Neue
Hessische Zeitung.
IÄ. Dienstag, den 4. Juli. iS-iS.
Die Neue Hessische Zeitung erscheint täglich; Sonntags mit einem Unterhaltungsblatte. Der Abonnementspreis beträgt 1 Thlr. 3 Sgr. für das Quartal, wofür alle kurhessischen Postämter und Buchhandlungen solche ohne Preiserhöhung liefern. — Anzeigen jeder Art werden die Petitzeile mit 1 Sgr. berechnet.
Politische Nachrichten.
Deutschland.
Wien, 26. Juni. Durch telegraphische Depesche von Cilli geht die erfreuliche Meldung des Feldzeugmeisters Grafen Nugent ein, daß die Festung Palmanuova sich den 25. um 9 Uhr früh ergeben hat, wodurch nicht allein ein kostbares Kriegsmaterial, nämlich der Belagerungspark der Armee in Italien wieder in unseren Besitz gelangt, sondern auch die CommunicationSlinie des Heeres völlig frei wird.
Böhmen. Nach einem glaubwürdigen Gerüchte soll die ständische Verfassung Böhmens, sowie die Würde eines Oberstburggrafen aufgehoben werden. Damit wäre die politische Macht des Adels gebrochen, und es bliebe nur noch übrig, die privatlichen Verhältnisse zwischen Gutsherr- schaft und Bauern von dem Unrechte und der Gewalt zu befreien, die darauf lasten.
Triest, 23. Juni. Die feindliche Flotte kreuzt wieder in der Nähe von Pirano. Der Viceadmiral Albini erklärt auf den Protest der deutschen Consuln, daß er die Stadt Triest nur dann als deutsche Bundesstadt betrachten könne, wenn sie die deutsche Flagge führe. Er will jedoch den erwähnten Protest ins Hauptquartier zu Carl Albert abgehen lassen und bis zum Eintreffen der Antwort die Blocade fortsetzen. In unseren Journalen wird heute bekannt gemacht, daß die feindliche Flotte, weil sie ein von Konstantinopel kommendes Schiff visitirt hat, als in Con- tuma; befindlich angesehen wird!
Schleswig-Holstein. Die Hamburger Börsenhalle meldet nach einem zuverlässigen Schreiben aus Apenrade vom 30. Juni Folgendes: Bei Hadersleben hat ein Ren- kontre zwischen dem v. Tann'schen Korps und dänischen Truppen stattgehabt, worin Letztere geschlagen worden sind. Das von der Tann'sche Korps ist am 30. Morgens in Hadersleben eingerückt, die Dänen sind auf beni Marsch nach Fühnen. — Es hieß, unsere Armee würde sich bei Hoptrup theilen, ein Theil Haderslebcn im Westen umgehen, ein anderer östlich einen Uebergang über die Haders- lebener Föhrde zu bewerkstelligen suchen, während die schleswig-holsteinischen Truppen diesmal den Feind in der Fronte anzugreifen bestimmt wären. Das Wetter ist übrigens den Operationen sehr ungünstig gewesen.
Berlin. Es mag als ein Beweis des hohen Parlamentarischen Talentes des abgetretenen Ministers Camphausen, und seines ehrenhaften Characters dienen, daß ihm die große Mehrheit der Preuß. National-Versammlung die Präsidentschaft der Kammer angetragen hat. Er erklärte, die Würde aus Gesundheits-Rücksichten ablehnen zu müssen und ist auf einige Wochen in seine Heimath abgereist. Zum Kammerpräsidenten ist der Abgeordnete Bürgermeister Grabow aus Prenzlau, welcher dem rechten Centrum angehört, mit 238 unter 383 Stimmen ernannt worden.
Seitdem diedeutschenRepublikanerinFrankfurt am Main und namentlich auch in Berlin eine so entschiedene Stellung eingenommen haben und hier am Orte schon einige Mal die rothe Fahne entfaltet worden ist, tritt nun auch die andere Partei, die constitutionell-monarchische, kräftiger auf und erkennt die Nothwendigkeit, theils ihre Grundsätze mit klarerem Bewußtseyn, als bisher, zu entwickeln, theils ihre materielle Kraft zu organisiren, um einem Zusammenstoß, der durchaus nicht außer dem Bereich der Möglichkeit liegt, entweder auszuweichen oder ihm mit Nachdruck zu begegnen. Der constitutionclle Clubb beräth mit allem Eifer die Zusammenberufung des konstitutionellen Congresses, bei der Bürgerwehr ist eine sehr energische Adresse gegen die republikanischen Unternehmungen in Umlauf, und in allen Bezirks- und Bürgerwehrvereinen wird mit Wort und That gewirkt, daß Jeder erkenne, worauf es bei den beabsichtigten Bewegungen eigentlich abgesehen sei und ob sie dem wahren Interesse des Arbeiterstandes und der Gewerbetreibenden nützlich sein würden.
Berlin, 30. Juni. (Spen. Z.) Die Stadtverordneten haben gestern auf den Antrag des Magistrats beschlossen: 1) Daß eine aus Magistratsmitgliedern und Stadtverordneten bestehende Deputation bei Sr. Maj. dem Könige eine Audienz erbitte, um dem Monarchen getreuen Bericht von den Zuständen der Hauptstadt zu erstatten, und die weitere Entschließung Sr. Majestät ehrerbietigst zu gewärtigen; 2) daß die zuständigen Staatsbehörden ersucht werden, zu veranlassen, daß zwei Bataillone Infanterie und ein Kavallerie-Regiment in der Ilm# gegend Berlins bald Standquartier erhalten. — Die Stadtverordneten haben ein Schreiben an den Magistrat gerichtet, worin sie den Erlaß einer Special-Bürgerwehrordnung für Berlin beschleunigt zu sehen und gleich-