Neue
Hessische Zeitung.
â 4:i. Mittwoch, den 12. Juli. 1848.
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Politische Nachrichten.
Deutschland.
Frankfurt, 10. Juli. Wie wir heute Morgen schon mitgetheilt haben, machte der Präsident der Nat. Vers, die Eröffnung, daß der Erzherzog Johann die Wahl als Reichsverweser angenommen habe, bereits a in 8. d. M. von Wien a b g e r c i st sei u n d M 0 r g e n Vormittags hier eint reffen werde. Es ward hierauf das Schreiben der Deputation dd. Wien, 5. Juli, verlesen (dessen Inhalt mit dem in unsrer gestrigen Num- mer aus Wien Mitgetheiltcn übereintrifft). — Die Nachricht, daß der Reichsverweser bereits morgen hier eintreffen werde, rief einen allgemeinen Jubelruf in der Versammlung hervor. Nach einer Mittheilung des österreichischen Gesandten wird der Erzherzog seine Reise über Breslau, Dresden, Eisenach nach hier nehmen. An diese Mittheilungen knüpfte der Präsid. die Aufforderung , von Seiten der Nat. Vers, die Empfangsfeierlichkeiten zu berathen und zu diesem Behufe eine Kommission zu wählen, welche der Nat. Vers, morgen früh 8 Uhr darüber Bericht erstatten soll. — Der Marineausschuß zeigte alsdann an, daß weitere 90 21 fl. zur Gründung einer deutschen Marine eingegangen seien; im Ganzen 16,182 fl. 51 kr. Unter den übrigen Berichten heben wir noch den weiteren des M a r i n e a u s sch u sse s hervor über ein Gesetz, die deutsche Marine betreffend. Die Flagge der Kriegsschiffe führt die deutschen Farben, in der Ecke oben den Reichsadler; die Flagge der Handelsschiffe dieselben Farben ohne den Adler. — Der Centralausschuß berichtet über die Wahl des Advokaten Blöde zu Dresden und beantragt, denselben nicht zuzulassen, welcher Antrag nach sofort zugelassener Diskussion von der Vers. angenommen wird. Die Linke erkannte die formellen Verwerfungsgründe des Ausschusses an, trug aber aus Billigkeitsgründen auf Zulassung an.— Ein Unterstützungsgesuch deutscher Auswanderer in H avre wird auf den Antrag des internatio na- len Ausschusses den Regierungen mitgetheilt. — Die Abgeordneten Dunker und Claussen wünschten alsdann die Dringlichkeit zweier von ihnen wegen des Dän.-Schlesw.- Holst. Waffenstillstandes gestellten Anträge zu begründen. Dunker hatte den Antrag gestellt, der internat. Ausschuß
möge angewiesen werden, sich betreffs der sich häufenden Gerüchte wegen eines Waffenstillstandes Aufschluß zu verschaffen und darüber der Nat. Vers, zu berichten. Claussen mit noch 50 seiner Collegen hatte beantragt, die Nat. Vers, möge beschließen, daß mit Dänemark weder Frieden noch ein Waffenstillstand, der Friedenspräliminarien ent- haèe, anders als durch den Reichsverweser unter Beobachtung des Gesetzes über die Centralgewalt abgeschlossen werden solle. — Die Versammlung gestattete die Nachweisung der Dringlichkeit und sofortiges Eingehn in die Verhandlung über den Gegenstand. An der Debatte, welche nicht ohne Leidenschaftlichkeit geführt wurde, betheiligten sich, für die Antragsteller sprechend, W urm, Vogt, Roß, Eisenmann, Schoder, für motiv. Tagesordnung sprechend, Jordan (Berlin) v. Lichnowsky, v. Vincke, W e r n h er. Der Jordansche Antrag auf Tagesordnung, in Betracht, daß der Nat. Vers, bis jetzt nur unverbürgte Gerüchte und nicht offieielle Zeitungsartikel vorliegen, daß es gesetzlich nur dem Reichsverweser zustehe, im Einver- ständniß mit der Nat. Vers. über Krieg und Frieden zu entscheiden und mit dem ausdrücklichen Vorbehalte, sofort energisch einzuschreiten gegen jeden notorischen Versuch, die Ehre Deutschlands in dieser Sache bloß zu stellen, wurde mit Weglassung dieses Vorbehaltes von der Nat. Vers, angenommen. Eine Aeußerung Vogts, die preußischen Waffen hatten sich durch den Kriegsruhm befleckt, indem sie den dynast. Interessen Dänemarks gedient hätten, rief einen heftigen Sturm heiteren Mißfallens von Seiten der Preußen hervor, der sich erst legte, als der Redner zur Ordnung gerufen war. — Einige Mittheilungen an die Ausschüsse schlossen die Sitzung. Nächste Sitzung, wie gesagt, morgen 8 Uhr zum Behuf der Mittheilung der von der Kommission vorzuschlagenden Empfangsfeierlichkeiten von Seiten der Nat. Vers. — Der Senat hat bereits seinerseits einen festlichen Empfang von Seiten der Bürgerschaft durch Schmücken der Häuser, Illumination ic. angeordnet. —
Die Sachsenhäuser Krawallgeschichte hat bis jetzt keine weiteren Folgen gehabt. Der Senat hat sie als Folge der demokratischen Aufreizung gefaßt und in diesem Sinne ein Schreiben erlassen. Essellen, welcher denselben Abend arretirt wurde, sitzt auf der Constabler Wacht; wie ich so eben höre,