Neue
Hessische Zeitung.
JVS 4^e Dienstag, den 11. Juli. L8-L8«
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Ernst August von Cumberland „droht", die Krone von Hannover niederlegen und
Deutschland verlassen zu wollen
Wenn man die innern Ursachen nicht begreifen kann, welche in diesen Tagen den wüsten Kämpfen gegen Ordnung und Gesittung zu Grunde liegen, dann schwatzt man von Bestechung, von Intriguen rc. Man will es herausgebracht haben, hinter dem wahnsinnigen Blutdurst der rothen Republik stecke Geld. Fremder Potentaten Geld hat jetzt die Pariser Erneute gemacht, für Geld hat der Pöbel in Berlin das Zeughaus gestürmt.
Wir wollen einen Augenblick auf diese Art, die Dinge zu betrachten, eingehen. Wir müssen dann mit derselben Logik behaupten, die „rothe Republik" habe ihrerseits den König von Hannover angestiftet, zu der Erklärung, welche wir unten wörtlich mittheilen, zu der Erklärung, womit er dem Deutschen Reich gleichsam den Fehdehandschuh hinwirft.
Die Herren von der rothen Republik wissen es sehr wohl, daß die Kraft, welche ihnen vernichtend entgegen« tritt, auf der Kraft eines großen und freien Bürgerstaates beruht. Ihr Bestreben muß deßhalb dahin gehen, den verhaßten Bruderbund der Stämme zu sprengen. Der direkte Aufruf dazu ist elendig mißlungen, deßhalb haben sie sich jetzt, wo jede andere Aussicht für ihre Pläne schwindet, jetzt, wo der Revolutionszustand unwiederbringlich aufzuhören und die geordnete Entwickelung zu beginnen droht, jetzt haben sie sich hinter den König von Hannover gesteckt, damit er die Brandfackel in das einige Deutschland werfe. Doch, was ists denn weiter? Er droht ja blos, die Krone niederlegen und das Land verlassen zu wollen. Wird sich Jemand vor dieser Drohung fürchten? Wird sie nicht der neuen Ordnung der Dinge nur zu größerer Empfehlung gereichen? Nein! das hannöversche Volk wird esnicht ertragen können, wenn „Sr. Majestät jede Möglichkeit abgeschnitten würde, das Wohl des Landes zu fördern" und die Freunde und Nutznießer der alten Unordnung werden erhoben und gestärkt werden durch „die große Consequenz und innerste Ueberzeugungstreue Sr. Majestät" wie es Sr. Majestät Minister Stüve so schön ausdrückt, „womit Dieselben Allerhöchst selbst das Ziel zu stecken geruht, über welches hinauszugehen Allerhöchst Sie mit Ihrer fürstlichen Ehre unvereinbar halten."
Betrachten wir einen Augenblick die Art und Weise, wie Se. Majestät von Hannover das Wohl des Landes „Ihrer fürstlichen Ehre gemäß" bisher gefördert haben.
Se. Majestät begannen bekanntlich Allerhöchst Ihre lan- desvâterliche Laufbahn mit der einseitigen Aufhebung der Landes-Verfassung. Durch eine Reihe von Regierungs- Handlungen haben Dieselben alsdann, unterstützt von Ihrem Minister Scheele, das „selbstgesteckte Ziel" zu erreichen gesucht, und als der über die Völker hereinbrechende Sturm auch Scheele und Genossen wie leichte Spreu hinwegblies und Niemand mehr sich fand, welcher diesem „selbstgesteckten Ziele", fürder entgegenzuwandeln sich unterstehn wollte, haben Allerhöchst Sie noch bis zu allerletzt von „Ihrer großen Consequenz" „aus innerster Ueberzeugung" Beweise abgelegt. Se. Majestät von Hannover war, wenn wir nicht sehr irren, die letzte Majestät, welche dem erwachten Volksgeiste freilich sehr geringfügige Koncessionen machte. Ob durch die dadurch so leicht herbeigeführte Catastrophe „das Wohl des Landes gefördert" worden wäre, mag dahin gestellt bleiben. — Wenn wir diese Art „das Wohl des Landes zu fördern, mit der großen Konsequenz und der fürstlichen Ehre," welche hier als besondere Spezies der Ehre in Betracht kommt, zusammenhalten, dann wird uns freilich Attes klar, und wir Protestiren gegen jede Vermuthung fremden Einflusses. Wenn man „selbst die Ziele steckt" wenn man Lande-sVerfassungen" aufhebt, und in diesem Unternehmen an einem hohen Bundestage treuliche Helfer findet, dann muß es allerdings „bei der großen Consequenz Sr. Majestät" keinerlei Befremden erregen, daß Allerhöchstdieselben blos „den Bundestag durch Volksvertreter zu vervollständigen" geruhen wollen, keineSweges aber es „mit Ihrer fürstlichen Ehre vereinbar" finden, den Bundestag, den treuen Helfer in der Noth, mit Allem was daran hängt, gründlich zu beseitigen.
Wir wundern uns über die Erklärung des Königs von Hannover gar nicht. Die Anforderungen unserer Zeit stehen in einem zu großen Gegensatze zu der ganzen Bildung und den Lieblingsplänen dieses „sehr konsequenten" Herrschers, als daß wir nicht längst schon mehr als bloßes Zähneknirschen erwartet hätten. Wir werden aber auch diese Allergnadigste Erklärung als an unv für sich unerheblich auf sich beruhen lassen und unsern Blick nunmehr nach den Kammern wenden. Vom Hannöverschen Volke,