Hessische Zeitung.
JVS Id. Sonnabend, den 8. Juli. fS-fS.
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Politische Nachrichten.
Deutschland.
Frankfurt, 6. Juli. Die Berathung der Volksrechte ist heute um einen Paragraphen weiter fortgeschritten. Der §. 2 lautet: Jeder Deutsche darf an jedem Orte eines deutschen Staates Aufenthalt nehmen, sich niederlassen, Grundeigenlhmn erwerben, Kunst und Gewerbe treiben, das Gemeindebürgerrecht gewinnen, — vorerst unter denselben Bedingungen wie die Angehörigen des betreffenden Staates, bis ein NeichSgesetz die zwischen den Gesetzen der einzelnen Staaten noch obwaltenden Verschiedenheiten völlig ausgleicht. — Von den verschiedenen Fraktionen waren hierzu (die später mitzutheilenden) Amendements gestellt und vertheidigt, jedoch kam es noch zu keiner Abstimmung, da dieselbe erst, nachdem der ganze Artikel durchdiscutirt* ist, erfolgen soll. Hildebrand motivirte das zu diesem §. gestellte Amendement der Majorität des Volkswirthschaft- lichen Ausschusses, Hermann und Eisen stuck die der beiden Minoritäten dieses Ausschusses. Um die Debatte mehr zu fördern, hatte Venedey den Antrag gestellt, man möge, bsvor man ein Amendement zur Diskussion zulasse, zuförderst nach dessen Unterstützung fragen, jedoch ging dieser Antrag nicht durch, als Giskra statistisch nachgewiesen hatte, daß man auf dem bisher befolgten Wege erst im April 1850 mit der Discussion der Volksrechte fertig werden würde. Die Sitze der Rechten sind bei der Diskussion der Volksrechte ziemlich leer. — Von Malta waren vom dortigen deutschen und dem königl. hannov. Consul 150 fl. für die Marine eingesandt. Die Abgeordneten für Trient, Jesti und Pretis, deren Antrag wegen Lostrennung Trieuts und Roveredo vom deutschen Bund vom völkerreebtl. Ausschuß verworfen ist, hatten um einen mehrwöchentlichen Urlaub gebeten. Ebenso waren Welcker wegen einer Geschäftsreise (Lauenburg) und Wippermann, welcher gestern Morgen abgereist ist, um einen mehrtägigen Urlaub eingekommen. Unter den eingehenden Petitionen betreffen die meisten die Trennung der Kirche vom Staate, in deren Fabrikation die katholischen Dorfschaften, resp, deren Geistliche sehr thätig sind. Mehr als vierzig standes- herrliche Familien haben heute der Nat. Vers, eine Eingabe überreicht, worin sie, weder überzeugt, daß eine Standschaft der mediatisirten Häuser in der künftigen Reichsverfas
sung und in den Verfassungen der einzelnen Staaten schädlich sein werde, noch, daß die Aufhebung ihrer Familien- fideicommisse und Familienrechte nothwendig sei, die Nat. Vers bitten, vor irgend einer Beschlußnahme über die, den Standesherren und Reichsangehörigen durch die Deutsche Bun- des-Aete und die Wiener Confercnz-Acten garantirten Rechte, insbesondere vor einer Beschlußnahme über ihre Standschaftsrechte, diese Angelegenheit an den Ausschuß für völkerrechtliche und staatsrechtliche Fragen zur Begutachtung zu überweisen auch eine auf dem größeren Grundbesitz beruhende Standschaft im Reiche und in den Einzelstaaten in Erwägung zu nehmen. Eine Eingabe von Dr. Sternberg in Marburg, die Vertretung in der Nat. Vers betreffend, ist an den Prioritätsausschuß abgegeben. — Auf der Tagesordnung für Morgen steht ein Bericht Grumbrechts auf Niedersetzuug einer Kommission für Kirchen und Schulangelegenheiten; Bericht Zachariä's über diplomat. Bezieh. der deutschen Staaten zum Auslande; der Bericht des Ausschusses für Wehrangelegenheiten über den gegenwärtigen Bestand der Wehrhaftigkeit Deutschlands und der Bericht von Wydenbrugks für den völkerrechtlichen Ausschuß, die auswärtigen Verhältnisse zu Rußland, Frankreich und Nordamerika betreffend. —
An der angeblich hier eingetroffenen Nachricht, der Reichsverweser wolle nur verantwortlich sein, und das sei in der Nat.-Versainml. vorgetragen worden, ist kein wahres Wort. Vermuthlich ein Rothschild'scher Coup; — die Papiere sind lich gleich gestiegen.
Schleswig-Holstein. Ueber den in gestriger Nummer erwähnten angeblichen Waffenstillstand laufen eine Menge von Berichten ein, welche an einer wenigstens theilweisen Wahrheit des Gerüchtes kaum zweifeln lassen Nach einigen sollen die Truppen ihre beiderseitigen Positionen beibehalten, nach andern sollen die Deutschen Schleswig, ja sogar Holstein räumen. Von Herausgabe der Schiffe ist in den meisten Nachrichten keine Rede, wohl aber von Ersatz der Preußischen Requisitionen in Jütland, welche von den Dänen aus 140000 Species angeschlagen werden. Ueber die FriedenSbedingun- gen soll eine Conferenz von zwei Dänischen und zwei