Reue
Hessische Zeitung.
J\o U • Montag, den 10. Juli. 18-18*
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Politische Nachrichten.
Deutschland.
Frankfurt, 7. Juli. Den nachfolgenden Brief der nach Wien entsendeten Deputation der Nationalversammlung d. d. Linz, den 4. Juli, Morgens halb 7 Uhr, hat der unterzeichnete Präsident heute nach Schluß der Sitzung erhalten. Er will mit der Veröffentlichung, bei dem lebhaften Interesse, welches das gesammte Publikum an der Sache nimmt, nicht bis zur Montagssitzung warten. Der Präsident der Nationalversammlung. H. Gagern.
91 n den Präsidenten der N a t i o n a l v e r f a m m - lung zu Frankfurt. „Herr Präsident! Wenn wir seit vorgestern schwiegen, so lag der Grund unseres Schweigens lediglich in der Ueberfülle von Jubel, der uns überall umgibt, und der uns zum Berichterstatten die Zeit nicht finden läßt. Wie in Franken, so beurkundete das Volk in Baiern und in Oberösterreich durch die Ehren, die es uns erwies, durch den festlichen, ja rührenden Empfang, den es uns allerwärts bereitete, seine Freude über die Wahl der Nationalversammlung. Das Gefühl, als sei das Volk, als sei das deutsche Vaterland jetzt einer großen Gefahr enthoben, sprach sich in Reden, im Jubel, in Festlichkeiten aus, und wie man uns nicht verhehlte, daß nun bisher noch immer mit einer gewissen Beklommenheit nach Frankfurt gesehen, und von der Nationalversammlung für die Selbstständigkeit der einzelnen deutschen Stämme gefürchtet habe: so gab sich jetzt festes Vertrauen zu der Nationalversammlung, Bereitwilligkeit, das Sonderinteresse dem Interesse des gemeinsamen Vaterlands unterzuordrien und aufrichtige Liebe zu dem Vaterlande, inniges Verlangen des Anschlusses an dasselbe auf unzweideutige Weise kund. Am Unzweideutigsten und Offensten sprach sich diese Stimmung aus in den Städten Regensburg und Linz, deren Bewohner, wie sie Deutsche, doch ebensowohl Baiern und beziehungsweise Oesterreicher sein und bleiben wollen. Theilen Sie, Herr Präsident, der Nationalversammlung mit, daß ihrer Deputation, in der man die Versammlung selbst, die Vertreter des gestimmten deutschen Volks verehrte, in den Städten, die sie durchreiste, ein Empfang geworden, wie man ihn sonst nur Fürsten zu bereiten pflegte. Der Stadtrath in Regensburg und viele Bürger waren uns zu Fuß und zu Wagen mehrere Stunden Wegs entgegenge
kommen , schon vor der Stadt empfingen uns die Massen des Volks mit lautem Jubel und Geschützesdonner, wehende Flaggen und Nachtmusik gaben Zeugniß von der Freude der Regensburger, die uns des andern Tags durch eine Deputation noch mehrere Stunden Wegs auf der Donau geleiten ließen. Die Städte und Oerter, an denen wir auf dem Strome vorbeifuhren, begrüßten uns jubelnd durch Deputationen, die sie auf das Schiff sandten, durch Lösen der Böller, durch wehende Fahnen, durch die Bürgerwehr, die sie am Ufer aufgestellt, durch Musik und durch lauten Jubel des Volks. Aber fast über alle Beschreibung war unser Empfang zu Linz. Unter lautem Jubel des in unzählbarer Menge an den Ufern der schönen Donau und den Bergen hinauf versammelten Volkes und unter Kanonendonner landeten wir. Die ganze Nationalgarde von Linz war in festlichem Schmuck am Ufer aufgestellt, aus allen Fenstern, mit schönen Frauen reich besetzt, wehten uns freudig grüßende Tücher entgegen, und, empfangen von den Behörden der Stadt, geleitet von der Nationalgarde, zogen wir durch deren Reihen, Musik voran, in den für uns bestimmten Gasthof auf dem schönen Markt Linz's. Unaufhörlicher Jubel folgte uns und vielfache Lebehochs, Nachtmusik und festliche Beleuchtung der Stadt Linz gaben Zeugniß von der Freude der Bewohner. Man ist der festen Zuversicht, daß die Wahl der Nationalversammlung dem Vaterlande Einheit und Stärke geben, daß sie die Freiheit festigen und Ruhe und Ordnung begründen werde. Möge Gott des Volkes Wünsche und Hoffnungen erfüllen! Wir zeichnen mit ausgezeichneter Hochachtung, verehrter Herr Präsident, Ihre ergebenen (gez.) v. Andrian, Franke, v. Saucken, v. Rotenhan, Raveaur, Heckscher, Jucho.
Frankfurt. Die deutsche Zeitung sagt über den gegenwärtigen Zustand des politischen Geistes in Deutschland mit vollem Rechte: Es ist kein Zweifel mehr, die Gefahr ist überstanden; alle Zeichen sagen es, die Besonnenheit ist auf dem Wege zurückzukehren in die Köpfe und in die Gemüther. Als jüngst in einer Sitzung der Nationalversammlung der Verfassungsansschuß den Antrag stellte, es soll, sowie im englischen Parlamente eine dreimalige Lesung einer jeden Bill stattsindet, auch über die Reichsverfassung eine doppelte Berathung stattfinden, da war es hauptsächlich die Linke, welche diesen Antrag bekämpfte. Bedenkt man, dafl