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Ungarn

Pesth, 22. Juni. (Bresl. Z ) Die Macht der illyrisch­serbischen Insurgenten hat sich schon vermehrt. In dem Gebirge von Pamenitza, hinter Carlowitz, lagern 15,000 Mann, in den sogenannten römischen Schanzen zwischen Ja­rek und Temerin 6000 Mann und bei Peresle 20,000 Bauern mit Grenzern untermischt. Im Syrmier Komitat haben die Insurgenten eine Eskadron Husaren entwaffnet. Von ungarischer Seite werden an 50,000 Mann mit einer furchtbaren Artillerie den Insurgenten entgegenstehen. Die Hoffnung einer friedlichen Ausgleichung ist indeß noch nicht ganz geschwunden. Namentlich dürfte ein verlängerter Waf­fenstillstand erfolgen.

Pesth, 25. Juni. In Weißkirchen ist es zu einem blutigen Zusammenstoß zwischen den Deutschen und den Illyriern gekommen. Die Deutschen halten überall fest mit den Magyaren, was wohl auch für die gerechte Sache der letztern zeugt. Dagegen erhalten die Insurgenten jetzt offe­nen Sukkurs aus Serbien. Es ist ein dokumentirtes Fak­tum, daß das provisorische „Nationaleomite," welches in Carlowitz seinen Sitz hat, die gefährdeten „Nationalgelder" nach Belgrad geschickt hat, unter Garantie des serbischen Finanzministers. Auch eilen immer mehr bewaffnete Ser- bianer aus Belgrad den Aufständischen zu Hülfe. Der Waffenstillstand ist übrigens bis auf den 28. Juni ver­längert worden.

An die Bürger der Nesidenz.

Die freudige Theilnahme der Bürger und Bewohner- Cassels an dem denkwürdigen Ereignisse der Ernennung des Neichsvcrwefers Erzherzog Johann von Oestreich ist in vergangener Nacht zu unserm Bedauern dadurch ge­trübt worden, daß von Einzelnen jene Feier benutzt wor­den ist, um Handlungen und Demonstrationen sich zu er­lauben, welche die öffentliche Ruhe und Ordnung in ernster Weise hätten gefährden können. — Wir wissen von den Bürgern der Residenz, daß sie die Freiheit nur auf der Grundlage des Gesetzes und der Ordnung wollen, daß sie erkennen, wie in gegenwärtigem Augenblicke die Ehre Deutsch­lands und unseres engeren Vaterlandes es fordert, dem ausgesprochenen Willen der ganzen Nation einmütigen Gehorsam zu verschaffen. — Eine der wichtigsten Aufgaben, welche das deutsche Volk und mit ihm die Regierungen der Einzelstaaten zu lösen haben, — Hebung d es National-Wohlstandes und Verbesserung der Lage der arbeitenden Klassen, — sie fordert vor Allem Rückkehr des Vertrauens, Wiederherstellung des Kredits und Belebung der Industrie und des Handels. Alle Bestrebungen, dieses zu erreichen, alle Maaßnahmen der Regierungen, die hierauf abzielen, sie müssen scheitern, so lange innere Ruhestörungen irgend einer Art die Basis des öffentlichen Vertrauens in jedem Augenblicke wieder untergraben. —• Jenes große Ziel fest in’ö Auge fassend, fordern wir alle Bewohner 6er Residenz auf, uns hierin beizustehen und mit allen Kräften dahin zu wirken, daß Vorfälle sich nicht wiederholen, wie sie in letzter Nacht

Verantwortlicher Herausgeber: Fr. Oetker.—Redaktion: Fr. Oetker und A. Pfaff. —

zu unserem Bedauern sich ereigneten. — An Die aber, welche absichtlich oder mißleitet jene Auftritte hervorgerufen oder begünstigt haben, erlassen wir die ernste Warnung, daß die vollziehenden Behörden angewiesen sind, fortan mit Strenge ihnen entgegenzutreten, und daß der Arm des Gesetzes, von der Mehrheit der ordnungsliebenden Bürger unterstützt, kräftig genug sein wird, um sie zur gebührenden Strafe zu ziehen, wenn sie fortfahren sollten, in ihrer Ver­blendung gegen die gesetzliche Freiheit .und das wahre Wohl des Volkes anzukäinpfen. — Bürger Cassels! dem Gesetze Achtung, Schutz und Schirm der Person und dem Eigen­thum, und hierauf mit Gottes Hülfe den Wohlstand des Vaterlandes und unserer Stadt zu gründen, das sei unsere gemeinsame Aufgabe; das zu erreichen, bedarf es aber der Ruhe und Ordnung.

Cassel, am 2. Juli 1848.

Die Vorstände sämmtlicher Ministerien: v.Baumbach. Schwedes. Weiß. v.Meyer. Eberhard.

Wir wissen es den Gassenjungen von Kassel großen Dank, daß sie die nächste Veranlassung obiger Proklama­tion geworden sind, welche wir als ein wirksames Schild allen Feinden unserer Freiheit — mögen sie nun in Palästen oder in Kneipen ihr Wesen treiben — entgegenhalten dürfen.

Die Constitution. Minister haben darin ihre Aufgabe, sich mit dem Volke in vertrauensvollen Rapport zu setzen, richtig erkannt. An ihnen wird sich nun auch das Sprüch- wort bewähren: ein gutes Wort findet einen gu­ten Ort.

Am 3. Juli sind mehrere Friedenstörer rc. polizeilich aus­gewiesen worden. Durch eine so eben (Nachmittags 5 Uhr) mittels Anklebung rc. veröffentlichte Verfügung der Poli- zei-Direction wird die Auflösung der vier Compagnieen des seit einiger Zeit mit der Schutzwache vereinigten s. g. Freiwilligen-Corps ausgesprochen. Alle Waffen und Mon­turstücke, welche dem Staate oder der Stadt gehören, sollen bis spätestens sieben Uhr bei Meldung nachdrücklicher Maßregeln abgeliefert werden. Das Versammeln in Waffen ist dem Corps untersagt, dagegen den Einzelnen vorbe­halten worden, in den Schutzverein oder die Bürgergarde nach Maßgabe der betreffenden gesetzlichen Bestimmungen ein­zutreten. Als Grund der Auflösung wird die Erklärung angegeben, nicht mehr zur Schutzwache gehören, sondern ne­ben derselben und der Bürgergarde ein eigenes Corps bilden zu wollen, was als ungesetzlich nicht geduldet wer­den könne. Die energischsten Maßregeln sind getroffen, um die Ausführung der mit großer Freude von der Bür­gerschaft vernommenen Anordnung zu sichern, und um die Wiederkehr von nichtsnutzigen oder gar böswilligen Ruhestö­rungen, wie wir deren in der Nacht vom 1. auf den 2. d. M. erlebt haben, zu verhindern. Es kann dies nur ge­billigt werden; es war Zeit, endlich einmal zu zeigen, daß man noch Kraft genug hat, die gesetzliche Ordnung einigen Uebelwollenden und vielen Irregeleiteten und Unverständigen gegenüber aufrecht zu erhalten. Näheres in der nächsten Nummer. •

Druck und Verlag von Th. Fischer in Gaffel.