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eine bestimmte militärische Organisation dieser Tage zu baldiger bewaffneter und zu Geld-Handbietung aufgefordert. Wir sind im Falle, die Actenstücke vorzuwelsen. Hier in Basel will man ebenfalls starke Wallfahrten zu dem Einsiedler in Muttenz (Hecker) bemerken, gewisse namhafte Personen treiben sich in der Gegend herum, und die Vermuthung, daß wieder etwas Neues im Werke sein dürfte, wird dadurch bestätigt, wenn nicht etwa der Ausgang des Kampfes in Paris die Sache wieder verschieben macht.
Frankreich.
Paris. Nachträglich theilen wir den Aufruf an das französische Volk mit, welchen die National - Versammlung in ihrer Sitzung vom 29. v. M. beschlossen hat:
Franzosen! Die Anarchie ist besiegt, Paris ist wach und Gerechtigkeit wird geübt werden. Ehre dem Muth und der Vaterlandsliebe der Bürgerwehr in Paris und den Provinzen. Ehre unserem tapfern und stets ruhmreichen Heer, unserer jungen und unerschrocknen mobilen Wehr, unsern Schulen, unserer republikanischen Schaar und so vielen edlen Freiwilligen, die sich in die Bresche stellten für Ordnung und Freiheit! Alle haben sie, ohne Sorge für ihr Leben und mit übermenschlichem Muthe, Barrikaden nach Barrikaden niedergeworfen, und bis zum letzten Schlupfwinkel jene Wahnsinnigen verfolgt, die ohne Grundsatz, ohne Fahne, nur zu Mord und Plünderung bewaffnet schienen. Familie, Staatsordnung, Freiheit und Vaterland waren im Lebensguell bedroht unter den Streichen dieser neuen Barbaren, die Gesittung des 19. Jahrhunderts stand an ihrem Untergang. Doch nein! die Gesittung kann nicht untergehn! Nein, die Republik, das Werk der Gottheit, das lebendige Gesetz der Menschheit, die Republik wird nicht untergehen. Wir schwören es bei ganz Frankreich, das mit Abscheu jene Lehren zurückstößt, denen die Familie ein Name ist und das Eigenthum ein Diebstahl. Wir schwören es bei diesen edlen Opfern, die von brudermörderischen Kugeln fielen. Alle Feinde der Republik waren gegen sie vereint in rasender und verzweifelter Anstrengung. Sie sind besiegt, hinfort wird Keiner mehr versuchen, uns von Neuem in blutigen Zivist zu stürzen.
Straßburg, 3. Juli. Der an diesem Morgen angekommene Courier giebt die befriedigendsten Nachweisungen über den Zustand von Paris und der Departement?. Auf dem ganzen Wege wachen die Bevölkerungen und bemächtigen sich aller verdächtigen Individuen. — Der Telegraph hat diesen Morgen den Befehl gebracht, daß Trauer- feierlichkeiten zur Ehre der in den Junitagen für die Republik gefallenen Bürger veranstaltet werden sollen.
Italien.
Mailand. (N. Z. Z.) In einer Proklamation theilt die prov. Regierung der Lombardei dem Volk mit, der Feind habe sich bereit erklärt, die Unabhängigkeit der Lombardei anzuerkennen, wenn man den Krieg, d. h. Venedig aufgebe. Die Regierung habe dieses Anerbieten mit den Worten erwidert, sie führe keinen lombardischen Krieg; der Krieg, der jetzt geführt werde, sei ein italienischer. Sodann wird das Volk zu neuen, gro
ßen Anstrengungen aufgefordert. Es gelte jetzt einen Kampf auf Leben und Tod. — Es hat hierauf die Regierung den Worten entsprechende Beschlüsse gefaßt. Neue Truppenaus- Hebungen sind dekretirt. Die Neapolitaner, die bei General Pepe blieben, werden in lombardischen Sold genommen. Ein Comité ist aufgestellt, um die geflüchteten Venetianer zu unterstützen, zu sammeln und militärisch zu ordnen.
Neapel. Die Nachrichten aus Neapel lauten für König Ferdinand sehr bedenklich. Sein Palast ist in ein Fort umgewandelt. Die Hoffnung auf Sieg fängt allmählich bei ihm und seiner Umgebung an zu wanken; täglich werden Kisten voll Hausgeräthe und Kostbarkeiten eingeschifft, und bereits ist Louis Graf von Aguila, der Bruder Sr. Majestät (der Erzherzog Ludwig von Neapel), mit Sack und Pack in Malta angekommen — die Raiten verlassen das Fahrzeug! Es ist für sie aber auch hohe Zeit. Zman- zigtausend Kalabresen sollen auf die Hauptstadt losmarschi- ren, eine beträchtliche Anzahl von Sicilianern ist, trotz der sic verfolgenden Negierungsdampfer, in Kalabrien gelandet, um mit ihren ehemaligen Mitbürgern gemeinschaftliche Sache zu machen. General Nunciante ist mit seinen 10,000 Mann so von allen Seiten eingeschlossen, daß er gar nicht im Stande ist, irgend Etwas zu unternehmen, zumal da die Kalabresen trefflich organisirt sind und, durch immer frischen Zuzug aus den andern Provinzen unterstützt, schon die königlichen Truppen an Zahl überwiegen. Man erzählt sogar von 60,000 Mann, welche die Insurgenten auf den Beinen hätten. Endlich befinden sich die aus Oberitalien zurückkehrenden Regimenter in einem solchen Zustande der Desorganisation, daß außer den Offieieren Niemand mehr gehorcht, lind diese vollführcn den Willen ihrer zügellosen Soldaten. Es ist zu spät. Der 15. Mai wird sich fürchterlich rächen.
Großbritannien.
London, 30. Juni. Lord J. Russells Zuckerzollresolutionen sind gestern endlich vom Unterhause angenommen worden, jedoch nur mit einer Mehrheit von 15 Stimmen (260 gegen 245), wofür das Whigministerium bei Sir R. Peel und dessen Freunden sich bedanken kann, denn Sir Robert sprach in der letzten Stunde für den ministeriellen Antrag, obgleich er eigentlich zu verstehen gab, daß er nicht viel tauge, und das bewahrte das Kabinet vor einer Niederlage. Sir R. Peel könnte schon jetzt die Negierung haben, wenn er wollte, aber die Zeit ist ihm noch nicht reif. Das Whigkabinet wird aber im- mer schwächer. Der einzige Minister, dessen Stellung in der letzten Zeit fester geworden ist, als sie wenigstens vor einem Monat war, ist Lord Palmerston. Wie furchtbar ist er nicht wegen seines Streites mit dem Madrider Kabinet angegriffen worden! Es schien ihm gar nichts übrig zu bleiben, als seinen Abschied zu nehmen. Seitdem aber Hr. Bulwer hier angckommen und die entsetzlichen Willkürhandlungen der spanischen Prätorianerwirlhschaft bekannter geworben sind, hat sich das Blatt gewendet und die Times läßt jetzt ihren ehemaligen Schützling Narvae; fallen.
Verantwortlicher Herausgeber: Fr. Oetker.— Redaktion: Fr. Oetker und A. Pfaff. — Druck und Verlag von Th. Fischer in Raffel.