Einzelbild herunterladen
 

Neue

Hessische Zeitung.

JH Me Donnerstag, den 13. Juli. iS-18*

Die Neue Hessische Zeitung erscheint täglich, Sonntags mit einem Unterhaltungsblatte, und wird um 11 Uhr Morgens ausgegeben. Der Abonnementsvreis beträgt 1 $Mr. 5 Sgr. für das Quartal, wofür alle kurhessischen Postämter und Buch­handlungen solche ohne Preiserhöhung liefern. Anzeigen jeder Art werden die Petitzeile mit 1 Sgr. berechnet.

Politische Nachrichten.

Deutschland.

Frankfurt, 11. Juli. Abends 7 Uhr. Vor einer Stunde ist der Erzherzog Johann feierlich unter dem Don­ner der Kanonen, dem Läuten der Glocken und der freu­digen Begrüßung der überaus zahlreich versammelten Menge in unsere Stadt eingezogen. Den Zug eröffnete eine Ab­theilung der reitenden Bürgerwehr, hinter welcher unmittel­bar der Wagen des Erzherzogs folgte. Den Platz neben dem Erzherzog nahm v. Andri an ein, ihm gegenüber saß v. Saucken und dem Erzherzoge gegenüber Jucho. Hinter dem Wagen des Erzherzogs folgten die Wagen, in welchen die heute ihm entgegengesendete Deputation saß. Alsdann kam der Bundespräsidialgesandte und in mehreren Wagen die übrigen Bundestagsgesandten und die obersten Be­hörden der Stadt. Der Wagenreihe schlossen sich die seit 7 Uhr heute Morgen ausgestellten Gewerke mit ihren oft sehr schönen Fahnen und Emblemen und die Bürgergarden der Stadt und des Landes so Ivie das Linienmilitair an, welche von dem Allerheiligenthore bis zum Gasthof zum russischen Hofe, wo der Erzherzog abstieg, Spalier gebildet hatten. Der Zug dauerte eine volle Stunde.

Im Gasthofe wurde der Erzherzog von einer Deputation der Nat.-Vers. von 15 Mitgliedern, an deren Spitze der Präsident, empfangen. Die Mitglieder dieser Deput. sind die gestern zum Behufe der Entwerfung eines Programms der Empfangsfeierlichkeiten von Seiten der Nat.-Vers. ge­wählten 15 Kommissionsmitglieder Kirchgeßner, v. L i ch- nowsky, Koch, V. Gagern, v. Rönne, Hermann (aus München), v.Mayern, v.Soiron, Fallati, Bese- ler, Brons, v. Radowitz, Cetto, Mevissen, v. Bally. Diese Commission wird, wie dies heute Morgen in der Nat.-Vers. beschlossen ist, nach feierlicher Begrüßung den Wunsch des Reichsverwesers über seine Einführung in die Nat.-Vers. entgegennehmen. An diesem Tage begiebt sich alsdann eine heute Morgen durch das Loos gewählte De­putation von 50 Mitgliedern, unter welcher die meisten Oestreicher und auch Blum sich befinden, in die Wohnung des Reichsverwesers, um ihn zu Fuß feierlich in die Nat.- Vers. zu begleiten. Der Reichsverweser nimmt hier einen Ehrensitz der Nat.-Vers. gegenüber ein, der Präs, und die beiden Vicepräs. nehmen ihre Plätze an der Spitze der Nat.

Vers. Der Präs. wird alsdann eine entsprechende Anrede an den Reichsverweser richten, das Gesetz über die provi­sorische Centralgewalt nochmals verlesen und den Dank über die angenommene Wahl nochmals aussprechen. Nach geen­deter Feierlichkeit begleitet die Deputation den Reichsverweser wieder in seine Wohnung zurück. Die Linke war mit den zwei weitern Deputationen, außer der dem Reichsver­weser schon entgegengesendeten Deputation nicht zufrieden und Siemon ans Trier meinte, der Reichsverweser möge in der Nat.-Vers. erscheinen, ohne eine ihn abholende Deputation Ueber die Ansprache des Präsidenten verlangte Hartmann eine eigene Diskussion, jedoch wurde nach kurzer H^batte das Programm der Kommission angenommen und dem Prä­sidenten die Wahl der Worte, worin derselbe versprach, dem Prinzip nichts vergeben zu wollen, überlassen.

Vorläufig ist die nächste Sitzung auf Morgen 9 Uhr angesagt.

Vom Balkon Ihres Hotels herab richteten Se. Kaisers. Hoheit an die Volksmenge folgende Worte: Meinen Gruß den Bewohnern Frankfurts! Auf den Ruf der deutschen Nat.-Vers. bin ich hierher gekommen, um mit diesen deut­schen Männern (auf die Deputaten zeigend) für Deutsch­lands Wohl zu handeln und zu wirken. Vereint werden wir zum Ziele kommen. Hoch lebe Deutschland und Frank­furt." Der endlose Jubel der Tausende des Volkes'be­gleitete die kräftig gesprochenen Worte.

Wien, 7. Jicki. Nachträglich bringen wir die Prokla­mation des Erzherzogs Johann an die Oesterreicher:

Die deusche Nationalversammlung in Frankfurt hat mich zum Reichsverweser erwählt und durch ihre Abgeordnete aufgefordert, diesem ehrenvollen Rufe ungesäumt zu folgen.

Oestreicher! Ihr kennt meine unveränderte Gesinnung für un­ser gemeinsames deutsches Vaterland; Ihr kennt meine heißen Wünsche für sein Wohl, seine Macht und Ehre. Diese Wünsche, ich weiß es, stehen mit Euren Gefühlen in vollkommenem Ein­klänge und ich habe eS daher als eine heilige Pflicht erkannt, das Amt zu übernehmen, welches mir Eure Vertreter in Frankfurt und mit ihnen alle Eure deutschen Brüder anvertrauen. Dasselbe wird, gestützt von der Nationalversammlung und befestigt durch das gesummte deutsche Volk, den Gedanken der Einheit Deutschlands zur That gestalten, es wird für die Freiheit und für das Recht des deutschen Volkes, für das Gesetz und die Ordnung in dem ganzen deutschen Gebiete eine neue Gewähr darbieten. Ich glaube daher, die mir von unserm Kaiser für die Zeit seiner Abwesenheit übertragenen Regeutenpflichten nicht zu verletzen, indem ich beide gleichwichtige und innig verbundene Sendungen annehme.