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Neue

Hessische Leitung.

J\o LZ. Sonntag, den 2. Juli. 1848#

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Politische Nachrichten.

Frankfurt, 29. Juni. Die heutige Sitzung der Nat.-Vcrs. war vorzüglich der Wahl des Präsidenten und der beiden Vicepräsidenten gewidmet. Von 487 Stimmenden wurde von Gagern mit 399 St. zum Präsidenten gewählt. Heinrich Simon v. Breslau hatte 68 Stimmen, Blum 12, Soiron 2. Die Einstimmige Wahl von v. Radowitz, Lichnowsky, v. Vincke, Dahlmann, Heckscher,Bürger" Gritzner v. Wien war wohl ein Scherz der äußersten Linken und Rechten. v. Gagern dankte, indem er versicherte, er werde sich be­streben, des Vertrauens, das man ihm wiederholt erwiesen habe, sich stets werth zu machen. Die Wahl wurde von dem größten Theil der Versammlung mit Freudenbezeugung ausgenommen. Zum ersten Vicepräsidenten wurde v. Soiron mit 359 Stimmen gewählt. Blum, auf den sich der größte Theil der Linken vereinigt hatte, hatte 104 Stimmen. Simon 8, v. Neuwall 4, die üb­rigen Stimmen zersplitterten sich auf ähnliche Weise wie oben. v. Soiron sprach ebenfalls einfach seinen Dank aus. Die Wahl des 2ten Vicepräsidenten fiel wie­der auf v. Andrian mit 277 Stimmen. Der Gegen- candidak der Linken und eines Theiles des linken Centrum, Simon, hatte 182 Stimmen, Blum 3, die übrigen Stimmen zersplitterten sich. V. Andrian ist mit den ander«n Deputirten heute Nachmittag nach Wien abgereist. Der Wahl gingen zuerst 2 Reklamationen gegen das Protokoll vorher, welche allgemeine Heiterkeit er­regten. Ein Mitglied der Linken, Rösler von Oels, wollte im Protokoll außer anderem die Thatsache be­merkt haben, daß der Präsident gestern vor der Mit­theilung der Namen der Deputation gesagt habe, das Bureau habe die Deputation aus allen Parteien ge­wählt, daß sich aber kein Mitglied der Linken, die man wohl nicht als Partei anerkenne, darunter befunden habe. Bekanntlich hat die Linke gar nicht für Johann gestimmt. Ein Mitglied des rechten Centrums, Sepp, Prof, von München, wollte im Protokoll die feierliche Stimmung der Versammlung bei der Proklamation der Wahl Jo­hanns niedergelegt wissen. Das gestern schon erwähnte Schreiben Kapp's an den Präsidenten, welches heute verlesen wurde, erregte ebenfalls, besonders auf der Rech­

ten, häufig Gelächter. In diesem Schreiben führt Kapp als einen Grund seines Austritts auch noch Kränk­lichkeit an, ein Punkt, der in dem Abdruck auf dem gestern erwähnten Plakate des Ausschusses der demo- krat. Vereine vergessen worden ist. Der Präsident fragte die Nat. Vers., was man in Beziehung auf dieses Schreiben zu thun habe, ob man die betreffenden Regie­rungen zur Wahl eines neuen Abgeordneten auffordern oder das Schreiben erst an eine Kommission verweisen solle. Fuchs v. Breslau hofft, daß weder v. Soiron, noch Dahlmann, welche in dem Schreiben erwähnt sind, dasselbe einer Antwort würdigen würden. Wern her schlägt vor, zur Tagesordnung überzugehen, v. Maltzahn will den Stellvertreter einberufen haben. Die 93 er sammt beschließt daraus den Austritt anzunehmen und die betreff. Regierungen zur Anordnung einer neuen Wahl aufzufor­dern. Nachdem einigen Urlaubsgesuchen willfahrt war, motivirte noch Kolb Die Dringlichkeit seines An­trags aufAufhebung des österr. Geldausfuhr­verbots. Er wünscht, daß derselbe an einen Ausschuß verwiesen werde und dieser den Wunsch der Aufhebung des Verbots aussprechen möge. Kur anda suchte das Verbot zu vertheidigen. Der Antrag wurde dann dem Ausschuß für Volkswirthschaft zur schleunigen Begutachtung empfohlen.

Nach Beendigung der Tagesordnung fand noch eine De­batte über die Gegenstände Statt, welche man auf die nächste Tagesordnung setzen wollte. Neugebauer (Böhmen) will die österreichische slavisch u. böhmisch czechische Frage zunächst behandelt haben, Reh trägt darauf an, die Diskussion seines Antrages auf Niedersetzung eines Ausschusses zur Vorbereitung eines Ma­nifestes an die Nationen und Regierungen auf die nächste Tagesordnung zu setzen; Gr um brecht interpellirt den internationalen Ausschuß wegen der Limburger Frage und erhält von Jung die Antwort, daß derselbe nur noch auf eine versprochene Erklärung der Regier, hoffe, jedoch bald darüber berichten werde. Derselbe Ausschuß wird von Jor­dan wegen der Posenschen Abgeordneten-Frage interpellirt und ertheilt durch Jung Auskunft über den Stand dieser umfangreichen Frage, deren Setzung auf die Tagesordnung noch nicht genau bestimmt werden könne. Da die Grundrechte des deutschen Volkes erst in der