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den Erzherzog Ludwig aus Wien vertrieben und sie wer­den noch manche Personen aus der Umgebung unseres Kö­nigs wegjagen In der Zeitung selbst wird dieWirth­schaft" in Jnspruck mit der beißendsten Satyre verfolgt.

Temesvar, 27. Juni. Weder das Blutbad von Car­lowitz, noch der väterliche Aufruf des Kaisersan seine Granzer" hat auf die insurgirten Massen einen Eindruck gemacht; denn in Pancsova wenigstens erklärte das Volks- komitè, welches bis jetzt noch immer die tiefste Treue für den Kaiser affektirt hatte,daß, nachdem dieser schwäbische Kaiser die serbische Nation an die Ungarn verrathen habe, man ihm keinen Gehorsam mehr leisten, sondern ihn, wie es ihm als Landesverräter gebühre, an dem ersten besten Baume aufhängen wolle, wenn er dem Volke wo immer in die Hände fiele". Hauptmann Loncsarevits vom illyr.-ban. Re- gimente ward, als er eine zum Frieden ermahnende Pro­klamation des Koinmandirenden in Dollova vortragen wollte, von den Gränzern geknebelt und mit offenem, gegen die heiße Mittagssonne gekehrtem Gesichte nach Pancsova ab­geliefert. Alle gut gesinnten Offiziere im Csaikistenbatail- lon, so wie in der Banater Gränze, sind Vertrieben und die Ordnung der Dinge ist vollkommen aufgelöst. Bewaff­nete Banden, und unter diesen eine Masse aus Serbien herübergekommenen Gesindels durchziehen das Land, brand­schatzen und berauben die kbnigl. Salz-, Dreißigst- und Konlumazkassen. Gegen Serbien zu ist der Kordon ganz aufgehoben, und der Verkehr zwischen beiden, sonst so sorg­fältig geschiedenen Donauufem findet frei und ungehindert statt.

Moldau und Wallachei.

Dieschlesische Zeitung" melden Nach den neuesten aus Bukarest und Jassy an das Ministerium des Aeußeren in Wien eingelangten Berichten der k. k. Agenten ist am 22. v. M. in der Wallachei eine Volksbewe­gung ausgebrochen, welcher sich auch der Hospodar, Fürst Bibesko, anschloß und welche die Erlangung größerer Freiheiten unter einer neuen Verfassung und die Befreiung von fremdem Einfluß, jedoch mit Anerkennung der türki­schen Oberherrlichkeit, zum Zweck hatte. Der als außer­ordentlicher Kommissär Rußlands, vermöge des­sen traktatmäßigen Protektorates über die Fürstenthümer, zu Bukarest verweilende General Duhamel verließ hier­auf besagte Stadt und veranlaßte nach dem Bericht aus Jassy vom 26. den Einmarsch der zu Leova am Pruth konzentrirten russischen Truppen, de­ren Stärke auf 25,000 Mann an Kavallerie undJnfanterie angegeben wird, über die mol® dauische Gränze, von welchen Truppenkorps ein Theil in der Moldau zu verbleiben hat und schon an demsel­ben Abend zu Jassy erwartet wurde, der andere aber nach der Wallachei bestimmt ist. Auch der in Jassy befindliche türkische Kommissär, Ta lat Effe ndi, hat alsbald an seine Regierung geschrieben, damit sie den schleunigen Ein­marsch türkischer Truppen in die Fürstenthümer an­ordnen möge.

Schweiz.

Bern, 3. Juli. So eben wurde die ordentliche Tag­

satzung des Jahres 1848 unter Beobachtung des üblichen Ceremonials eröffnet. Die sämmtlichen Standesgesandtschaf­ten, sowie der eidgenössische Kriegsrath und die Kanzleibe­amten versammelten sich in dem Regierungsgebäude auf dem Münsterplatzc und begaben sich sodann, unter Vortritt des Bundespräsidenten, Hr. Funk, in feierlichem Zuge zum Eidschwur in die heil. Geistkirche. Einen eigenen Eindruck machte es auf die Zuschauer, die Bundesakte von 1815 durch einen Kanzleibeamten auf einem rothsammetnen gold- bordirten Kissen vorangetragen zu sehen; sie wurde im eigentlichsten Sinne zu Grabe getragen und der Bundes­präsident hatte vollkommen Recht, wenn er die Gesandten mit den Worten zur Eidesleistung aufforderte:ich lade Sie ein,heute noch einmal"" den Eid auf den Bun­desvertrag zu leisten " Während voriges Jahr die Reprä­sentanten mehrerer großen Mächte die Unzufriedenheit ihrer Höfe mit der Schweiz durch ihr Ausbleiben bei der Er­öffnungsfeierlichkeit zu erkennen gegeben hatten, und zur Zeit des Sonderbundskrieges sogar das Land verließen so waren dagegen heute fast alle Mitglieder des diploma­tischen Korps wieder anwesend. Es waren neinlich vertre­ten Frankreich, Oesterreich, Spanien, England, Sardinien, Neapel, (letzteres durch einen außerordentlichen, mit einer Mission in Betreff der Schweizer Regimenter betrauten Gesandten). Bemerkenswerth ist, daß Seite Preußens Niemand anwesend war, weniger auffallend scheint dagegen das Ausbleiben des russischen Gesandten, da, wie bekannt, Rußland vor nicht langer Zeit der Schweiz die Neutrali­tät so viel als aufgekündet hat. Die Rede des Bundes- Präsidenten war ganz den llmßänbeti angemessen , ernst, würdig und in keiner Weise beleidigend oder provocirend gegen das Ausland. Sie berührte mit einigen Worten die schwere Krisis, welche die Schweiz glücklich überstanden, verbreitete sich sodann einläßlich über die Umgestaltung des Bundes und sprach sich entschieden für die Wahrung des Neutralitätsprincips aus. Nach Beendigung der Feierlich­keit verfügte sich die Tagsatzung sogleich in das Sitzungs- lokal, um ihre Arbeiten zu beginnen. Mittags findet ein großes Festessen Statt, zu welchem außer den sämmtlichen Standesgesandtschaften auch der eidg. Kriegsrath und die Mitglieder des diplomatischen Korps eingeladen sind.

Frankreich.

Paris, 5. Juli. Chateaubriand , der Nestor unserer Literatoren, ist gestern Morgen gegen acht Uhr verschieden. Er war am 4 September 1768 geboren. Auf seinem Sterbebette empfing er noch die Huldigungen unserer Aca­demie , an deren Deputation sich Victor Hugo ange­schloffen hatte. Herr Emile v. Girardi» ist endlich diesen Morgen in Freiheit gesetzt worden. Es lag, wie wir hören, kein Klagepunkt gegen ihn vor, er war nur in Folge des Belagerungszustandes verhaftet worden. Seine ohnehin schwache Gesundheit soll durch die Haft sehr er­schüttert worden sein. Das JournalLa Presse" wird jetzt bald wieder erscheinen.

Verantwortlicher Herausgeber: Fr. Oetker. Redaktion: Fr. Oetker und A. Pfaff. Druck und Verlag von Th. Fischer in Caffel.