Hessische Zeitung.
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Die deutsche Central-Gewalt.
Die deutsche Central - Gewalt ist beschlossen und ernannt. Nacht der müssige Streit der Principien und Theorien hat sie geboren, nicht den wahren oder falschen Gründen der Parteien haben wir sie zu verdanken, sondern der drängenden Nothwendigkeit und der Sehnsucht des Volkes, welches endlich wieder Einheit, Kraft und Wohlstand, endlich wieder den ruhigen Genuß und Ausbau seiner Freiheit wünscht: „Schaffet eine Central-Gewalt, be- stimmet, daß Einer regiere und lasset ihn von der Macht ernennen, welche wirklich jetzt eine Macht ist, von der National-Versammlung selbst. Aber leget Euch auch die Pflicht auf, einen Mann zu ernennen, welchen Alle mögen, welchen auch die Partei der Fürsten ernennen würde, greifet in die höchsten Schichten der Gesellschaft, wählet den Erzberwg Johann, wählet auch Ihr ihn, Ihr Männer der Linken, Ihr könnt ihn wählen, nicht weil, sondern obgleich er eines Kaisers Bruder ist." Das war der Sinn der Worte Heinrichs von Gagern, der sich auch dieses Mal als den größten deutschen Staatsmann erwies. Und fürwahr, wer sich jetzt, wo es gilt, rasch und gemeinsam zu handeln, im lauten Schulgezänke nimmer einigen mag, der kann vielleicht ein guter Sophist, ein tiefsinniger Philosoph, ein gelehrter Politikus sein, aber ein Volks-Vertreter, wie ibn der große Augenblick erfordert, ist er nicht. Selbst die Mitglieder der rechten Seite haben in ihren Rednern politische Bildung und parlamentarischen Tact genug verrathen, um sich dieser großen und wichtigen Entscheidung selbst da, wo sie nicht mit beistimmten , gern zu fügen. Von ihnen durften wir nicht befürchten, daß sie „austre- ten* und dem Einigungswerk störend enlgegentrachtcn würden. Von den Männern der Linken durften wir nun auch so viel Patriotismus erwarten, daß sie ihrerseits ihre Stimme und Anerkennung nicht dem Manne versagen würden, welcher den Wünschen ihrer Gegner entspricht, und welcher ihnen selbst genehm sein würde, wenn er nicht das Unglück gehabt hätte, in der Nähe eine Thrones geboren zu sein. — Die deutsche Central-Gewalt ist ernannt, jetzt ist es an den deutschen Regierungen und Völkern, zu zeigen, daß es ihnen mit der Ehre und Freiheit des Vaterlandes Ernst ist Ob die Reichs-Regierung ihre Aufgabe erfüllen, ob sie die Feinde unserer Freiheit, wo sie sich auch finden
mögen, rasch und kräftig zu beseitigen im Stande sein werde, das hängt jetzt gar sehr auch von uns ab. Unsere Sehnsucht ist groß, möge unsere Willenskraft und unser republikanischer Gehorsam jetzt nicht klein befunden werden.
Kassel, am 30. Juni 1848. A. P.
Politische Nachrichten.
Frankfurt, 27. Juni. Die heutige Sitzung der constit. Nat.-Vers., welche von 9 — 5V2 Uhr dauerte, hat ein glücklicheres Resultat gehabt, als die gestrige. Um zunächst die Störungen, welche gestern theilweise von der Galerie verursacht waren, zu beseitigen, waren auf derselben einige Hundert Mann Schutzwache, jedoch ohne Waffen, mit ihren -Abzeichen in der Tasche, vertheilt, um tm Nothfalle Ruhe gebieten zu können. In der Nähe der Paulskirche war eine Compagnie Linienmilitair ausgestellt, jedoch auf das Verlangen einiger Mitglieder der Linken fand sich der Präsident bewogen, dieselben wieder kurz vor 10 Uhr, wo die Sitzung begann, zum Abzug aufzufordern. Den Hauptgrund der gestrigen Ruhestörung zu beseitigen hatte Herr von Gagern übernommen, indem er von der Tribüne eine Erklärung verlas, welche die Freunde des Herrn Heckscher für diesen abgegeben hatten. Sie lautete: „Die Unterzeichneten sind der Meinung, daß der Abgeordnete Heckscher die folgende Erklärung heute von der Tribüne abgeben kann, ohne dadurch seiner Ehre oder seiner Stellung auch nur im Entferntesten etwas zu vergeben: Einige Worte, die ich gestern hier von der Tribüne ausgesprochen habe, sind, wie es scheint, mißverstanden, oder es ist ihnen ein Sinn unterlegt worden, den ich nicht beabsichtigte. Wenn mich meine Sinne nicht täuschten, so erfolgten Beifallszeichen von der Galerie, als Herr Vogt einiger Amendements Erwähnung that, die noch eingebracht werden sollten. Ich habe dieses Faktum kurz angeführt, ohne alle Absicht, einen Theil der Versammlung oder einzelne Mitglieder derselben dadurch beleidigen zu wollen. Ich habe dieser Sache keine besondere Erheblichkeit bcigelegt, und glaube auch nicht, daß die von mir gebrauchten Worte einen verletzenden Sinn enthielten." Herr von Gagern fügte hinzu, daß auch er glaube, die gestrigen Worte hätten nichts Beleidigendes enthalten und sei kein Grund vorhanden gewesen, Herrn Heckscher zur Ordnung zu rufen.