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morgen eröffnet. Viele Deputirte, unter ihnen gegen 40 Radikale, sind bereits eingetroffen.
Pestb, 1. Juli. (Bresl. Z.) Ich beeile mich, Jbnen die höchst wichtige Nachricht mitzutheilen, daß der König un= fern Erzherzog Stephan zu seinem unbeschränkten Stellver- treter für Ungarn und dessen Nebenländer bestellt hat. Der Erzherzog Stephan wird auch die Gesetzvorschläge des ungarischen Landtages sanktioniren und überhaupt alle jene Rechte ausüben, welche die neue ungarische Koustit ition dem König selbst Vorbehalten hat. Was aber noch erfreulicher ist, der König hat auch seine feierliche Versi b Mo- gegeben, daß er mit seiner Familie noch während dieseserung nats seine Residenz in unserer Hauptstadt nehmen werde, (??) was jetzt um so gewisser geschehen wird, als die Stellver- treterschaft des Erzherzogs Stephan ausdrücklich bis zur Ankunft des Königs bedingt ist (??).
Frankreich.
Paris, 2. Juli. Die Gazette des Tribunaur zeigt an, daß die Untersuchungs-Commission gestern sehr wichtige Entdeckungen gemacht und Dokumente erhalten habe, die vollen Aufschluß über die eigentlichen Urheber der Insurrektion und den Ursprung der dazu verwendeten bedeutenden Summen gegeben habe. Die Insurgenten des 12. Arrondissements, die sich zwei Tage lang im Pflanzengarten und in dem großen Wein-Entrepot verschanzt hatten, haben in dem Garten alle Vögel der zoologischen Sammlung, alle Dammhirsche, Lama's, Känguruhs, Büffel u. s. w., sowie die ganze Fasanenzucht todtgeschossen und dann bei den Wachtfeuern gebraten. Man versichert, was nach vorliegenden Beispielen nicht unwahrscheinlich ist, man habe dort darüber berathen, ob es nicht thunlich sei, die Löwen und Tiger aus ihren Käfigen auf die Straße zu entlassen! Jedenfalls bedurfte es der wilden Thiere aus dem Jardin des Plantes nicht. — Die gestrige neue Organisation der Bureaux der Nationalversammlung hat einen sehr bezeichnenden Charakter gehabt. Fâst alle Präsiventen der 15 Bureaux sind aus der ehemaligen Linken genommen, und wir sehen neben Thiers, Dufaure, Billault, Beaumont, Barocke, Dupin d. ä., Vivien, Tracy u. s. w., nur den einzigen Fr. Arago von der alten republikanischen Partei.
Paris, 3. Juli. Folgender wichtige Bericht wurde von General Cavaignac der Nationalversammlung über die Nationalwerkstätten abgestattet: „Die Einrichtung dieser Werkstätten war, man muß es gestehen, furchtbar und für die Freiheit gefahrdrohend. Ihre ursprünglich reine Grundlage war ausgeartet. Indeß hatte die (frühere) Regierung ernstliche Versuche gemacht, um sie aufzulösen, so ernstliche Versuche, daß diese viel auf die letzten Begebenheiten einwirkten. Dabei muß man wohl wissen, daß nur die Minderzahl in den Werkstätten an dem Aufstande Theil nahm. Die größere Mehrheit enthielt sich dessen, obgleich wohl viele mit theilnehmender Gesinnung nach demselben hinblickten. Diese Stellung war selbst beunruhigend für die bürgerliche Gesellschaft. Wir waren darum der Meinung, man dürfe nicht anstehen, diese Einrichtung gewaltsam aufzulösen. Seit
dem 26. Juni wurden Maßregeln in diesem Sinne ergriffen. Einige wünschten, man hätte gleich jede Zahlung eingestellt. Das fanden wir unzweckmäßig. Wir fürchteten, dadurch könnten die Gefühle der Theilnahme am Aufruhre, von denen ich eben gesprochen, zu wirklichen Thatsachen werden. Aber indem wir fortbezahlten, ergriffen wir sogleich alle nothwendigen Maßregeln, um den Uebelständen der ersten Einrichtung zu entgehen." (Der General gab diese nun näher an. Unter anderem gehört dazu, den sogenannten Brigadiers nicht höhere Zahlungen zu leisten.) „Ich wiederhole daher: die Nationalwerkstätten sind aufgelöst, sie bestehen in Paris nicht mehr. (Großer Beifall.) Aber nachdem die große Schwierigkeit überwunden war, lag uns ob, andere Maßregeln zu ergreifen, um das Vertrauen zu beleben, den Kredit wieder zu erheben, und den wirklichen Arbeitern (das ist aber die größere Zahl) etwas anderes als ungenügende Hülfe zu verschaffen. Zu diesem Zwecke werden Ihnen verschiedene Decretsentwürfe von dem Herrn Finanzminister vorgelegt werden. Wir hoffen, die Versammlung werde denselben ihre Billigung nicht versagen." Schallender Beifall schien diesen im Voraus zu zusagen.
Paris 4. Juli. Der „Moniteur" enthält heute das Decret, welches die Nationalwerkstätten des Seinedepartements sowie aller übrigen Gegenden des Territoriums der Republik auflöst. Den augenblicklich brodlosen Arbeitern soll nach wie vor Unterstützung durch die Mairieämter gereicht werden. — Eben dieses Blatt enthält das Programm der großen Todtenseier am 6. Juli. Dieselbe wird einen fast kirchlichen Charakter tragen. Die Zimmerleute sind bereits beschäftigt, auf den Concordia- und Bastilleplätzen Altäre zu errichten, vor welchen diejenigen Bischöfe den Dienst versehen werden, welche Glieder der Nationalversammlung sind. Die Vorderseite der Magdalenenkirche und der Nationalversammlung sind mit schwarzen und weißen Tüchern, sowie mit Trauerflor behängt. — Es heißt, General Cavaignac werde gleich nach Beendigung der übermorgen stattfindenden Todtenseier den Belagerungsstand von Paris aufheben, vorher aber das Ministerium mehrere reglementarische Maßregeln für die Zeitblätter vorschlagen, und deren sofortige Annahme empfehlen.
In Lyon war man dieser Tage nicht wenig besorgt vor einem Tumult der sogenannten „Gefräßigen", einer rohen Bande, welche sich in den Besitz mehrerer Kanonen gesetzt hatte. Die Haltung des Militärs und der Nationalgarde hat dieselbe jedock so eingeschüchtert, daß sie die Geschütze auslieferte und es herrscht nun völlige Ruhe in Lyon.
Rußland.
Pultawa. (Geschenk des Adels.) Der Adel unsers Gouvernements hat aus Ergebenheit gegen den Kaiser und das Vaterland 1500 Ochsen für das Heer angeboten. Der Kaiser hat dies Geschenk angenommen und den Gebern seinen Dank abgestattet.
Verantwortlicher Herausgeber: Fr. Oetker.— Redaktion: Fr. Oetker und A. Pfaff. — Druck und Verlag von Th. Fischer,in Caffel.