche Ver­treter des Landvolkes, wozu er besonders die Landschullehrer rechnet, in der Versammlung seien, und erklärte dann be­züglich der angefochtenen Schriften, daß er dieselben nicht für Kinder, sondern für die Wähler habe verfassen lassen und daß man denselben mit Unrecht Umsturztendenzen bei- Messe. Hr. Bonjean beantragte, daß die vom Minister für die Elemeukarlehrer begehrte Million um 5000 Fr. verkürzt werde und daß die Majorität durch Annahme dieses Amendements einen förmlichen Tadel des Unterrichrs- ministers aussprechen solle, der die angedeuteteten Umsturz­tendenzen nicht so, wie ihm obliege, gemißbilligt habe. Das Amendement wurde mit 314 gegen 303 Stimmen geneh­migt und somit der beantragte Tadel über den Minister verhängt, welcher deshalb bekanntlich seine Entlassung ge­nommen hat.

Paris, 7. Juli. Der gestrige Trauertag ist in der größten Ordnung und Ruhe vorübergegangen. Die Leichen­feierlichkeit selbst war schon Mittags um 12 Uhr zu Ende. Achthundert Sänger führten die Choräle des Got­tesdienstes ohne Musikbegleitung aus, 200 Tambours schlugen in den Zwischenräumen die gedampften Trauer- wirbel. Der Präsident der Vollzichungsgewalt, General Cavaignac, und der Präsident der Nationalversammlung, Hr. Marie, präsidirten der Feierlichkeit. Die Boulevards waren gedrängt voll von Menschen, die den Zug erwarteten und die Aenderung des Programms noch nicht kannten ihre Erwartung wurde getäuscht. Verschiedene Gerüchte cirkulirten über die Ursachen dieser plötzlichen Abänderung, die Einen behaupteten, eine Höllenmaschine, wie die Fies- chi's, die den Tod in die Reihen der Nationalversammlung hätte tragen sollen, sei vorgestern Abend von der Polizei in einem Hause der Boulevards entdeckt worden, nach An­dern wäre ein Komplott entdeckt worden, um während des Zuges den General Cavaignac und die Minister zu er­morden. Man kann wohl mit Bestimmtheit annehmen, daß alle diese Gerüchte nur von der Furcht eingegeben oder geradezu erfunden sind, und General Cavaignac aus dem einzigen Grunde den Zug abändern ließ, um den Bewoh­nern der Vorstadt St. Antoine das bittere Schauspiel ei­nes so traurigen Triumphzuges zu ersparen. Die Geist­lichkeit nahm an der Feier in einer Zahl und mit einem Aufwand von äußerer Repräsentation Theil , wie man das unter Louis Philipp nicht hätte wagen dürfen. Das Lei- chenbegängniß des Erzbischofs ^findet heute Statt. Emil von Girardin protestirt heute in einem au die Journale gerichteten Briefe gegen seine ungerechte und ungesetzliche Verhaftung und gegen die Unterdrückung seines Journals.

Verantwortlicher Herausgeber: Fr. Oetker.Redaktion: Fr. Oetker und A. Pfaff. Druck und Verlag von Th. Fischer in Cassel.