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Beilage zu Nr. 32 der Neuen Hessischen Zeitung.

jetzigen Anarchie. Uebrigens bitte er, den Adreß-Entwurf, der sich nunmehr wesentlich verändern werde, an die Adreß- Commission zurückzuweisen und erst nach Anhörung des neuen Ministerii zu beschließen." Dieser Wunsch ward von Zachariâ zum Antrag erhoben und von der Versammlung genehmigt. Uebrigens mußte das neue Ministerium sogleich bei dieser Gelegenheit die heftigsten Angriffe der Linken, namentlich von d'Ester und Reichensperger erfahren. _ ;

Frankreich.

Die Pariser Bluttage sind zu Ende geführt. Der wilde Aufruhr ist mit entsetzlichen Opfern unterdrückt worden. Die Nat.-Vers. hat die Dictatur des Generals Cavaignac ver­längert. Er führt den Titel Conseilpräsident und soll seine Minister selbst ernennen. Paris ist ruhig und begräbt seine teuflisch verstümmelten Todten. Es liegt uns eine Dar­stellung dieser Schreckenstage vor. Aber der heutige Tag, an welchem Deutschland jubelt, schien uns zur Erzählung so vielen Elends nicht geeignet. Wir versparen lieber un­sern Bericht und schließen heute mit einem festlichen

Trink- und Banspruch" von Alfred Klauhold.

Ja Trinken, das ist deutsche Lust f Aus Väterzeit geblieben,

Im alten Buch von Tacitus

Da steht es schon geschrieben: Es stoße jeder deutsche Mann, Wo Becher klingen, froh mit an.

Vor tausend Jahren an dem Rhein Bant' Kaiser Karl die Feste, Doch kann er drin nicht heimisch fein, I Es fehlet ihm das Beste,

Bis er der Trauben edles Reis Am deutschen Berg gepflanzet weiß. Die Feste, die liegt längst in Schutt, In Trümmer hingesunken.

Der frischen Reben rothes Blut Wird immer noch getrunken, Und in dem Wein gährt mitteninn Des alten Kaisers Hcldenstnn.

Drum hat noch jüngst ein deutscher Mann Sich in dem Wein berauschet, Mit lautem Ruf gejauchzet dann, Daß alle Welt gelauschet!

Kein Preußen und kein Oestreich mehr, Es lebe Deutschland, stark und hehr!

Der deutsche Mann soll bauen nun Aus Schutt die alten Hallen, Und wenn wir von der Arbeit ruhn, Da soll es weitbin schallen: Es lebe hoch der Prinz Johann, Der so erbaulich toasten kann.

Landtag.

In der Sitzung vom 27. Juni wurde der Ausschuß- Antrag in Betreff der Volksbewaffnung angenommen, wor­auf man zur Revision des Jagdgesetzes überging. Herr Bredemeier stellte nod;j den Antrag, statt 100 C. Acker

60 Acker zu setzen, allein vergeben? ; unsere Hoffnung, daß die Sache inzwischen noch einigen Herren klarer geworden sein werde, blieb leider unerfüllt. Wir können deßhalb nicht rathen, das Gesetz in seiner jetzigen Gestalt zu erlas­sen und zwar um so weniger, als (worauf auch Herr Kno­bel aufmerksam machte) nach dem bekannt gewordenen Ent­würfe des Verfassungsausschusscs zu Frankfurt, von Seiten des Reichstages die Aufhebung aller Jagdgerechtsame auf fremdem Eigenthuine ohne Vergütung zu erwarten ist. Zu § 9. 12 bleibt es nach den Emendationen der Stän­deversammlung sehr zweifelhaft, ob die Ausübung der Jagd in verschlossenen Räumen unter 100 C. Ackern von Seiten des Eigenthümers strafbar ist oder nicht; doch geht die Absicht des Ausschusses nach Henkels und Nebel­thaus Erklärung dahin, daß keine Strafbarkeit eintreten soll. Das Gesetz wurde bei der geheimen Abstimmung angenommen. Die Versammlung setzte sodann die Bera­thung des Preßgesetzes fort.

D ie Wahrheit.

In Nr. 20 d. Vl. redet Herr Metropolitan Brunner unter der Aufschrift:Der Wahrheit die Ehre" recht schöne Worte, die viel wirken könnten, wenn sie alle wahr wären. Wenn den Lehrern jener Gegend in Beziehung auf ihr Verhältniß zur GeistlichkeitNichts" zu wünschen übrig bleibt, so muß dort ein wahres Paradis sein, und mancher Lehrer mögte im Stillen wünschen, jener Selig­keit theilhaftig zu werden. Ihnen selbst, Herr Brunner, die größte Ehre, wenn Sie stets ein Freund braver Lehrer, besonders der Freund Ihrer braven Lehrer waren; Sie gehen aber fehl, wenn sie glauben, Ihnen glichen alle Ihre Amtsbrüder. Es ist leider nicht so! Wohl mögen Ihnen Beispiele bekannt sein, daß einzelne Bürgermeister gegen einzelne Lehrer Anzeigen gemacht und Intriguen ge­schmiedet haben, halten Sie sich jedoch versichert, daß im Allgemeinen der wackere Lehrer stets der Freund seines wackern Bürgermeisters war und ist, und anders werden Sie urtheilen, wenn Sie erfahren, daß die Beispiele nicht selten sind, wo sogar wackere, recht brave Lehrer in jeder Beziehung von ihren Pfarrern gedrückt wurden, ja wo sogar die Pfarrer die Bürgermeister und andere Gemeind em i tglicd er zu gewinnen such­ten, um gegen einen Lehrer zu operiren. Die Gemein­den werden mit Gottes Hülfe allgemach einsehen lernen, daß es der Lehrerstand im Allgemeinen verdient und schon lange verdiente, daß sie sich mehr für den­selben interessiren, und einzelne Geistliche würden in der Meinung des Volkes Nichts verlieren, nur gewinnen, wenn sie thatsächlich bewiesen, daß sie daS hochwichtige Amt deS Lehrers erkannt hätten. So lange unsere Seelsorger, die die Erzieher unserer Jugend die Mitarbeiter am Ge­schäfte der Seelsorge noch nicht achten, lieben und ehren lernen, während doch das Lehreramt wohl Achtung verdient, so lange steht es noch schlimm, und das verderb-