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Polizei-Direktion doch veranlaßt gesehen, ihre in Nr. 33 dieser Blätter mitgetheilten Ausnahme-Verfügungen noch auf 8 Tage zu erstrecken.

Schweiz.

Bern, 25. Juni. In der heutigen 111. und letzten Sitzung der a. o. Tagsatzung haben sich die 25 souveränen Regierungen der Schweiz an dem Altare eines „neuen Bundes" die Hand gereicht. Dr. Kern stellte die sehr ein­leuchtende Alternative vor: wird das Zweikammersystem verworfen, so hat man die Wahl zwischen Unitarismus und dem jetzigen Föderalismus; im erster» Falle Einfüh­rung durch Waffengewalt, im letzter» die alten Zänkereien; jedenfalls also nichts Besseres. Für den Bundesentwurf stimmten sodann unter Natifikationsvorbehalt: Zürich, Zug, Solothurn, Schaffhausen, St. Gallen, Aargau, Wallis, Genf, Thurgau, Graubünden, Baselland, Freiburg, Glarus, Luzern und Bern, also 14 '/2 St. Neuenburg, Waadt und Ba- selstadt referiren; gegen das Projekt stimmten nur Schwyz und Tessin, gar nicht stimmten Uri, Unterwalden und Appenzell. Nicht zu vergessen ist die Erklärung, welche Unterwalden zu Protokoll gab, indem es seine religiösen und politischen Rechte gegen den neuen Bund verwahrte; diesem schlossen sich an Schwyz, Uri und Appenzell I. Nh. Als Frist, binnen welcher die Kantone ihre Entscheidung über Annahme oder Verwerfung der Bundesverfassung aus- zusprechen haben, ist der 1. September 1848 bestimmt.

Bern, 28. Juni. Die außerordentliche Tagsatzung hat gestern ihre Berathung über die neue Bundesverfassung be­endigt, und somit ihre Aufgabe insoweit gelöst. Bereits haben die meisten Gesandtschaften die Bundesstadt verlassen. Am 3. Juli tritt die ordentliche Tagsatzung zusammen, um die gewöhnlichen laufenden Geschäfte zu beseitigen. Während ringsherum ein blutiger Aufstand dem andern folgt, löst bei uns eine die Festlichkeit andere ab. Heute treffen die sämmt­lichen militärischen Schülerkorps des Kantons in Bern ein, um ihre jugendlichen Kräfte in den Waffen zu üben, un­mittelbar darauf beginnt die schweizerische Industrieausstel­lung, und im August findet ebenfalls in Bern das eidge­nössische Sängerfest Statt.

Belgien.

Brüssel, 26. Juni. Der König eröffnete heute um

1 Uhr die Kammer. Die Thronrede spricht in großem Kontrast zu der sonst allcrwärts herrschenden Noth und Verlegenheit eine sehr helle und günstige Ansicht über die nächste Vergangenheit wie über die Zukunft Belgiens aus. Die Veränderungen im politischen Zustande verschiedener Länder haben die guten internationalen Beziehungen Bel­giens in keiner Weise verändert. Die officiellen Beziehun­gen mit der französischen Republik sind auf gegenseitiges Wohlwollen basirt. Der Kreis der politischen Rechte ist beträchtlich erweitert worden, und die erste Anwendung der Wahlreform hat bewiesen, daß man der Weisheit der Na­tion nicht zu Viel vertraut hatte. Die Finanzlage ist trotz der außerordentlichen, mit Muth ertragenen Lasten nicht ungünstig. Beträchtliche Ersparnisse werden ange­kündigt ; mehrere Steuern sollen in ihren Grundlagen ver­

Verantwortlicher Herausgeber: Fr. Oetker.— Redaktion: Fr. Oetker und A. Pfaff. —

ändert werden. „Wir werden die Rücksicht nicht aus den Augen verlieren in der Vertheilung derselben, die Diejeni­gen verdienen, die ihren Unterhalt allein durch ihrer Hände Arbeit verdienen. Wir werden mit wahrer Sorgfalt fort­fahren, alle geeigneten Maßregeln zu ergreifen, um die Zustande der arbeitenden Klassen zu erleichtern und zu verbessern." Zum Schluß spricht der König die Hoffnung aus, Belgien werde auch ferner seine „Mission des Frie­dens und der Arbeit" mit Erfolg ausführen, wenn nur die Nation Glauben an sich selbst habe und einig bleibe.

Frankreich.

Paris, 29. Juni. Nachträglich die Ministerliste Ca- vaignaes: auswärtige Angelegenheiten Iulius Bastide, Gc- rechtigkeitspflege Bethmont, Inneres Senar, Kriegs­wesen Lamoricièrc, Marine Le Blanc, Finanzen Goud- ch a ur, öffentliche Arbeiten Recurt, Handel T o urr et. — Carnot bleibt Minister des öffentlichen Unterrichts. Heute wurde Herr Marie, Mitglied der früheren Regierungs- commission, mit 414 Stimmen zum Präsidenten der Na­tionalversammlung erwählt, der bisherige Präsident Hr. Senard hat das Ministerium des Innern übernommen. Herr Dufaure hat 297 Stimmen. Da der ursprüng­lich zum Marineminister ernannte Herr Le Blanc dasselbe nicht angenommen hatte (ein Mitglied hatte Oppo­sition gegen diese Ernennung eingelegt, weil Herr Le Blanc nicht Abgeordneter ist), so erklärt General Ca- vaignac, daß Herr Bastide die Marine übernehme. Ge­neral Bedeau tritt an Bastides Stelle. — Die freie Circulation in der Stadt selbst ist wieder hergestellt. Aber die Barrieren bleiben noch abgeschlossen, da es vielen Insurgenten gelungen ist, aus der Stadt zu entkommen und sich auf den Höhen, sowie auf dem Friedhof des père La- chaise zu verschanzen. Dieser letzte Versuch der hinsterben­den Empörung kann jedoch keinen Grund zu Besorgnissen geben. — Der Erzbischof von Paris ist an der Wunde verschieden, welche er in dem Augenblicke empfing, als er die Insurgenten zum Frieden ermahnte. Der Andrang der Nationalgarden aus ganz Frankreich nach der Hauptstadt ist fortwährend ungeheuer. Eine telegraphische Depesche des Conseilpräsidenten befiehlt den Prafecten, sie zurückzuhalten und ihnen den Dank des Vaterlandes auszudrücken.

Spanien.

In Spanien ist zwar keine Revolution, keine Republik, überhaupt gar nichts los; und das Ministerium Narvaez mit der Christincn-Wirthschaft steht noch in Blüthe ; aber Finanzbanguerott ist deshalb doch. Die Gazeta bringt heute das kömgl. Decret, welches die längst erwarteten Fi­nanz-Maßregeln anordnet. Es lautet im Wesentlichen, wie folgt: Art. 1. Von dem jüngst durch die Kammern betteten Zwangsanleihen der 200,000,000 Realen sind 100,000,000 sofort einzuziehen und zwar nach dem durch die direkten und indirekten Steuerlisten festgesetzten Maß­stabe. Art. 2. 3. ii. 4. Handeln vom Modus. Art. 5. setzt den August zum Schluß-Termin der Einzahlung fest. Art. 12. gewährt den Zetteln der Ferdinands - Bank Zwang- Kurs.

Druck und Verlag von Th. Fischer in Cassel.