— 245 —
hie die Demokratische Partei wieder auswetzen müsse. Man halte deßhab zusammen; ein großes Volk kann auch seine schwachen Stunden haben, sich übereilen."
Berlin, 24. Juni. Die Bildung des neuen Ministeriums ist in diesem Augenblick als beendet anzusehen. Hansemann, obgleich der Urheber und die Seele der neuen Combination, hat aus verschiedenen Gründen aufs Präsidium verzichtet und sich mit dem Finanzministerium begnügt. Mit dem Vorsitz ist von Auerswald beauftragt. Die übrigen Minister sind Rodbertus. Kultus Departe- mentchef für die katholischen Angelegenheiten: von Berg. Milde: Handel. Kühlwetter (Regierungspräsident in Aachen). Inneres. Merker: Justiz. (Departementschef für die rheinische Justiz: Müller). Von Schleinitz: Auswärtiges. Von Schreckenstein: Krieg. Vacant ist das Ministerium der Ai beiten.
Berlin 25. Die Einrichtung von Geschwornengerichten, wenn auch vorläufig provisorisch , würde eine der ersten Maßregeln sein, die vom neuem Justiz-Ministerium zu erwarten hätten. Nach einem Ministeriell-Beschluß sollen diejenigen Deputirten des Demokraten-Kongresses in Frankfurt, welche in Berlin ihr Geschüftâbüreau errichten wollen, sogleich von hier ausgewiesen werden. Der demokratische Klubb , hat den Plan ein eigenes mit Piquen bewaffnetes Korps zu organistren. Von Seiten des Bürgerwehr-Kom- mandos ist jedoch Einspruch hiergegen erhoben worden. Hanskmann soll erklärt haben, daß gleich nach der Beseitigung der Minister-Krisis, in Berlin und überall, wo es unruhig hergehe, das Martialgesetz proklamirt werden soll.
Preußen. Berlin, 16. Juni. Privatnachrichten aus Westpreußen melden, daß die im Königreiche Polen zusam- mengezogenen russischen Heerhauftn sich auf bedrohliche Weise der preußischen Grenze nähern, daß Thorn mit aller Schnelligkeit armirt und in Vertheidigungszustand gesetzt wird. Ich theile Ihnen eine Stelle aus dem Briese eines unmittelbar aus dem Königreich Polen gekommenen Reisenden mit, in welchen« es unter Andern: heißt: „Was mir am meisten auffiel, war, daß ich unter den russischen Officieren ganz offen von der Erhebung des allgemeinen Slaventhums reden hörte. Bei den« russischen Heere giebt es eine Art von Officieren, welche man mit dem Namen Konversations-Osficiere zu benennen pflegt, und welche von Petersburg aus an die Truppentheile versendet werden, um den Geist des Heeres zu stimmen. Die Konversations- Officiere nun predigen seit der letzten Zeit ganz laut die Idee des Panslavismus, und daß der „Batuschka" (der Kaiser) bald eintreffen werde, um das Heer nach Deutschland zu führen und dort die Feinde Gottes und der Ordnung zu züchtigen. In diesem Sinne sucht man das Heer zu fanatisiren, und es dürfte somit doch noch letztlich dem Kaiser von Rußland vorbehalten sein, die wahre „„Vereinbarung"" Deutschlands mit sich selbst zu Wege zu brin= gen." (K. Z.)
Glogau, 21. Juni. Auch hier ist der vorläufige Befehl eingetroffen, Alles in Bereitschaft zu halten, um Glogau in Belagerungszustand zu erklären.
^.Königsberg. Die „Neue Köln. Ztg." enthält fol
gende Mittheilung des Vorstandes des Königsberger Arbeitervereines an denselben: Dem Königsberger Arbeiterverein theilen wir in Folge unseres Auftrages hierdurch mit, daß der Herr Oberpräsident auf unsere Frage, „ob und welche Nachricht das Gouvernement über die Zusammenziehung von russischen Truppenmassen an den Grenzen habe?" uns die Antwort ertheilte, daß bereits vor mehreren Wochen der Kaiser von Rußland dem Preuß. Cabinet die Mittheilung machte, daß er mehrere Truppenabtheilungen zum Schutz der Grenzen beordert habe; die Aufstellung der Truppen sei jetzt erfolgt; in der Stellung Rußlands zu Preußen sei übrigens seit jener Zeit keine wesentliche Veränderung kingetreten. — Auf unsere fernere Frage, „welche Maßregeln die Behörden zum Schutze der Provinz gegen etwaige Angriffe der Russen ungeordnet haben?" wurde uns die Antwort, daß die größte Aufmerksamkeit von Seiten der Regierung auf den Schutz der Provinz verwendet werde.
Der Vorstand des Königsberger Arbeitervereins.
Breslau, 20. Juni. .Sogar von einem Manifest des russischen Kaisers, das ein Geistlicher in Kalisch von der Kanzel herab proklamirte, ist die Rede; da die griechische Religion sich wenig von der katholischen unterscheide, so werde das Haupt jener auch diese, die in Posen und Galizien von Deutschen und Juden mißhandelt und entweiht werde, vertheidigen und sie nicht entehren lassen. Zu diesem Zwecke wird dann ein Kreuzzug gegen die Barbaren und Rache gegen die Unterdrücker der katholischen Kirche der slavischen Völker gepredigt. — Alle diese Alarmgerüchte werden freilich fast nur der Breslauer oder Voss. Zeitung berichtet, beruhen auch höchst wahrscheinlich auf arger Uebertreibung — aber das ist kein Grund für uns, nicht auf der Hut zu sein.
Baiern. In München sind neulich 100,000 Fensterscheiben Ungeschlagen worden. Doch hat es diesmal der Hagel und zwar nicht der Janhagel gethan. — Auch sind in München die für die Studenten-, Künstler- je. - Corps von schöner Hand gefertigten Fahnen überreicht worden und es knüpfte sich an diese Feierlichkeit ein großes Volksfest. Eine ähnliche Feier steht uns auch in Cassel bevor.
Schlw. Holst. 24. Juni. Die beiderseitigen Truppen stehen sich unthätig einander gegenüber. Die Dünen sollen sich bei Hadersleben verschanzen und ihre Hauptmacht dort und weiter nach Norden concentriren, während in Flensburg eine Menge flüchtiger Haderslebener sind, die unter dem Schutze unseres Heers wieder in ihre Heünath zu gelangen hoffen. Die Dünen schicken ihre Patrouillen bis nach dem rothen Krug, 1 Meile von Apenrade, und umgekehrt gehen Vorposten des Tann'schen Corps, das sich bekanntlich in Apenrade verbarricadirt, bis nach Hoptrup. Das Sundewit'-- sche wird von beiden Seiten abpatrouillirt. Auf Alsen sind augenblicklich vielleicht nur 2 oder 3 Bataillone Dänen, aber es wird dort eine unausgesetzte Schiffsverbindung mit Fühnen und dem Norden unterhalten — Von einem Waffenstillstände wird nichts gemeldet, daß aber wieder Vermittelungsunterhandlungen im Gange sind, leidet keinen Zweifel. Unsere Angelegenheit scheint fortwährend der Prüfstein für die Einheit Deutschlands werden zu sollen, die