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trauen Ew. kaiserl. Hoheit erkoren hat. Der hohen Zu­sicherung dieser Annahme bleiben wir gewärtig."

Hierauf erwiederten S e. Kaiserliche Hoheit:

Meine Herren! ich fühle mich geschmeichelt und geehrt durch die auf mich gefallene Wahl zu der wichtigen Stelle eines Reichsverwesers, welcher, wie die Bundesversammlung mir ängstigt hat, die deutschen Regierungen ihren Beifall gegeben haben. Das in mich gesetzte Vertrauen, das mir bewiesene Wohlwollen legen mir große Verbindlichkeiten auf. Solche zu erfüllen ist mein sehnlichster Wunsch. Ich fühle im vollen Maaße das Ehrenvolle und zugleich die Wich­tigkeit und Schwierigkeit der mir übertragenen Würde. Möge mir Gott die nöthige Kraft geben, solcher zum Wohle des Deutschen Vaterlandes zu entsprechen. Möge mich hierin die Mitwirkung aller Vaterlandsfreunde gehörig unterstützen! Nur durch Einigkeit, gegenseitige Mäßi­gung , Uneigennützigkeit der Absichten und Liebe zur Gerechtigkeit gelangen wir zu dem erwünschten Ziele: ich, meine Herren, ich bitte davon überzeugt zu sein, bringe keinen andern Ehrgeiz mit, als dem gemeinsamen Vaterlande in meinem vorgerückten Alter meine letzten Kräfte zu weihen. In e in er Verlegenheit befinde ich mich, diese entsteht aus meiner hiesigen Stellung. Sie hindert mich, jetzt schon genau den Zeitpunkt zu bestim­men, wo ich die Reichs-Verwesung werde antreten kön­nen. Ich werde ungesäumt mich mit dem Kaiser, meinem allergnädigsten Herrn, über die Art und Weise verständigen, wie ich die Pflichten meiner neuen Stellung mit dem mir von Ihm geschenkten Vertrauen vereinigen kann." Nach­dem Andrian auf diese Worte im Namen der N.-V. dankend geantwortet hatte, trat der nunmehrige Reichs- Verweser Deutschlands an der Hand der Deputaten, zu denen er noch das gewichtige Wort sagte:Nun find wir alle Brüder", auf den großen Balcon und richtete einige kurze, aber herzgewinnende Worte, in denen er seine ächt deutsche Gesinnung und zugleich seinen Dank für die ihm bewiesene Theilnahme aussprach, an die auf dem Franzens- Platze versammelte Menge. Von den Wällen verkündeten einhundert und ein Kanonenschuß mit weithin hallendem Donner aller Welt die für Deutschland so unermeßlich freudige Kunde. Die Musikchöre ließen das deutsche Lied ertönen, und unwillkührlich sang das viele Tausende zäh­lende Volk auf dem Franzensplatze die erhebende Hymne mit. Während dem empfingen Se. kaiserl. Hoheit die Glückwünsche des diplomatischen Corps, der Minister, der Wiener National-Garde u. s. w. Hierauf trat die Deputation den Rückweg an und wurde auf der ganzen Strecke wieder von taufendstimmigem Jubel begleitet. Von den Fenstern ihrer Wohnung sprachen die Herren Heck­scher und Raveaur. Heckscher sprach zuerst in er­greifender Rede über die große Stunde, die nun für Deutsch­land geschlagen, sprach seinen herzinnigen Dank den Wie­nern für die gastfreundliche Aufnahme, wie nicht minder für so große, auf die unzweideutigste Weise geäußerte deutsche Gesinnungen aus. Ihm folgte Raveaur, der

schon gestern in die Herzen der Wiener hineingesprochen hatte, und wurde mit unzähligen Hoch's und Bravos em­pfangen, oft unterbrochen und entlassen. Namentlich erregte der Anfang seiner Rede die lebhaftesten Acclamationen; er sprach ungefähr folgende Worte:Wir haben nun so oft gesungen:was ist des deutschen Vaterland" und ich hoffe, daß wir heute zum letzten Male so gefragt haben, denn seit der deutsche Johann an der Spitze der Deutschen steht, wissen wir, wo unser Vaterland ist." Alle Depu­taten mußten sich wiederholt am Fenster zeigen; Allen wurden die herzlichsten Lebehochs gebracht, vor Allem dem ersten deutschen Biedermann Johann", wie ihn Hr. Raveaur sehr treffend nannte.

Berlin, 7. Juli. Bekanntlich hatte der besorgte Magistrat beim Kriegsministerium den Antrag gemacht, einige Bataillone Infanterie in die Nähe von Berlin zu bringen. Da die Verlegung auf die Dörfer nicht wohl an­ging , so hat das Kriegsministerium heute die verlangten Truppen, und zwar das 12te Regiment, zur Verstärkung der Garnison, unmittelbar nach Berlin selbst gezogen. Obgleich der größere Tbeil der Einwohner hiermit ganz zufrieden ist, so fehlt es doch nicht an solchen, welche Ver­rath wittern. Aufläufe fanden Statt, man schimpfte und drohte, und es wäre fast zu Excessen gekommen. Der Magistrat sucht sich durch Plakate an den Straßenecken zu entschuldigen. Was bei der Verstärkung der Garnison am meisten verübelt wird, ist der Mangel an Vertrauen, welcher sich darin gegen Bürgerwehr und Landwehr auâ- spricht. Aber, fragen wir, ist dies Mißtrauen nicht durch die Zeughaus - Vorgänge gerechtfertigt ?

Cassel, 10. Juli. Ein so eben herausgegebenes Pla­kat der Ncsivenz-Polizei-Dircktion hebt die neulich erlas­senen Ausnahme-Verfügungen, unter Anerkennung des von allen Klassen der Bevölkerung kräftig und einmütig be­wiesenen Sinnes für Ordnung, noch vor Ablauf der ge­stellten Frist wieder auf.

Paris, 6. Juli. Carnot, der Unterrichtsminister, hat seinen Abschied verlangt und erhalten. Sein Nachfolger ist Van la belle, Mitglied der Nationalversammlung. Auch hat Bastide an Bedeaus Stelle, welcher das Portofeuille ausgeschlagen hat, wieder das Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten übernommen.

Michel Chevalier dringt im Journal des Debats auf die Auflösung aller Klubs, d. h. der geheimen politischen Ver­bindungen; die Nothwendigkeit will er an dem Gegensatze beweisen, welcher zwischen dem amerikanischen und franzö­sischen Bürger eristire. In Nordamerika, sagt er, würde es einem Catilina schwer werden, mit einem Häuflein An­hänger einen sogenannten Staatsstreich â la 15. Mai durch-- zusetzen, denn an der gesetzlichen Brust von hunderttausend Bürgern würde ein solcher Sturm zerschellen. Allein in Paris hält Michel Chevalier ihn selbst noch nach dem Ju­liaufstand für möglich.

Verantwortlicher Herausgeber: Fr. Oetker. Redaktion: Fr. Oetker und A. Pfaff. Druck und Verlag von Th. Fischer in Cassel.