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schußantrage bei, so daß einige gestellte mildernde Amende­ments nicht zur Abstimmung kamen.

Stuttgart, 30. Juni. Wie versichert wird, hat sich der König schon bereit erklärt, die Civilliste von 800,000 Gulden auf 500,000 Gulden herabsetzen zu lassen.

Dresden, 3. Juli. Die Ständekammern habe heute durch Entgegennahme eines betreffenden königlichen Dekrets den Beschlüssen der Nationalversammlung in Frankfurt ihre Anerkennung ertheilt.

Kassel, am 7. Juli 1848.

In der heutigen, außerordentlich zahlreich besuchten Volks- Versammlung (es mochten an 3000 Männer versammelt sei») ward die nachfolgende Adresse an die deutsche National- Versammlung berathen und von allen gegen höchstens 100 Stimmen beschlossen. Man hat es, wie jeder Un­befangene aus der Adresse selbst entnehmen wird, darin absichtlich vermieden, durch irgend ein politisches Glaubens- bekenntniß einen langwierigen und bei dieser Gelegenheit unpassenden s. g. Prinzipienstreit zu erheben. Hierdurch unterscheidet sich diese Adresse wesentlich von den vielen constitutionellen Adressen, in welchen die Bürgerschaften der deutschen Städte jetzt gegen das Treibe» unserer s g. Re­publikaner einmüthig und energisch Protestiren. Nur der frevelhaften Umtriebe der Frankfurter f. g. Demokraten ist Erwähnung geschehen. Diese Herren haben sich bekannt­lich erfrecht, offenen Aufruhr zu predigen gegen die deutsche Nätional-Versammlung, und dieses gerade in diesem Augen­blicke doppelt verbrecherische Unternehmen, womit sie den Ehrennamen eines Demokraten ohne Zweifel verwirkt haben, ist selbst in verschiedenen demokratischen Vereinen Deutschlands mit Entrüstung zurückgewiesen worden. Man durste erwarten, daß auch die Mitglieder unseres s. g. de- mokratisch-socialen-republikanischen Vereines ein solches hoch- verrätherisches Treiben entschieden mißbilligen, keinesfalls aber vertheidigen würden. Um so betrübender mußte es sein, daß ein Häuflein dieser unsererDemokraten", wel­ches sich in compacter Masse dickt vor der Tribüne auf- gepflanzt hatte, die Adressewegen ihres für die Demokraten verletzenden Inhaltes" nicht blos an­griffen , sondern auch durch unparlamentarisckeö Toben und Lärmen zu vereiteln suchten. Als ihnen diese sehr undemokratische Absicht nicht gelang, da die Volks­versammlung sich entschlossen bewies, dem bisher nur allzu übermüthigen Treiben dieserDemokraten" ein Ende zu machen, verließen sie die Volksversammlung. Ihr Wort­führer forderte alle wahren " Demokraten vergebens auf, zu folgen.

Demselben Wortführer war vom Referenten des politischen Aussckusses wiederholt auseinandergesetzt worden, daß es sich hier gar nicht um die Demokraten, sondern um einige hoch- verrätheriscke Frevler handle, welche doch nichts weniger als Demokraten seien. Als er immer und immer wieder von der Tyrannei redete, welche man gegen die Demokraten übe, wurde ihm zur Aufklärung der Sache die Frage vor­gelegt, ob er und seine Partei und überhaupt die deutschen Demokraten mit jenem verbrecherischen Frankfurter Aufruf tn

irgend welchem Zusammenhänge stünden? Diese Frage, deren einfache Beantwortung mit Ja oder Nein für die Volksversammlung doch sehr belehrend gewesen wäre, ver­weigerte der demokratische Redner zu beantworten. Nicht minder merkwürdig und bedenklich war eine andere Wen­dung dieses Demokraten. Er behauptete,durch solche Adressen werde eine Brandfackel unter das Volk geworfen, namentlich in Kassel habe die Einsetzung eines unverant­wortlichen Reichsverwesers bereits zu blutigen Scenen ge­führt." Das hatten wir nicht gewußt; wir haben die neulichen Ruhestörungen nur für einen Gassenjungen-Erceß gehalten.

So haben wir denn aus der heutigen Volksversammlung, in welcher die demokratische Partei zwei schleckte Erbschaften angetreten hat: 1) den nichtsnutzigen Aufruf von Metter­nich, Ronge und Bayrhoffer, 2) den pöbelhaften Nacht- scandal vom 1. Julj, einen sehr Übeln Begriff von dieser Partei mit hinweggenommen.

Wir lassen jetzt die Adresse selbst folgen :

Hohe deutsche Nationalversammlung!

Die Volksversammlung zu Kassel hat den lang ersehnten Tag jubelnd begrüßt, an welchem durch die Gründung einer deutschen Centralgewalt endlich die Möglichkeit ge­geben ist, die Einheit Deutschlands kräftig und dauernd zu verwirklichen. In einem einigen und starken, nur den Volkswillen ehrenden und vollziehenden Regimente liegt jetzt die einzige Rettung unserer verheißungsvollen, aber schwer bedrohten Zukunft. Jetzt, d> die deutsche Central­gewalt geschaffen ist, richten sich unsere Blicke mit gestei­gerten Erwartungen nach dem Orte hin, wo die Geschicke des Vaterlandes nicht blos weise geordnet und fcstgesteUt, sondern auch kräftig vollzogen werden sollen.

Von jetzt an brauchen >vir keinen auswärtigen Feind zu fürchten. Wir dürfen nicht mehr besorgen, daß das große Verfassungswerk des freien und einigen Vaterlandes, sei es durch selbstsüchtige Politik, sei es durch anarchisches Treiben, in der eigenen Heimath gestört oder gar noch vor seiner Entstehung vereitelt werde.

Eine deutsche Centralgewalt, unterfingt von den unend­lichen Hülfsquellen unserer Nation, unterstützt vom Bürger­sinn des Volkes, wird die Feinde unserer Unabhängigkeit und Freiheit überall zu finden und zu vernichten wissen.

Zwar hat das kurhessische Volk durch das gesetzliche Organ von Regierung und Ständen bereits erklärt, wie die getroffene Wahl des Reichsverwesers seinen Ansichten und Wünschen entspreche. Dennoch ist es in einer so hochwichtigen vaterländischen Angelegenheit die Pflicht des Volkes, hoher Nationalversammlung seinen Dank unmittel­bar und vernehmlich auszudrücken, gegenüber den ver­brecherischen Angriffen, womit angebliche Demokraten den Beschluß der Volksvertreter Herabzuwürdigen wagen.

Indem wir im Namen und Auftrag der Volksveigamm- lung zu Kassel dieser Pflicht uns hiermit entledigen, sprechen wir das feste Vertrauen aus, daß das nunmehr gegen alle Angriffe geschützte deutsche Verfassungswerk schnell und ge­deihlich festgestellt werde. Die wir ehrfurchtsvoll verharren rc.

Verantwortlicher Herausgeber: Fr. Oetker. Redaktion: Fr. Oetker und A. Pfaff. Druck und Verlag von Th. Fischer in 6affet.