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und dann zur Abstimmung bringen zu wollen. Die Linke verlangt Verlesen derselben und dann neue Discussion. Neu­wall wirft der Heckscherschen Partei die Schuld an dieser Verzögerung vor und meint, die Enkel und Urenkel wür­den so noch nicht zu spät kommen, um den Beschluß über die Erecutivgewalt zu fassen. Heckscher betritt von Neuem die Tribüne. Er beginnt: Bei diesen neuen Amendements, mit denen wir nun beschenkt werden sollen, die schon den Beifall der Tribünen da oben haben. Bei diesen Worten erhob sich ein großer Lärm auf der Linken, indem man den Redner über diese letzten Worte wollte zur Ordnung geru­fen haben. Der Vicepräfident sieht sich nicht dazu veran­laßt, kann aber unter diesem Lärm, an dem bald die Tri­bünen Theil nehmen, die Debatten nicht fortsetzen lassen, sondern muß die Versamml. auf eine halbe Stunde verta­gen. Viele Mitglieder entfernen sich. Nach einer halben Stunde, als der Lärm sich ein wenig gelegt hatte, erklärte der Viecpräsident, der durch das Rufen ganz heiser gewor­den war, die Sitzung für heute geschlossen, da an eine ru­hige Berathung doch nicht zu denken sein würde.

Oesterreich.

Prag 19. Juni. Fürst Windischgrätz ist zum General­bevollmächtigten und Civil- und Militair-Gouverneur Böh­mens ernannt. Heute früh führte das Militär 42 Mann Svornost in Verhaft. Seit vorgestern sind verhaftet und in Verhör (alle in Eisen): Graf Bouquoi, Graf Deym, (Schwiegersohn des Erstern) Baron Villani (der schon den ganzen Höllenplan gestanden haben soll, nämlich einer mehr als Sicilianischen Vesper gegen alle Beamte, Adel, Otsicicre und Deutsche, von welchen Letzteren nur Wenige ausgenommen waren, die aber doch über die Grenze ge­schafft werden sollten), Dr. Brauner, Graf Albert Nostitz, Schriftsteller Kampetik, der berüchtigte Arnold, Dr. Fritsch und Sohn, Dichter Mekorety. Faster wird gesucht.

Prag, 20. Juni Graf Deym, Graf Fouquet, Ba­ron Villani sind am 19. Juni verhaftet nebst einer großen Anzahl der Mitglieder der Svornost, sowie der Studenten­schaft. Aus den Vorgefundenen Papieren ergiebt sich, daß der lang vorbereitete Aufstand erst am 15. Juni losbrechen sollte. Auf dem Lande ist es ruhig, obwohl die Emissäre Alles aufbieten, den Sturm von Neuem heraufzubeschwören.

In vielen böhmischen Ortschaften werden vom Landvolk Kugeln gegossen. Sämmtliche böhmische Kreishauptleute sind angewiesen, bei weiteren Ruhestörungen das Stand- recht zn publiciren. Fürst Windischgrätz erließ eine beru­higende Proklamation, daß man ja nicht glaube, daß die Constitution oder gar die Freiheit durch die Ereignisse oder durch seine Person geschmälert werde, beide sind ihm als Diener des Kaisers heilig; wenn er jetzt strenge Maßregeln für kurze Zeit ergriffen babe, so wäre es zur Unterdrückung der muthwillig herbeigeschleppten Anarchie geschehen, die er jederzeit Niederhalten werde.

Aus dem Salzburgischen, 16. Juni. Das Kö­nigreich Böhmen soll nun bestimmt einen Erzherzog als Vicekönig und eine ganz getrennte Verwaltung erhalten. Daß dabei die Nationalität im vollsten Umfange gewähr­leistet wird, versteht sich von selbst, ebenso, daß Böhmen

fortwährend ein integrirender Theil Oesterreichs und somit auch Deutschlands bleibt. (Berl. N.)

Ungarn. Militairgrenze. Der Commandant von Peterwardein, Feldmarschall-Lieutenant v. Hrabowsky, soll unserm Ministerium erklärt haben, daß er 40,000 Mann brauche, um mit Erfolg gegen die Aufständischen operiren zu können.

Wien 18. Juni. (A. 3) Man erfährt so eben durch Estafette aus Constantinopel, daß es den russischen Emis­sären gelungen sei, die Donaufürstenthümer aufzuwiegeln. Sie sollen eine Nationalversammlung zusammenberufen und die Frage des directen Anschlusses an Rußland primo loco debattiren wollen. (?) — Die hiesige Regierung hat die Hinausschiebung des Termines zur Eröffnung der National­versammlung in Wien noch nicht veröffentlicht, sie ist aber auch in Tausend Nöthen.

Wien, 19. Juni, 2 Uhr Nachmittags. Die Stadt ist wieder in der größten Aufregung Ueberall wird General­marsch geschlagen. Militär und Nationalgarden ziehen den gegen die Linien heranstürmenden Arbeitern entgegen.

(O. P. Z.)

Wien, 20. Juni. Der Allg. Z. wird geschrieben: Gestern wurde abermals die gefammte Nationalgarde durch Trommelschlag zusammenberufen. Man befürchtete ernste Demonstrationen von Seiten der Arbeiter, welche sich aber ziemlich ruhig verhielten. Auf den verschiedenen Arbeits­plätzen wurden Verhaftungen vorgenommen; es sollen bei 80 Aufwiegler eingefangen worden sein. Da sich das Ge­rücht verbreitete, die Arbeiter wollten den Pulverthurm auf der sogenannten Türkenschanze nächst Wien in die Luft sprengen, wurde dieser vom Militär besetzt und eine Bat­terie daselbst aufgeführt. Heute hat der Sicherheitsaus­schuß eine Kundmachung an die Arbeiter erlassen, nach welcher ihren Forderungen auf keinerlei Weise Gehör ge­geben werden kann.

Wien, 20. Juni. Nach Berichten aus Triest in der Allgem. Oestr. Zeit. hat die sardinisch Venetianische Flotte, 3 Fregatten, 3 Corvetten, 4 Briggs, 1 Goelette und 4 Dampfschiffe stark, nach der erfolgten Blokadeerklärung 10 Seemeilen von der Stadt in Schlachtordnung geankert und läßt kein österreichisches Schiff durch. Es verlautet, daß die im Hafen von Triest liegende österreichische Ereadre, durch armirte Kauffahrteischiffe verstärkt, sie angreifen solle. Sie zählt jetzt 142 Geschütze und außerdem sind die Bat­terien der Stadt mit 174 Geschützen armirt, so daß die Italiener ihrerseits einen Angriff nicht mehr wagen dürfen. Der sardinische Vice-Konsul Agabio war aus Triest aus­gewiesen worden.

Preußen. B e r l i n, 20. Juni. Es stellt sich immer mehr heraus, daß der Angriff auf das Zeughaus ein prämeditirter ge­wesen, der mit dem reinen Parteikampfe nichts mehr zu thun hat, als daß einige unglückliche Verblendete sich dazu haben gebrauchen lasten und anderes Gesindel für Bezah­lung seine heiligste Pflicht gegen das Vaterland verletzt hat. — Im Zeughause lag — wenn nicht der ganze — ein großer Theil der neuen Zündnadelgewehre, die Erfin- dung eines preußischen Ofsiciers und eines Technikers. Was