Einzelbild herunterladen
 

- 260 —

Hadersleben zu gehen. Wie man hört, hat sich gleichzeitig im Westen Alles in Bewegung gesetzt und die Preußen und Bundestrilppen folgen, um endlich das so lange preis- gegebene Nordschleswig zu besetzen und in Jütland einzurücken. Schwerlich wird man die dänische Armee ereilen, da cs heißt, daß dieselbe schon Haderslkben in nördlicher Richtung verlassen haben soll. Schiffe haben sich in mehreren Tagen nicht gezeigt; vor­gestern Abend wurden indessen in der Ferne 7 feindliche Schiffe bemerkt und da eine Landung als möglich voraus­gesetzt ward, wurden von dem Major v. b. Tann sofort die nöthigen Vorsichtsmaßregeln zur Vertheidigung der Stadt angeordnet. Die Barrikaden wurden geschlossen, die benachbarten Häuser besetzt u. f. w. Aber die Nacht ver­ging, ohne daß sich ein Feind blicken ließ, und die Schiffe sollen ihren Lauf nach Sonderburg gerichtet haben.

Flensburg, 28. Juni.- Heute Morgen 5 Uhr rückten sämmtliche Truppen (bis auf die nothwendigste Wachtmann- schaftj Artillerie, Cavalleric und Infanterie, gegen Norden. —■ General Wrangel und sein Generalstab gingen heute Morgen 7 Uhr zum Heere ab. Unsere Truppen haben schlechtes Marschwetter; es regnet unaufhörlich. Sie sollen heute noch bis Apenrade — wo sie im Bivouac liegen müssen — und morgen auf Hadersleben marschiren. — Der in Braunschweig erscheinenden Deutsche» Reichszeitung wird aus Rendsburg geschrieben: Als Friedensbedingungen theilt man sich aus Malmö hier mit 1) Prinz Ferdinand als Statthalter 2) dessen Minister die Mitglieder der pro­visorischen Regierung 3) Schleswigs Verhältniß zu Deutsch­land nach dem Tode des letzten Oldenburgers auszumachen.

Aus Tirol, 25. Juni. „Die erste Karte des neuen, einigen Deutschlauds wird südlich eine Lücke oder einen häßlichen schwarzen Fleck aufweisen müssen, das wird die Stelle fein, wo man Tirol herausgeläugnet hat aus dem festverwachsenen Ganzen. Aus dem Wappenschilde des Vaterlandes soll dies kräftige Randstück losgebrochen wer­den. Immer deutlicher wird es, daß die Ultramontanen auf keine geringere Schmach sinnen, als auch dieses Grenz- land abwendig zu machen und es umzubrechen zum Blut- acker, auf dem sie allein ernten wollen."

Mit diesen Worten beginnt eine die Pläne der Hierar­chie in Tirol schildernde Correspondenz der Deutschen Zei­tung. Nach dem in ihrem Organ, „den Katholischen Blättern" offen ausgesprochenen politischen Glaubensbekennt­nisse dieser Partei beabsichtigt sie nichts mehr und nichts weniger, als „den Kampf gegen das Bundesgesetz und das österreichische Reichsgrundgesetz zu führen," „das ist unser Wille." Sie will „denen da draußen," das ist den Deut­schen, nur zugestehen, ihnen „in Kriegsnoth helfen zu dürfen." Natürlich, wo der politische und materielle Besitz noch aus­schließlich in den Händen einer Kaste ist, wie in Tirol, dem gelobten Lande der Pfaffen, da darf es nicht wundern, wenn von dieser die Nationalgarde verworfen, die Preß­freiheit „dem Lande und Volke angepaßt," die Gemeinde- selbstständigkeit auf ein Minimum reducirt, Kultus - und Glaubensfreiheit als „Frage" verworfen wird. Die Sprache dieser Katholischen Blätter erinnert lebhaft an die noch vor

Kurzem bei uns erlebten Schefferschen Reden und Thaten. Die Innsbrucker Zeitung hat den Muth, mitten in dem verdummten Lande der Geistlichkeit und ihrem verrätheri- schkn Treiben den Krieg zu erklären. Hoffentlich werden die Tiroler Deputirten zu Frankfurt, welche noch kürzlich die Deutsche Hülfe anriefen, so ehrenhaft sein, sich jetzt auch als Deutsche jenen geistlichen Sonderbündlern gegen­über zu betrachten. —

Berlin. Einer Deputation des Volksclubbs wegen der Ausweisung der demokratischen Central-Gewalthaber zu Berlin, Kriege, Schlöffel, Bayrhoffer, erklärte der Polizei­präsident, es falle Niemandem ein, diese Herren anszuweisen oder gar zu verhaften.

Oldenburg. Die Weser-Zeitung theilt das Gesetz mit, betreffend die Berufung eines Landtags zur Vereinbarung des Staatsgrundgesetzes für das Großherzogthum. Es werden 7 Wahlkreise gebildet, aus welche 35 durch inbirecte Ur­wahl zu ernennende Abgeordnete vertheilt sind.

Aus der Schweiz, 28. Juni. Die Errichtung einer eidgenössischen Hochschule ist nun durch den Beitritt von Bern durch die Tagsatzung mit 12 Stimmen beschlossen worden: eine Schlußnahme, die bald gute Früchte tragen wird.

Die am Freitag Abends hier eingetroffene Nachricht von der Wahl des Reichsverwesers hat die Bevölkerung Kassel's mit Freude und Jubel erfüllt, welcher sich durch Aus­schmücken der Straßen mit deutschen Fahnen, durch Illumi­nation und Freudenschüsse kund gab. Diese letzteren, so wohlgemeint sie sein mochten, wurden aber in einem das Leben und die Sicherheit nicht blos der Kranken und Schwachen bedrohenden Maaße übertrieben, es ist hin und wieder sogar scharf geschossen worden, so daß die Schutz­wachen sich zum Einschreiten mehrfach genöthigt sahen. Die souveräne Straßenjugend, welcher diese bürgerfreundlichen Bemühungen mißliebig sein mochten, begrüßte darauf an mehreren Orten der Stadt die Patrouillen mit Pfeifen nnd Schimpfen, und verursachte einen so furchtbaren Lärm, daß in der Nacht des 1. Juli verstärkte Patrouillen und am 2. Juli eine Ministerial-Proklamation nöthig erschien. Lei­der wurde im Tumulte, man weiß nicht von wem, ein Knabe erschossen und ein Mann lebensgefährlich, verschie­dene Schutzgardisten aber leicht durch Steinwürfe rc. ver­wundet. Der provis. Polizei - Direetor Sezekorn hat für die nächsten 3 Tage das Schließen der Wirthshäuser um 11 Uhr ungeordnet, sowie allen Eltern und Meistern be­fohlen, Kinder und Lehrjungen nach 9 Uhr nicht auf die Straße zu lassen.

Fandesfürstliche Ernennungen re.

Der Steuerrevisor Wagner bei dem Ober-Steuercolleg ist zum Rentmeister in Nentershausen und der Probator Hempel bei der Ober-Finanzkammer zum Rentmeister in Schmalkalden ernannt, sowie der Ober-Finanzassessor B o d e bei dem Ober-Steuercolleg in gleicher Eigenschaft zur Ober- Finanzkammer versetzt worden.

Verantwortlicher Herausgeber: Fr. Oetker.— Redaktion: Fr. Oetker und A. Pfaff. — Druck und Verlag von Th. Fischer in Castel