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aus dem Grunde geschehen, um die radikalen und republi­kanischen Elemente, welche Deutschland und Schleswig-Hol­stein zu überschwemmen drohten, danieder zu halten. An­statt von einem Kriege, wie in der Thronrede, spreche man in jenem Schreiben nur von einer Verbindung mit Däne­mark. Wie könnten solche Widersprüche vereinigt werden? Zweitens komme hier das Verhältniß Preußens zu Eng­land in Betracht. Die Thronrede nannte die von diesem Cabinet angebotene Vermittelung eine freundliche, die Ar- nimsche Erklärung am 2. Juni in der Nat.-Vers. nenne sie eine kräftige. Letzterer habe erklärt, die preußische Regie­rung habe ihre Truppen nur aus dem Grunde zurückge­zogen, um England ein Zeichen ihrer friedlichen Gesinnung zu geben. Nach dieser Erklärung habe man in ganz Preu­ßen Die begründete Hoffnung hegen müssen, daß nun auch Dänemark seinerseits seine Schiffe, mit denen es unsere Häfen blokire, unseren Handel ruinire, zurückziehen und uns die unsrigen zurückgeben werde. Diese Hoffnung, wie sei sie getäuscht worden! Kaum nachdem der Minister diese Erklärung abgegeben, so habe er (der Redner) im Mor- ning-Chronicle vom 3. Juni gelesen, die Zurückziehung der preußischen Truppen fei nicht auf Englands Rath, son­dern auf eine russische Note des Sinnes erfolgt, daß, wenn Preußen nicht bis zum 24. Mai aus Jütland zurückziehe, Rußland daraus einen casus belli machen würde. Ein ähnlicher Artikel habe sich noch im Journal des Döbats befunden. Wenn eine Macht sich zur Vermittelung anbiete, so ist doch die erste Bedingung derselben, daß sie sich zu den streitenden Parteien neutral verhalte. Wie hat Eng­land gehandelt? In der Shipping - Gazette stand ein Ar­tikel, worin es hieß, an die Hafen-Jnspectoren sei der Be­fehl ergangen, keine einem Dänemark feindlichen Lande zu­gehenden Waffen herauszulassen. Wenn schon dies als Verletzung der Neutralität anzusehen, da ein gleicher Be­fehl nicht auch in Betreff der Dänemark freundlichen Län­der ergangen, mit welchem Namen soll es belegt werden, wenn das englische DampfschiffCamilla" 200 Kisten mit Gewehren nach Kopenhagen gebracht hat? Auch die Ti­mes und schwedische Blätter haben vom Erlaß jener Note gesprochen, ja die Nachricht hat sogar in russische Blätter, unter russischer Censur (Sie wissen, meine Herren, was dies zu sagen hat) Zugang gefunden! Ich komme endlich drittens auf das Verhältniß zu Rußland. Rußland rüstet zu Wasser und zu Lande, Rußland entwaffnet die Polen bis auf die Brodmesser; nach der Grenze, besonders nach Südwesten hin, werden Truppen concentrirt; nach einem Artikel der russischen Biene wurden 27,000 Mann In­fanterie und 70,000 Mann Kavallerie nach der Grenze beordert; in Kiew, in Riga sind zahlreiche Pulver- und Vorraths-Magazine angelegt worden. Sollte das keinen bedrohlichen Charakter haben? Rußland steht schon seit 1815 mit uns im Krieg; was ist es anders als Krieg, wenn es seine Grenze hermetisch gegen uns versiegelt, un­seren Flor und Handel ruinirt, erst zuletzt noch die Aus­fuhr von Gold und Silber verboten hat? Wenn auch Rußland erklärt, daß es mit all' diesen Maßregeln nichts Feindliches gegen uns beabsichtigt, so ist dem doch nicht zu

trauen; Rußland hat schon häufig bewiesen, daß es ihm bei Staatsstreichen nicht auf sein Wort ankommt. (Bei­fall.) Aus der Erwiderung des Minister-Präsidenten heben wir folgendes hervor: Ich beantworte diese Frage mit der bestimmten Versicherung, daß eine Note dieser Art an die diesseitige Regie­rung niemals gelangt ist." Der Rückzug aus Jüt­land fei theils aus strategischen Gründen, theils um Eng­land einen Beweis friedlicher Gesinnungen zu geben, ge­schehen. Diese Operation habe den besten Erfolg gehabt; es sei Hoffnung, daß der Friede bald herge­stellt werde. Was die russischen Truppenmärsche anbe­treffe, so habe Rußland gleich nach den Februar-Ereignis­sen sich für die Aufrechthaltung einer bewaffneten Defen­sive erklärt. Uebrigens seien in neuester Zeit, als die Ruhe in Posen hergestellt, die Truppen von unserer Grenze ent­fernt worden. (Fortsetzung folgt.)

Berlin. Die Adreß - Commission der constituirenden Versammlung, deren Berathungen vor einigen Tagen die Minister, um über die auswärtigen Verhältnisse erläuternde Mittheilungen zu machen, beigewohnt, hat in ihrer vor­gestrigen Sitzung einstimmig beschlossen, den A d r e ß - E n t - wurf ganz fallen zu lassen.

Die Verfassungs-Commission hat beschlossen, bis zur Einführung des neuen deutschen Gesetzbuches ein provisori­sches Preßgesetz auszuarbeiten und der constituirenden Versammlung vorzulegen.

Dresden. Die sächsische 2te Kammer hat sich bei der Berathung des neuen Wahlgesetzes mit allen gegen 9 Stim­men für die von der Majorität der Deputation befürwor­teten direkten Wahlen ausgesprochen.

Cassel, am 4. Juli. Gestern Abend war die gesammte Bürgerwehr unter Waffen und patrouillirte die halbe Nacht hin­hindurch. Es handelte sich um die Entwaffnung der ord­nungswidrigbestehenden, höchstens 100Mitglieder enthaltenden Freischaar. Man könnte lachend ausrufen, viel Lärm um Nichts! verdient eine Handvoll Leute, welche sich bei nähe­rer Betrachtung noch dazu als politisch unschuldig und mißleitet herausstellen werden, solche imposante Machtent- faltung? Allerdings steht diese Freischaar im Zusammen­hänge mit dem s. g. demokratischen Verein oder vielmehr die Freischärler sind zugleich Mitglieder des demokratischen Vereins. Insofern nun die demokratischen Vereine unter lautem Geschrei sich mit dem souveränen Volke für iden­tisch proklamiren, dabei aber sich mit blutigen und gemein­gefährlichen Gedanken herum tragen, konnte die Auflösung einer solchen Schaar gefährlich scheinen. Glücklicherweise hat sich gestern aber gezeigt und aus diesem Grunde scheint uns allerdings die Demonstration recht zweckmäßig, daß die rothe, die blutige sociale Republik in unserer Einwoh­nerschaft jeglicher Realität entbehrt, vielmehr lediglich in dem aufgeregten Gehirn einiger echauffirten jungen Menschen und einiger fremdenArbeiter" eristirt. Erstere sind zum Theil diese Nacht wegen Polizei -Contravention arretirt, letztere sind aus der Stadt entfernt worden. Obgleich die Rube nicht ferner gestört worden, auch die Entwaffnung der Freischaar zum größten Theile erfolgt ist, hat sich die