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Wien, 30. Juni. Die Deputirten zum Reichstage treffen nach und nach hier ein, besonders zahlreich aus Galizien; unter den bis jetzt Angekommenen sind wenigstens neun, welche kein Wort deutsch verstehen! — Die Vorbe­reitungen zu der hiesigen Abgeordnetenwahl nehmen ihren Fortgang; in dem ersten Wahlbezirke der innern Stadt wird wahrscheinlich der Minister Pillersdorf gewählt werden. Als er als Kandidat auftrat, legte er eine Art Glaubens­bekenntniß vor den 110 Wahlmännern des ersten Bezirks ab, in welchem er sagte, daß er mit dem Konstitutions- entwurfe des 25. April stehen und fallen werde. (Die Frage über den Anschluß an Deutschland ließ er unberührt). Bei dem provisorischen Skrutinium hatte Pillersdorf die Stimmenmehrheit. — Hier ist allgemein das Gerücht ver­breitet, Banus Jellachich habe in Innsbruck im Namen von ganz Kroatien das Verlangen gestellt, daß die ungarischen Ministerien des Kriegs und der Finanzen wieder nach Wien verlegt würden und Vollziehung dieses Begehrens stehe demnächst zu erwarten — doch konnte ich noch nichts Officielles hierüber erfahren. Soviel ist gewiß, daß der von dem Kaiser kürzlich entsetzte Banus noch immer Be­fehle von Innsbruck aus an die kroatischen Bewohner und Truppen ergehen läßt, welche dort vollzogen werden. — Erzherzog Stephan ist seit vorgestern mit zwei ungarischen Ministern hier, dem Vernehmen nach, um die kroatische Frage zu einer friedlichen Losung zu bringen. — Erzherzog Johann gewinnt sich durch sein freundliches Entgegenkom­men und seine Leutseligkeit bei jeder Gelegenheit, wo sich das Volk ihm nähert, alle Herzen.

Wien, 4. Juli. — Im Ministerrathe wurde beschlos­sen, unverzüglich die Heeresmacht in Italien um 60,000 Mann zu verstärken. Es wurde an sämmtliche General- kommando's in den Provinzen der Befehl erlassen, alle disponibel» Truppen sogleich nach Italien in Marsch zu setzen. — Gestern brachte man dem Minister Freiherrn v. Wessenberg eine Serenade und Fackelzug zum Zeichen der Würdigung seiner Verdienste und liberalen Ansichten. Dem Vernehmen nach dürfte der verdiente Diplomat, dessen Rücktritt als «»bezweifelt betrachtet wurde, nunmehr doch im Ministerium bleiben. — Die Wahlen für den Reichs­tag dauern hier noch fort und sollen übermorgen beendigt werden. — Gestern ist abermals ein außerordentlicher Re- gierungskommissär von hier nach Prag abgeschickt worden, um zu untersuchen, ob unter den gegenwärtigen Umständen der Belagerungszustand von Prag nicht aufgehoben werden könne. — Heute wird hier die Deputation aus Frankfurt an den Erzherzog Johann erwartet. Es ist bereits bekannt, daß der Erzherzog sich entschlossen hat, die Wahl anzunehmen.

— Vorgestern kam die Nachricht hier an, daß Erzher­zog Johann als Reichsverweser gewählt sei. Er wird die Wahl annehmen, scheint jedoch zu wünschen, daß der Sitz der deutschen Centralgewalt nach Nürnberg, Regensburg, oder sonst einem Platze mehr in der Mitte Deutschlands verlegt werde.

Schleswig - Holsteinische Angelegenheiten. Aus Schleswig wird uns von einer glänzenden Waffenthat des zehnten Armeekorps berichtet. Die Dänen

waren ohne Zweifel davon unterrichtet, daß das G os der Armee nach Norden gegen die jütische Grenze vor­gerückt, und daß nur eine kleine Abtheilung zum Schutze von Sundewitt zurückgeblieben war. Diese Gelegenheit wollten sie zu einem Landungs - Versuche benutzen, um vor dem Abschluß der obschwebenden Waffenstillstandsunter- Handlungen noch einige Vortheile zu erringen. Inzwischen aber hatte General Wrangel das 10. Armeekorps unter General Halkett bereits wieder von Hadersleben nach Sun­dewitt zurückgeschickt. Hier landeten die Dänen am 4. d. in der Nähe von Grafenstein, 6000 stark; in drei Korps getheilt rückten sie vor; das rechte Korps, vom Major v. Spadling befehligt, soll zu rasch vorgegangen, von den übrigen Landestruppen abgeschnitten, von einer überlegenen Abtheilung des 10. Armeekorps eingeschlossen und nach tapferer Gegenwehr (der Verlust der Dänen an Todten wird auf 200 Mann angegeben; darunter mehrere Officiere; ein Lieutenant Diogenes wird unter den Verwundeten ge­nannt) genommen. Die Zahl der Gefangenen wird auf 1800 angegeben. Man erwartete dieselben am 5. in Flensburg, von wo sie sogleich weiter nach Rendsburg ge­bracht werden sollten. — Die übrigen 4000 gelandeten Dänen haben sich wieder auf die Schiffe gerettet. — Soll­ten sich diese Nachrichten in ihrem ganzen Umfange bestä­tigen, so wäre dies offenbar die glänzendste Waffenthat des Feldzugs und würde gerade in diesem Augenblicke außer­ordentlich gelegen kommen.

Der Hamburger Börsenhalle zufolge wird, den Bestim­mungen des zwischen Deutschland und Dänemark abge­schlossenen (aber noch nicht ratificirten) Waffenstill­standes gemäß, zehn Tage nach erfolgter Ratifikation des­selben die Freig eb u ng der in Kopenhagen zurückgehaltenen deutschen Schiffe und sechs Tage nach erfolgter Rati­fikation die Aufhebung der Blokade der deutschen Häfen stattfinden.

Der Londoner Erpreß vom 1.d. M. versichert: Mit dem Dampfer Lyon erhalten wir so eben über Hamburg eine Depesche, welche uns anzeigt, daß der Frieden zwischen Dänemark und dem deutschen Bunde hergestellt ist.

Cassel, 9. Juli. Unser verehrter Wippermann, für einige Tage hier anwesend, wurde heute früh durch eine festliche Morgen-Serenade begrüßt. Die vereinigten Casseler Sänger (die Mitglieder der Harmonie, der Liedertafel, des Schuh- machergesellen- und des Quartett -Vereines) weckten mit vaterländischen Gesängen den Gefeierten, welcher die kurze und herzliche Ansprache der Sänger in seiner bescheidenen Weise erwiderte und dann noch ein Stündchen unter den Sängern in einem öffentlichen Garten weilte. In dieser einfachen und sinnigen Huldigung ist die Verehrung, welche der edeln Persönlichkeit des hochverdienten Mannes allge­mein gezollt wird, gewiß sehr paffend ausgedrückt worden.

Ungarn

Pesth, 30. Juni. Eben hören wir aus guter Quelle, daß die übrigen Minister den energievollen Entwürfen Kos« suth's endlich beigepflichtet, und daß demgemäß dieser im Ministerium bleibt. Der ungarische Landtag wird über-